Kommentar zu K.-o.-Tropfen

Es kann jeden treffen

K.O.-Tropfen

Auf Bierdeckeln wird vor K.O.-Tropfen gewarnt. Foto: Achim Scheidemann / Illustration

Rhein-Sieg-Kreis. Die Frauenzentren aus Troisdorf und Bad Honnef haben eine Kampagne gestartet, um auf die Gefahren von K.-o.-Tropfen aufmerksam zu machen. Aufkleber auf Damentoiletten geben Tipps. Rettungskräfte sollen im Ernstfall richtig handeln können.

Das Perfide an K.-o.-Tropfen ist, dass sie so leicht zugänglich sind. Selbst Minderjährige könnten sich die Substanzen, die frei verkauft werden, besorgen. Solange Werbung im Internet nicht verboten ist und der Handel nicht kontrolliert wird, bleibt Aufklärung die einzige Möglichkeit, um den Tätern etwas entgegenzusetzen.

Gefährdet sind nicht nur junge Mädchen, die sich arglos etwas ins Glas kippen lassen. Jeder kann Opfer werden, natürlich auch Männer. Tatort muss nicht unbedingt die Disco sein. Das Frauenhaus Troisdorf weiß auch von Fällen, in denen Frauen im Kollegenkreis oder vom eigenen Ehemann zu Hause k.o. gesetzt wurden. Im Ernstfall ist wichtig, die Betroffenen nicht allein zu lassen.

Es darf nicht sein, wie kürzlich im Bekanntenkreis passiert, dass 16-jährige Jungen ein betrunkenes Mädchen aus ihrer Klasse pflichtbewusst an der Haustür abliefern und dafür auch noch Ärger von dessen Eltern bekommen. Sie sollten lieber darin bestärkt werden, alles richtig gemacht zu haben, selbst wenn in diesem Fall „nur“ Alkohol im Spiel war.

Es hat einen ernsten Hintergrund, dass die Frauenberatungen im Rhein-Sieg-Kreis seit zwei Jahren mehr Personal für Prävention haben. Nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015/16 gab die Politik zusätzliche Mittel frei. Jetzt ist es wichtig, dass die angelaufenen Projekte gegen sexuelle Gewalt langfristig finanziert werden, auch wenn die Bilder der Silvesternacht langsam verblassen.