Nach der Zwangsversteigerung

Zukunft der Winterscheider Mühle ist geklärt

Teile der historischen Gebäude wurden vor drei Jahren abgerissen, um Platz für eine Mehrzweckhalle zu schaffen.

Teile der historischen Gebäude wurden vor drei Jahren abgerissen, um Platz für eine Mehrzweckhalle zu schaffen.

Ruppichteroth. Der Christengemeinde aus Hennef gehört das Areal am Derenbach in Ruppichteroth. Dort treffen sich Senioren, Jugendliche und Musiker. Bau einer Mehrzweckhalle ist in der Planung.

Ihren Namen hat sie von der Ortschaft. Die Winterscheider Mühle im Derenbachtal ist nicht nur als ehemalige Wassermühle im Kirchspiel Winterscheid bekannt, sondern auch als Hotel-Restaurant. Im Jahr 1910 wohnte Johann Peter Schumacher, Gemeinderentmeister a.D., in der Mühle, die später auch als Gaststätte betrieben wurde. Ein Hotel kam hinzu, und das Anwesen entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem sehr beliebten Ausflugslokal. Dazu trug nicht zuletzt die hoteleigene Damwild- und Wildschweinzucht bei, die die Eheleute Elisabeth und Wilhelm Schepler schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet hatten. Noch bis vor wenigen Jahren fanden sich die alten Futterautomaten im Bereich des großen Schriftzuges vor dem einstigen Gehege, wo einst beim Sonntagsausflug Familien mit Kindern Futter für die zahmen Wildsauen und ihre Frischlinge ziehen konnten.

Neben dem Restaurant- war auch der Tagungsbetrieb ein wichtiger Geschäftszweig, den die Hoteliers Holger Schäl und Franz Moreau, die das Anwesen 1998 erworben hatten, ausweiteten. Nach diversen An- und Umbauten betrieb die von ihnen gegründete S&M Consult-Hotelprojekte das Hotel und ein Seminargebäude, das für zehn Jahre an die TNT-Akademie vermietet war. Bis zu 40 Mitarbeiter waren in den besten Zeiten in der Winterscheider Mühle beschäftigt. Doch im Jahr 2003 geriet das renommierte Haus mit der weithin bekannten guten Küche in finanzielle Schieflage. Die Hotelbetriebs-GmbH musste Insolvenz anmelden, und ein Steuerberater aus Sankt Augustin wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Christengemeinde erhält Zuschlag

2005 kam ein neuer Eigentümer in Person von Wilfried Vasen mit neuen Ideen. Doch als die TNT den Vertrag drei Jahre später kündigte, wurde auch für ihn der Betrieb unwirtschaftlich. Hohe Energiekosten, die Kosten für das 150-Betten-Hotel und ein erheblicher Renovierungsbedarf machten Vasen zu schaffen. So kam die Winterscheider Mühle nach einem erfolglosen Vorstoß eines Projektentwicklers im Jahr 2010, ein Messehotel darin anzusiedeln, 2013 unter den Hammer. Damit schwanden im Ruppichterother Rathaus endgültig die Hoffnungen, das Haus als Gaststätten- und Hotelbetrieb zu erhalten. Denn die Evangeliums-Christengemeinde aus Hennef erhielt bei der Zwangsversteigerung im dritten Anlauf für 400 000 Euro den Zuschlag für das Areal.

Der seit 1982 in Hennef an der Frankfurter Straße ansässigen Religionsgemeinschaft, deren etwa 350 Mitglieder überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, ging es darum, ihr Gemeindezentrum zu erweitern. Seither hat sich einiges getan auf dem Gelände. Im Jahr 2015 wurden Teile der historischen Gebäude abgerissen, um Platz für den Bau einer Mehrzweckhalle zu schaffen, wie Andreas Wittenberg von der Christengemeinde sagt. Während sie äußerlich noch unbewohnt erscheinen, hat sich im Innern schon einiges an Leben in den Gebäuden eingefunden. So wurde etwa die Hausmeister-Wohnung hergerichtet und bezogen. Das frühere TNT-Seminargebäude wurde modernisiert und zu einem Jugendhaus umgebaut. Darin finden Versammlungen, Seminare und Workshops für Dirigenten, Orchester und Singkreise statt, wie Wittenberg sagt. Auch Senioren- und Jugendfreizeiten gab es insbesondere in den Sommermonaten.

„Der Flächennutzungs- und Bebauungsplan muss noch geändert werden“, sagt Wittenberg, der sich, wie alle anderen auch, ehrenamtlich für den Umbau engagiert. Hinzu kommt, dass sich das Ganze rein über Spenden finanziert, sodass sich der Bau der Mehrzweckhalle sowie diverser Spiel- und Sportmöglichkeiten hinzieht. Wann genau die Arbeiten abgeschlossen sein werden, kann Wittenberg noch nicht sagen.