GA-Serie Engel im Alltag

Manu Gardeweg hat immer eine Lösung parat

Vollgepackt bis in die oberen Regale ist die Halle in Spich, in der Manu Gardeweg die Spenden für die Flüchtlinge lagert.

Vollgepackt bis in die oberen Regale ist die Halle in Spich, in der Manu Gardeweg die Spenden für die Flüchtlinge lagert.

Rhein-Sieg-Kreis. Aus der Improvisation ist das „Flüchtlingsnetzwerk Lohmar“ entstanden, das die 53-Jährige über Facebook verwaltet. Es zählt inzwischen 900 Mitglieder.

Kisten über Kisten in meterhohen Regalen: Die Halle im Spicher Industriegebiet ist vollgepackt, fast bis unters Dach. In den großen Pappkartons sind Kleiderspenden, Schulmaterialien, Spielzeuge und vieles mehr verstaut – alles gut sortiert. Zwischen den Kisten räumt Manu Gardeweg eine Kleiderstange beiseite und schiebt einen Karton an die richtige Stelle. „Die Lagerhalle ist mein Baby“, sagt sie. Und das Ergebnis von zwei Jahren intensiver ehrenamtlicher Arbeit. Manu Gardeweg ist eine Macherin. Sie packt überall dort an, wo Not am Mann ist. Eine Eigenschaft, die die Lohmarerin schon Zeit ihres Lebens in ehrenamtliches Engagement investiert – seit 2015 besonders in die Flüchtlingshilfe.

Ursprünglich sammelte Gardeweg Sachspenden für Opfer von Hausbränden. 2015, mit der Ankunft Hunderter Flüchtlinge im Kreis, kam die Hilfe für die Asylsuchenden dazu. „Ich bin mit meinen Helfern von Erstaufnahme zu Erstaufnahme gefahren und habe die Leute mit Sachspenden versorgt. Damals bin ich ins kalte Wasser gesprungen und habe einfach improvisiert“, erinnert sich Gardeweg. Nach mehreren Standortwechseln wurde die Halle in Troisdorf-Spich zum dauerhaften Lager für die Spenden. „In der Zeit habe ich gelernt, tiefenentspannt an Probleme heranzugehen“, sagt die 53-Jährige.

Aus der Improvisation ist Gardewegs „Flüchtlingsnetzwerk Lohmar“ entstanden, das sie über Facebook verwaltet. Es zählt inzwischen 900 Mitglieder. 80 soziale Organisationen aus dem Rhein-Sieg-Kreis, Bonn und Köln haben sich angeschlossen. Die Sachspenden im Lager kommen nicht nur Bedürftigen in der Region zugute. Gardeweg verschickt sie in die ganze Welt. „Mitglieder des Netzwerkes schreiben mich an und sagen, was sie für Hilfsprojekte beispielsweise in Nigeria oder Griechenland brauchen“, erklärt sie. Dann versucht sie, in Lastwagen freie Stellplätze für die Paletten mit den Sachspenden zu organisieren und schickt sie so zur Hilfsaktion.

Die Kosten für die Spedition holt Gardeweg mit Spenden ein. Das ist jedoch nur eine Baustelle der 53-Jährigen. Während Gardeweg zwischen den Kisten sitzt und erzählt, wird sie mehrmals vom Klingeln ihres Telefons unterbrochen. Jedes Telefonat beendet sie mit dem Satz: „Ich kümmere mich darum.“ Noch eine Aufgabe für die nächsten Tage. Das ehrenamtliche Kümmern im Netzwerk bezieht sich auf viel: Die Versorgung von Obdachlosen, die Arbeitssuche, Behördengänge und Wohnungsbeschaffung für Flüchtlinge oder Bedürftige sind nur wenige Beispiele.

Gardeweg scheint für alles eine Lösung zu haben. Vor Kurzem habe sie über ihr Netzwerk von einer bulgarischen Frau in Lohmar gehört, die wegen einer Räumungsklage ihre Wohnung verlassen musste, erzählt sie. Die Frau sprach deutsch, das elfjährige Kind ging zur Schule. Gardeweg brachte sie zuerst in einer Notunterkunft unter und besorgte der Frau ein Vorstellungsgespräch bei einer Cateringfirma. Dort arbeitet die Bulgarin nun erfolgreich in Vollzeit und kann jetzt einen Mietvertrag einer Wohnung unterschreiben, die Gardeweg für sie gefunden hat. All das erzählt sie, als sei es das Einfachste der Welt gewesen. „Ich schenke keinem etwas. Die Menschen müssen bereit sein, meine Lösungsvorschläge selbst umzusetzen. Sie müssen nach meiner Starthilfe selbst aktiv werden“, erwartet die Helferin. Unter der Woche ist Gardeweg täglich für ihr Lager, auf Terminen und für unvorhergesehene Einsätze unterwegs.

Und auch am Wochenende hat sie ihre Facebook-Gruppe immer im Blick . Das Handy ist nie aus. Das gilt für sie auch in der Advents- und Weihnachtszeit. „Natürlich nehme ich mir an den Tagen eine Auszeit und verbringe sie mit meinem Mann und meinem Sohn. Doch die Anfragen im Netzwerk müssen trotzdem gecheckt werden“, sagt Gardeweg, die tiefenentspannte Macherin.