Flüchtlinge im Rhein-Sieg-Kreis

Integration statt Verwahrstation

Das Flüchtlingsheim an der Bernhardstraße ist eine von acht Unterkünften in Siegburg.

RHEIN-SIEG-KREIS. Sie sind auf der Flucht vor Kriegen, Armut oder Krankheiten. In Deutschland hoffen sie, sich ein besseres Leben aufbauen zu können, doch der Weg dahin ist oft lang: Es kann Monate, manchmal sogar Jahre dauern, bis ein Asylantrag bearbeitet wird.

Insbesondere, wenn gerade sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Das ist derzeit der Fall: Allein von Januar bis Juli 2014 sind fast 100 000 Menschen nach Deutschland geflohen. Im Rhein-Sieg-Kreis leben zurzeit 1314 Flüchtlinge. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, wo der Bürgerkrieg tobt und radikale Islamisten wüten.

Auch die Kreisstadt Siegburg verzeichnet eine starke Zunahme des Flüchtlingsstroms: Waren Ende 2013 noch 90 Asylbewerber in Siegburg untergebracht, sind es mittlerweile 170 Personen zwischen null und 84 Jahren aus den unterschiedlichsten Ländern.

Die acht Unterkünfte, die Siegburg für Flüchtlinge vorhält, seien laut Stadt inzwischen nahezu ausgelastet. "Sollten im Laufe des zweiten Halbjahres weitere Zuweisungen erfolgen, wovon auszugehen ist, reicht der vorhandene Platz nicht mehr aus", sagt Wolfgang Hohn, Sprecher der Stadt Siegburg.

Deshalb sucht die Stadt nun weiteren Wohnraum und hat dazu sogar einen Aufruf gestartet. Wer leerstehende Wohnungen oder Büroflächen, die sich umnutzen lassen könnten, zur Verfügung stellen will, soll sich unter 02241/102854 oder per E-Mail an brigitte.Jaeger-Katzer@siegburg.de melden.

Die Stadt wäre Mietvertragspartner und käme gegebenenfalls auch für Brandschutzmaßnahmen auf. Bisher habe sich nur ein Interessent gemeldet, so Hohn. Deshalb gebe es auch die Überlegung, städtische Unterkünfte zu schaffen - "zur Not auch mit Containern", so Hohn.

Siegburg ist wie alle Kommunen dazu verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen, die über den sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Städte und Gemeinden verteilt werden. Über die Pflicht hinaus, betonte Wolfgang Hohn, bemühe sich die Stadt aber, die Asylbewerber nicht nur zu "verwahren", sondern sie möglichst gut zu integrieren.

"Vor allem traumatisierte Personen werden speziell betreut. Und wir bemühen uns, diese Unterstützung gemeinsam mit sozialen Einrichtungen und Kirchen weiter zu stärken", sagte Hohn.

Auch Niederkassel bietet, wie Sprecher Hans-Ulrich Busch auf GA-Anfrage sagte, für Flüchtlinge spezielle Betreuung, unter anderem durch freiwillige Sprachprogramme - denn Asylbewerbern wird kein Deutschkursus gezahlt, solange ihr Antrag läuft. Zudem dürfen sie nicht arbeiten gehen.

Derzeit leben 97 Asylbewerber in Niederkassel, mit rund 40 weiteren rechnet die Stadt derzeit bis Jahresende. "In unseren aktuellen Unterkünften haben wir aber nur noch für maximal 20 Platz", so Busch. Gegebenenfalls müssten also auch hier weitere Gebäude gesucht werden.

Sankt Augustin verzeichnet den größten Flüchtlingszustrom seit mehr als zehn Jahren, berichtet Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. Allein für 2014 wurden der Stadt bisher 85 Flüchtlinge zugewiesen, 73 waren es 2013. "Das hat sich extrem verschärft", so Stocksiefen.

Nach aktueller Berechnung müsse Sankt Augustin noch 19 weitere Personen aufnehmen. Die vier Übergangswohnheime sind ausgelastet, aus diesem Grund werden derzeit in Hangelar Container für die Flüchtlinge aufgestellt. Der erste Bauabschnitt soll Ende September abgeschlossen sein, der zweite im April des kommenden Jahres. Insgesamt sollen die Container Platz für 54 Flüchtlinge bieten.

In Hennef sind derzeit 131 Asylbewerber, davon 24 aus Syrien, in 22 Wohnungen untergebracht. "Weitere 18 Personen erwarten wir in den kommenden zwei Wochen", sagte Sprecher Dominique Müller-Grote dem GA. Laut Sozialamt sei dafür gesorgt, dass auch sie in Hennef unterkommen.

Die Kommunen rechnen nicht damit, dass die Flüchtlingsströme in den nächsten Monaten abnehmen - nicht, so lange es Krisen und Kriege gibt, vor denen sich die Menschen in Sicherheit bringen.

Königsteiner Schlüssel

Der Königsteiner Schlüssel wird jährlich neu berechnet und legt fest, wie die einzelnen Bundesländer in Deutschland an gemeinsamen Finanzierungen beteiligt werden. Er regelt auch, wie viele Flüchtlinge die Länder aufnehmen müssen, die wiederum die Verteilung auf die Kommunen vornehmen. Der Anteil, den ein Land tragen muss, richtet sich nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl.

Nordrhein-Westfalen ist als größtes Bundesland Hauptträger in Deutschland vor Bayern: Gut 21 Prozent der Asylbewerber kommen nach NRW.