Tag des offenen Denkmals

Leben in einem alten Gemäuer

Sandra Braschos und Josef Schnabel stehen im Innenhof des Drolshagener Hofs, der Teil einer Führung zum "Tag des offenen Denkmals" ist.

RHEIN-SIEG-KREIS. Tausende Denkmäler in ganz Deutschland können besichtigt werden, wenn am Sonntag der "Tag des offenen Denkmals" eingeläutet wird. Auch in der Region wartet das eine oder andere historische Schmuckstück auf einen Besuch.

Für Familie Braschos ist solch ein Anblick jedoch Alltag. Sie bewohnt und bewirtschaftet den Drolshagener Hof in Niederkassel-Stockem, einen Hof mit rund 600 Jahren Geschichte.

Mit ihren zwei kleinen Töchtern wohnen Sandra und Heinrich Braschos seit 2004 im Haupthaus des Bauernhofs, einem Eichenfachwerk auf Sandsteinmauerwerk. Doch bevor die Braschos' dort einziehen konnten, musste ganze Arbeit geleistet werden.

Denn das heutige Wohnhaus war damals in einem eher desolaten Zustand, vor allem das Obergeschoss und der Dachstuhl. Unter anderem war Wasser durch das undichte Dach eingetreten und hatte für Fäulnisschäden gesorgt.

Aber Hof und Haus fanden neue Bewohner, die es gut mit ihnen meinten. Das Haupthaus wurde aufwendig saniert. Dabei kamen Naturwerkstoffe und traditionelle Handwerksarbeiten zum Einsatz. So wurde die ursprüngliche Bausubstanz, die unter einem Betonputz schlummerte, wieder freigelegt. Ein Teil des Fachwerks musste erneuert werden. Neue Putzträger aus Schilfmatten wurden eingesetzt und mit Lehm verputzt.

"Es braucht schon viel Liebe, um so ein Haus zu sanieren", sagt Sandra Braschos. Die Architektin hatte zuvor ein Aufbaustudium für Baudenkmalpflege absolviert und sich in ihrer Abschlussarbeit mit dem Haupthaus des Hofes beschäftigt. Das erleichterte nicht nur die Sanierung.

Die Architektin setzte sich so auch mit der Geschichte des Hofes auseinander: Erstmals im Jahr 1421 erwähnt, diente der Drolshagener Hof als Klostergut des ehemaligen Zisterzienserklosters in Drolshagen im Sauerland. Später wurde der Stockemer Hof versteigert an die Witwe des vormaligen Pächters, Peter Braschos. Seither ist er in Familienbesitz und wurde bis heute innerhalb der Familie Braschos vererbt.

Umrahmt wird das Haupthaus von drei Seiten durch eine Scheune, einen ehemaligen Kuh- und einen ehemaligen Pferdestall aus rotem Ziegelstein. Ein Torhaus mit Glockenturm führt in einen anmutig wirkenden Innenhof. Im rechten Gebäudeflügel ist der Ladenverkauf des landwirtschaftlichen Betriebs untergebracht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist noch ein ehemaliges Knechtehaus zu sehen, das heute unbewohnt ist.

"Die heutigen Bebauungen wurden nach und nach auf den alten Grundrissen des früheren Klosterguts errichtet", weiß der ehrenamtliche Denkmalpfleger Josef Schnabel. Das Haupthaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, Scheune und Ställe wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts hinzugefügt.

Ihre Wohnräume haben sich die Braschos' in einer Mischung aus antik und modern eingerichtet. Doch eine gewisse Raumstruktur und gestalterische Einschränkungen bringt das Wohnen in einem Denkmal mit sich. Große moderne Glasflächen etwa gibt es nicht. "Man muss sich an das Gebäude anpassen und kann nicht jedem neuesten Trend nachgehen", so Braschos, die als Architektin durchaus ein Faible für moderne Gestaltung hat.

Dafür biete das Haus ein angenehmes Raumklima und bleibe auch im Sommer kühl. Wohnen im Denkmal, das sei nicht für jeden etwas. "Aber man kann dafür durchaus eine Liebe entwickeln."

Tag des offenen Denkmals

Denkmalpfleger Josef Schnabel führt zum "Tag des offenen Denkmals" durch verschiedene Stadtteile Niederkassels, unter anderem auch zum Hof in Stockem. Allerdings zieht er seine Führung vor auf Samstag, 13. September. Ab 13 Uhr treffen sich die Teilnehmer an der Rathausstraße 19. Weitere Führungen und Denkmäler in der Region, die am "Tag des offenen Denkmals" teilnehmen, finden sich unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.