Integration

Festschrift würdigt Arbeit der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn

Landrat Sebastian Schuster (Mitte) und Musa Ataman (rechts neben ihm) bei der Vorstellung der Festschrift bei der Kurdischen Gemeinschaft in Siegburg.

Landrat Sebastian Schuster (Mitte) und Musa Ataman (rechts neben ihm) bei der Vorstellung der Festschrift bei der Kurdischen Gemeinschaft in Siegburg.

RHEIN-SIEG-KREIS. Die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn besteht seit 25 Jahren. Eine neue Festschrift wirft den Blick zurück. Lob gibt es von Landrat Sebastian Schuster.

Musa Ataman erinnert sich noch genau an die Zeit vor 25 Jahren, als er zusammen mit 30 Deutschen, Kurden und Menschen weiterer Nationen die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn gründete. Bis heute hat sich nach seinen Worten am Ziel der Vereinsarbeit nichts geändert: Die Förderung der Integration für ein friedliches und vielfältiges Miteinander. Am Gründonnerstag präsentierte er zusammen mit den Vereinsmitgliedern Gülden Demirel, Jinda Ataman und Ilkay Yilmaz eine Jubiläumspublikation unter dem Titel „25 Jahre Kurdische Gemeinschaft – 25 Jahre gelebte Integrations- und Partizipationsarbeit vor Ort“, die von der Städte- und Gemeinden-Stiftung der Kreissparkasse Köln (KSK) gefördert wurde.

Darin ist dokumentiert, wie sich aus der ehemals als Migrantenselbstorganisation gegründeten Gemeinschaft ein kompetenter Partner mit zahlreichen ehrenamtlich Tätigen und drei Festangestellten in der Integrations-, Migrations- und Flüchtlingsarbeit im Rhein-Sieg-Kreis entwickelt hat. Außerdem ist dem Verein die antirassistische Bildungsarbeit ein Anliegen. „Damals kannte man die Kurden nur durch Karl May“, sagte Musa Ataman.

Viele hätten gefragt, ob es die Kurden überhaupt gebe und man habe sie als Volksgruppe ignoriert, so der Vorsitzende des Vereins. Und auch heute noch nehme man kurdische Migranten, die mit schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen eine der bevölkerungsstärksten Migrationsgruppen in Deutschland ausmachten, im gesellschaftlichen Alltag kaum wahr. Allerdings seien die Kurden durch den Angriff der türkischen Armee im nordsyrischen Afrin wieder mehr ins allgemeine Bewusstsein gerückt.

Militärputsch und Bürgerkriege

Mit dem Militärputsch 1980 in der Türkei sowie den Bürgerkriegen in den 90er Jahren flüchteten die Kurden vor Krieg, politischer Verfolgung und Ausgrenzung nicht nur aus der Türkei, sondern auch aus den kurdischen Teilen des Iraks, Irans und Syriens. „Zahlreiche Geflüchtete kamen zu uns in den Rhein-Sieg-Kreis, suchten Zuflucht und benötigten Unterstützung“, schreibt Ataman in der Jubiläumsschrift. Unter anderem mit Rupert Neudeck, Landesinnenminister Herbert Schnoor und Landrat Franz Möller habe man Runde Tische und Initiativen gestartet, um Geflüchteten im Kreis zu helfen.

Lobende Worte für die Gemeinschaft fand Landrat Sebastian Schuster. Er sagte, die Förderung der Publikation sei „Anerkennung für die geleistete Arbeit“. Ralf Klösgen, Regionaldirektor der Kreissparkasse Köln für den Rhein-Sieg-Kreis, sprach von „gelebter Integration“ des Vereins, Kreissozialdezernent Dieter Schmitz nannte die Arbeit „Paradebeispiel für Integration“ und Nihat Latif Kodscha, Oberbürgermeister der kurdischen Hauptstadt Erbil ( kurdischer Name Hewlêr), der ebenfalls zu Gast war, bezeichnete die Kurdische Gemeinschaft als „Kulturbrücke“ zwischen den unterschiedlichen Gesellschaften.

Zu den Hauptaufgaben der Kurdischen Gemeinschaft gehören die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer, die soziale Beratung für Flüchtlinge sowie die Integrationsagentur mit den Zielen Integrationsprobleme zu erkennen, sie zu benennen sowie Integrationsvorhaben und Lösungsstrategien umzusetzen.

Die Broschüre ist erhältlich über integrationsagentur@kurdische-gemeinschaft.de.