Waldbrand-Gefahr durch Dürre

Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis gründet Alarmbereitschaft

Rhein-Sieg-Kreis. Die Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis rüstet sich mit Spezial-Teams zur Wasserförderung und Wasserversorgung auf die Herausforderungen zunehmender Dürreperioden.

Nach den wiederholten, trockenen Sommern der vergangenen Jahre wappnet sich die Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis für die daraus resultierende Zunahme von Wald- und Vegetationsbränden: Mit der am Samstag im Kreisfeuerwehrhaus in Siegburg gegründeten neuen Alarm-Bereitschaft Waldbrand. Die besteht aus rund 60 Einsatzkräften mit 14 bereits vorhandenen Fahrzeugen, die insbesondere für die Wasserförderung und den Wassertransport ausgelegt sind.

„Die Feuerwehr stellt sich fortlaufend auf neue technische oder natürliche Gefahren ein, nun auch auf die Folgen vermehrt auftretender Trockenheit“, erklärte Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg, der die Notwendigkeit mit Einsatzberichten und Klimastatistiken des Deutschen Wetterdienstes belegte. Sein Fazit: „Der Klimawandel ist schlimmer als die Pest.“ Dürre, Hitzewellen, Überflutungen und Ernteausfälle kosteten weltweit Zehntausende Menschenleben jährlich. „Das ist ein weltweites Phänomen, das jetzt bei uns angekommen ist.“ Das zeige auch die Einsatzstatistik. Ziel der Alarm-Bereitschaft sei es, auf Knopfdruck schnell und ausreichend Wasser zur Brandbekämpfung zur Einsatzstelle zu fördern. „Wo viel Grün ist, sind meist wenig Hydranten“, so Engstenberg. Neben dem taktischen und technischen Aspekt setzt er auf die Aus- und Weiterbildung der Wehrleute für die besonderen Herausforderungen der Wald- und Vegetationsbrände.

Der Ablauf eines solchen Einsatzes ist genau festgelegt. Meldet ein Einsatzleiter etwa einen Brand im Wald oder auf einem Feld rücken zwei Löschzüge mit wasserführenden Fahrzeugen zur Brandbekämpfung an. Der erste Löschzug ist im Siebengebirge verortet und erhält Unterstützung aus Alfter-Gielsdorf. Der zweite Löschzug wird mit Fahrzeugen aus Hennef, Troisdorf und Siegburg gebildet. Ein dritter Löschzug bringt mit Schläuchen beladene Fahrzeuge aus Hennef, Königswinter und Siegburg sowie große Tankfahrzeuge mit insgesamt 33 500 Litern Wasser zum Einsatzort, darunter zwei ehemalige Milchtransporter – im Feuerwehrjargon „Tuffi-Tanker“ genannt.

"Tuffi-Tanker": Milchtransporter werden umfunktioniert

Technisch und organisatorisch ist die Feuerwehr im Kreis damit gut für Wald- und Vegetationsbrände gerüstet, sagt Ulrich Cimolino von der Berufsfeuerwehr Düsseldorf. Der Ingenieur hat 2014 über Vegetationsbrände promoviert. Die Gründung der neuen Alarm-Bereitschaft nutzt er, um sein Fachwissen an Führungskräfte im Kreis stationierter Einheiten weiterzugeben. „Wasser, Schnelligkeit, Personal – von allem drei möglichst viel“, fasst Cimolino die Strategie gegen Vegetationsbrände zusammen. Und doch seien es nur drei von vielen Bausteinen, die einen Einsatzerfolg ausmachten: Nicht gepflegte Schneisen in Wäldern, verwilderte und verfallene Waldwege sowie zu wenige überhaupt für den Löscheinsatz geeignete Hubschrauber in Deutschland seien ein Risiko. Nur drei der sechs in Nordrhein-Westfalen stationierten Polizeihubschrauber seien für Löscheinsätze geeignet, Bundespolizei-Hubschrauber bundesweit im Einsatz und die wenigen geeigneten der Bundeswehr „entweder in der Werkstatt oder in Afghanistan, um es überspitzt zu sagen.“

Grundsätzlich sieht der Experte Deutschland für die wachsende Herausforderung von Wald- und Vegetationsbränden gut aufgestellt, „in bestimmten Teilbereichen haben wir aber großen Nachholbedarf.“ Auch bei der Feuerwehr im Allgemeinen, so Cimolino: „Heute werden meist immer größere, schwerere und komplexer ausgestattete Fahrzeuge beschafft, die für 95 oder 97 Prozent der Einsätze im städtischen Raum hervorragend geeignet sind, nicht aber für Einsätze im Gelände. Geländegängige Tanklöschfahrzeuge sind aus der Mode gekommen, werden aber zunehmend gebraucht werden.“ Gebrauchte Fahrzeuge könnten eine gute und günstige Lösung sein, wie die Feuerwehren im Kreis mit ihren „Tuffi-Tankern“ bereits erfolgreich bewiesen hätten.