ICE-Halt am Bahnhof

Leere Bahnsteige und verspätete Züge in Siegburg

Leere Bahnsteige morgens im Siegburger Bahnhof: Nach dem ICE-Brand auf der Schnellstrecke Köln/Frankfurt halten nur wenige Fernzüge.

Leere Bahnsteige morgens im Siegburger Bahnhof: Nach dem ICE-Brand auf der Schnellstrecke Köln/Frankfurt halten nur wenige Fernzüge.

Siegburg. Pendler berichten nach dem Brand bei Dierdorf weiter von Problemen, und Kunden bleiben auf ihren Kosten sitzen. Ab dem 18. November soll die Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt wieder uneingeschränkt befahrbar sein.

Vier Wochen nach dem ICE-Brand bei Dierdorf sind viele Pendler mit ihrer Geduld am Ende. Weil zurzeit viele ICE-Halte am Bahnhof Siegburg entfallen, verdoppelt sich nicht nur die Fahrzeit. Einige Bahnkunden fürchten auch, dass sie auf den finanziellen Folgen sitzen bleiben. Andreas Jahnke aus Lohmar arbeitet am Frankfurter Flughafen. Weil die beiden ersten Züge um 3.42 und 4.30 Uhr während der Bauarbeiten auf der ICE-Schnellstrecke ausfallen, kommt er nur mit dem Auto zur Frühschicht. Hat er Spätschicht, entfallen die ICE-Halte nachts aus Richtung Frankfurt. „Die Bahn hat einmal 120 Euro als Gutschrift gezahlt“, berichtet Jahnke, der eine Bahncard 100 für 4270 Euro pro Jahr nutzt. Jetzt versucht er, seine Fahrgastrechte geltend zu machen. Das Problem: Die Bahn zahlt jeweils nur für eine Autostrecke, weil es für die andere ja theoretisch eine Zugverbindung gäbe. „Aber ich kann das Auto ja nicht mit in den ICE nehmen“, sagt Jahnke. Er hat sich für die fünfwöchige Bauzeit Mehrkosten von 2200 Euro ausgerechnet.

Thomas Kohrs aus Bad Honnef sagt: „Das, was die Bahn im Moment den Pendlern zumutet, ist eine Unverschämtheit, aber die können sich ja leider mangels richtiger Alternative nicht wehren.“ Nach wie vor fahre morgens früh nur ein Zug um 5.41 Uhr direkt nach Frankfurt. Dass die Zugausfälle in Siegburg, aber auch in Montabaur und Limburg nötig sein sollen, um die Fahrzeiten einzuhalten, kann er nicht nachvollziehen. „Ich sitze derzeit in dem Zug 5.41 Uhr von Siegburg aus, sonst mit Halt in Montabaur und Limburg. Diese entfallen aber im Moment angeblich wegen Zeitersparnis. Das ist aber überhaupt nicht verständlich, wenn der Zug dann am Flughafen 14 Minuten steht, um 'pünktlich' um 6.36 Uhr weiter Richtung Frankfurt zu fahren. Das mag für einen Außenstehenden alles trivial sein, aber für die Fahrgäste ist es das nicht“, schrieb Kohrs am Mittwoch.

Der Ersatzfahrplan sei mit dem Ziel konstruiert worden, so viele Züge wie möglich durch den Engpass fahren zu lassen, teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) mit. Der Entfall der Halte sei notwendig, um Fahrzeitreserven aufzubauen. „Selbstverständlich ist sich die DB der großen Auswirkungen für die Reisenden, insbesondere für die Pendler, auf dieser Strecke bewusst. Daher werden auch im laufenden Ersatzfahrplan kontinuierlich Optimierungspotenziale gesucht und – wo möglich – auch umgesetzt“, so die Sprecherin. Seit Montag gibt es einen zusätzlichen Halt morgens um 6.29 Uhr in Siegburg. Wer zum Frankfurter Hauptbahnhof will, muss allerdings am Flughafen umsteigen. Ab dem 18. November soll die Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt wieder uneingeschränkt befahrbar sein.

Ausfälle auf einer anspruchsvollen Strecke

Ein Pendler aus der Gegenrichtung, der regelmäßig von Mannheim nach Siegburg und zurück fährt, hat sich aus dem Zug heraus per E-Mail beim GA gemeldet: „Durch die Notfahrpläne in Folge des ICE-Brandes haben wir ja derzeit einen Vorgeschmack auf den Ausfall der Halte in Siegburg. So fahre ich gerade mal wieder in aller Seelenruhe an meinem Ziel vorbei nach Köln , um von dort wieder zurückzufahren. Der 'Spaß' kostet eine Stunde. Da wir gerade Verspätung aufbauen, hoffe ich, dass das überhaupt ausreicht.“

Wie berichtet, halten nach dem Fahrplanwechsel im Dezember insgesamt vier ICE pro Tag weniger in Siegburg, weil die Bahn den neuen, langsameren ICE 4 testet. „Ich suche immer noch nach plausiblen Erklärungen, wieso die Bahn vorhandene, gute Systeme willkürlich reduziert, statt sie systematisch auszubauen, wobei sie gleichzeitig behauptet, sie wolle einen Deutschland-Takt einrichten“, sagt der Mannheimer.

Die DB-Sprecherin erklärt: „Um den ICE 4 auf der anspruchsvollen Strecke mit im Vergleich zu heute gleichbleibenden Fahrzeiten einsetzen zu können, plant die DB für die Dauer eines Jahres zunächst besagte Einführungsphase, während derer bei einzelnen Fahrten Anpassungen des Fahrplans notwendig sind. Das hat in Siegburg/Bonn den Entfall von bis zu vier ICE-Halten pro Tag zu schwach nachgefragten Zeiten zur Folge.“ Zu den nachfragestarken Pendlerzeiten seien keine Haltausfälle vorgesehen oder die Anbindung von Siegburg/Bonn werde ersatzweise durch ICE-Züge anderer Linien sichergestellt. „Der DB ist die Bedeutung der Stadt Siegburg durchaus bewusst, daher bleibt es bei einer stündlichen, teils sogar halbstündlichen Anbindung der Stadt an das Fernverkehrsnetz.“ Zudem prüfte die DB kontinuierlich Chancen, das Fernverkehrsangebot für Siegburg/Bonn nach Abschluss der Einführungsphase wieder auf das gewohnte Niveau zu bringen und gegebenenfalls sogar zu verbessern.

Die Bahn hatte angekündigt, mit der Einführung des ICE 4 das Platzangebot zu erweitern: Ein Zug dieser Baureihe fasst 830 Personen. In Siegburg halten bereits viele Doppelzüge des ICE 3, die bis zu 890 Plätze bieten. „Auf den meisten Strecken ersetzen die ICE 4 Fahrzeuge mit geringerer Sitzplatzkapazität. Daher lässt sich allgemein die Aussage treffen, dass sich mit dem ICE 4 die Sitzplatzkapazität im Fernverkehr erhöht“, so die Bahnsprecherin. „Diese Erhöhung der Sitzplatzkapazität trifft aber zugegebenermaßen nicht auf jede Teilstrecke und für jeden Fernverkehrshalt zu. In Siegburg/Bonn wird sich die Sitzplatzkapazität leicht verringern.“