Konzert in Schloss Birlinghoven

Birlinghovener Männerchor überzeugt mit altem Liedgut

Ein Tuch als Stirnband tragen die Sänger, als der Wassermann „Aquarius“ aus dem Musical „Hair“ besungen wird.

Ein Tuch als Stirnband tragen die Sänger, als der Wassermann „Aquarius“ aus dem Musical „Hair“ besungen wird.

Sankt Augustin. Der Birlinghovener Männerchor überzeugt beim Schlosskonzert mit Liedgut amerikanischer Einwanderer. Mit einem Fokus auf dem Liedgut irischer Auswanderer warfen sie einen neugierigen Blick in den „Melting pot“ der Kulturen.

Auswanderung hat viele Gründe. Sklaverei, Flucht und Vertreibung sind sicherlich die schlimmsten. Aber auch die Hoffnung auf wirtschaftlichen Erfolg und Abenteuerlust hat Ende des 18. Jahrhunderts Menschen nach Amerika auswandern lassen. Wie ein unsichtbares Handgepäck trugen sie alle etwas mit sich, das ihnen keiner nehmen konnte: ihre Lieder, die von Aufbruch, Hoffnung, Sehnsucht und Leidenschaft erzählen. Auf die Spur dieser Lieder begaben sich am vergangenen Wochenende die Sänger des Männerchores 1872 Birlinghoven. Mit einem Fokus auf dem Liedgut irischer Auswanderer warfen sie einen neugierigen Blick in den „Melting pot“ der Kulturen, der die Neue Welt bereicherte.

In diesem Schmelztiegel brodelte eine kräftige Brühe, angereichert mit Rhythmen und Harmonien aus aller Welt. Chorleiter Wolfram Kastorp und seine Birlinghovener Sänger gaben Geschmacksproben der einzelnen Zutaten. Gospels und Negro Spirituals, Western- und Country-Music vermischten sich mit irischen Folksongs und israelischen Volksweisen. Musicals und Pop-Songs der sich bildenden Neuen Welt sogen die multikulturellen Einflüsse als Substanzen einer neuen amerikanischen Musikkultur in sich auf. Die Birlinghovener rührten kräftig um im Pott der Einwanderer-Kulturen und berührten ihr Augustiner Publikum mit schlichten irischen Segenswünschen ebenso wie mit dem jubilierenden „Glory Halleluja“.

Wenn der Männerchor 1872 Birlinghoven zum Konzert ins Schloss Birlinghoven einlädt, dann scheinen voll besetzte Stuhlreihen garantiert. Die jährlichen Konzerte im Musensaal sind ein vielbeachtetes Kulturevent im Kalender der Stadt Sankt Augustin. Ein Selbstläufer sind sie allerdings keineswegs. Die Qualität, mit der sich die Herren auf die Birlinghovener Bühne begeben und in die Herzen ihres Publikums singen, ist hart erarbeitet. Wolfgang Kastorp passt seinen Sängern als Chorleiter und Arrangeur maßgeschneiderte Chorsätze an. Und so konnten die Herren, deren Chor wie viele Traditionschöre derzeit unter Nachwuchssorgen leidet, mit einer stimmstarken Gruppe von rund 30 Sängern ihr Publikum mitreißen und im besten Sinne mit Sangeskunst und humoristischem Talent unterhalten.

Ein Tuch als Stirnband gehörte dann zum Auftritt als Hippie, wenn der Wassermann „Aquarius“ aus dem Musical „Hair“ besungen wurde, und der Cowboy-Hut folgte als Requisite zum Medley amerikanischer Western-Songs. Drei hervorragende Künstler unterstützten die Sänger solistisch und begleitend: Die in den USA geborene, stimmschöne Sopranistin Kate Schmitt zeigte sich wandlungsfähig zwischen Klassik und Pop.

Unterstützt wurde sie durch den Gitarrist Björn Hintze und den aus Kasachstan stammenden Panflötisten David Döring. Der gefiel mit seinen gefühlvollen, raumfüllenden Interpretationen, darunter der Gospel-Song „Amazing Grace“, der auch ohne die Unterstützung der Playback-Begleitung überzeugt hätte. Schließlich setzte der im Rhein-Sieg-Kreis bekannte Pianist und Komponist Frank Hoppe nicht nur als fingerfertiger Begleiter wunderbare Akzente. Im Stile eines Kneipenspielers am Western-Klavier setzte Hoppe mit Scott Joplins „Maple Leaf Rag“ ein genussvolles solistisches Sahnehäubchen auf den Schmelztiegel.