Heavy-Metal-Festival mit Siegburger Musikkorps

Die Bundeswehr rockt in Wacken

Bundeswehr trifft Heavy Metal: Das Musikkorps aus Siegburg spielt in Wacken auf einer Bühne mit der Band U.D.O. FOTOS: DPA/TRISTAN MÜLLER

Bundeswehr trifft Heavy Metal: Das Musikkorps aus Siegburg spielt in Wacken auf einer Bühne mit der Band U.D.O.

REGION/WACKEN. Das größte Heavy-Metal-Festival der Welt versank beim Auftakt am Donnerstag in Schlamm und Regen. Trotz der schlechten Wetterverhältnisse stürmten fast 75 000 Metal-Fans das große Feld vor den beiden Hauptbühnen, als um 16 Uhr das Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg zusammen mit der Heavy-Metal-Band U.D.O das Festival einleitete.

Diese Symbiose zwischen der deutschen Heavy-Metal-Band und dem Musikkorps ist in Wacken bisher einzigartig - die Fans nahmen es mit großem Jubel an.

"Es war einfach eine unglaubliche Erfahrung. Die jubelnden Metal-Fans, der Blick über die Masse - das Gefühl lässt sich eigentlich gar nicht in Worte fassen", sagte Tristan Müller, Hauptgefreiter im Bundesfreiwilligendienst und Trompeter im Musikkorps.

Mit 20 Jahren ist Müller der jüngste Musiker im Ensemble der Bundeswehr. Trompete spielt er bereits seit seinem fünften Lebensjahr. Mit dem Auftritt vor so vielen Fans ging für den leidenschaftlichen Musiker ein Traum in Erfüllung. "Wir waren alle ziemlich nervös vor unserem Auftritt. Auf der großen Bühne zu spielen, war ein reiner Adrenalinrausch. Ich würde es jeder Zeit wieder tun", sagte der 20-Jährige Wachtberger dem General-Anzeiger.

[kein Linktext vorhanden]Nach zwei gemeinsamen Proben auf dem Gelände der Siegburger Brückberg-Kaserne und der Generalprobe in einer Schule in Bad Bramstedt traten die Bundeswehrmusiker gemeinsam mit U.D.O. auf der True-Metal-Bühne auf. Sie ist eine von zwei Hauptbühnen. Bereits der Soundcheck um 13 Uhr hatte die Musiker der Bundeswehr schwer beeindruckt. "Der Blick über die große Fläche war toll. Normalerweise spielen wir in kleineren Sälen", sagte Müller mit einem Lächeln.

Star-Wars-Titelmelodie und Richard Strauss

Erste Bedenken, ob die Metal-Fans die Musik aufnehmen würden, zerschlugen sich schnell. Bereits das erste, rein instrumentale Stück, feierten die Fans mit großer Begeisterung. Mit der Star-Wars-Titelmelodie und Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" zeigte das Orchester sein Können.

"Wir waren uns alle nicht sicher, wie die Metal-Fans unsere Musik aufnehmen würden. Mit so einer Begeisterung hätten wir nie gerechnet", sagte Müller. Beim Übergang zum U.D.O.-Stück "Animal House" stiegen die Heavy-Metal-Musiker ein und heizten die Masse noch einmal an.

Nicht nur die vielen Fans machten den Auftritt in Wacken für die Musiker der Bundeswehr zu einem einzigartigen Ereignis. Auch die Wetterverhältnisse erschwerten den Auftritt erheblich. Trotz der Überdachung auf der großen Bühne bekamen die Musiker immer wieder den Regen zu spüren. Auch die mit Klammern festgemachten Notenblätter hielten dem Wind kaum stand, immer wieder mussten die Musiker sie festhalten.

Die Metal-Fans ließen sich von dem Wetter jedoch nicht abhalten. Mit Gummistiefeln oder auch barfuß feierten sie die Bundeswehrmusiker. Ein ganz besonderes Erlebnis war der Auftritt auf dem Metal-Festival jedoch vor allem für die Musiker. Während Udo Dirkschneider, Frontmann der Band U.D.O., bereits zum vierten Mal in Wacken auftrat, war der Auftritt für die Musiker der Bundeswehr eine Premiere.

"Selfie" vor Tausenden Metal-Fans 

"Es waren vor allem die vielen Fans, die uns abgelenkt haben. Ständig mussten wir von unseren Notenblättern hochschauen und ganz ungläubig die jubelnde Masse betrachten", sagte der Hauptgefreite Müller.

Als besonders anstrengend empfand der junge Musiker vor allem die Lautstärke. Durch die Ohrstöpsel hörten sich die Musiker selbst kaum spielen. Trotzdem mussten sie mit der lauten Heavy-Metal-Band mithalten können.

Auch die Abreise gestaltete sich kompliziert: Der schlammige Boden erschwerte sowohl die Aufräumarbeiten als auch die Fahrt vom Gelände. "Die Reifen drehten schon mal durch und es dauerte ein bisschen, aber wir kamen doch noch weg", sagte Müller.