Ferien vom Krieg - in Bornheim

In Jugendakademie Walberberg suchen junge Israelis und Palästinenser den Dialog

BORNHEIM-WALBERBERG. Seit mehr als einem Monat ist er wieder im Gange, der Krieg im Nahen Osten. Kaum gibt eine Waffenruhe der Bevölkerung in Israel und dem Gaza-Streifen Zeit zum Aufatmen, lassen Hamas und die israelische Armee wieder die Waffen sprechen. 47 Jugendliche versuchen in Bornheim, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Während sich ihre Familien und Freunde in der Heimat nur für wenige Stunden in Sicherheit wiegen können, machen 47 Jugendliche aus Israel und Palästina zwei Wochen lang "Ferien vom Krieg": In der Jugendakademie Walberberg versuchen die vermeintlichen "Feinde" in Dialogseminaren aufeinander zuzugehen.

Die zwischen 20 und 30 Jahre alten Frauen und Männer haben die lange Reise auf sich genommen, um miteinander zu reden - denn dort wo sie leben, ist ein Dialog nicht möglich. Sie wollen ihre Geschichte erzählen, sich austauschen, diskutieren. Oft sind diese Gespräche aufwühlend - wodurch der Begriff "Ferien" relativiert wird: Denn nicht nur die Seminare, sondern auch die Freizeitaktivitäten verlangen von den Teilnehmern viel Kraft.

"Gerade am Anfang ist die Hemmschwelle sehr groß", berichtet Projektkoordinatorin Barbara Esser. "Die Gesprächsseminare sind sehr intensiv und die Teilnehmer durchleben Höhen und Tiefen", sagt die 33-Jährige. "Obwohl in ihrer Heimat der Krieg tobt, sind die jungen Teilnehmer optimistisch und gehen positiv in den Diskurs." Organisiert wird die Aktion "Ferien vom Krieg" von dem Deutschen Komitee für Grundrechte und Demokratie.

Bereits seit 1994 bietet der Verein verfeindeten Gruppen aus Kriegsgebieten die Möglichkeit, aus ihrer Region herauszukommen und Angehörige der jeweils anderen Seite kennenzulernen - zuerst Flüchtlingskindern aus dem ehemaligen Jugoslawien, seit 2002 auch Betroffenen des Nahost-Konflikts. Schon mehrmals wählten die Organisatoren die Jugendakademie in Walberberg für ihr Projekt aus.

Ausflüge nach Köln und Brüssel standen auch diesmal wieder auf dem Programm - und eine Rheinschifffahrt darf natürlich auch nicht fehlen. Am Sonntag war jedoch Arbeit angesagt: Nach dem Frühstück machten sich die Teilnehmer daran, den Machthabern der Konfliktparteien zu zeigen, wie ein Ausweg aus der Dauerkrise aussehen könnte. Dabei wurden in drei Gruppen Vorschläge zur Flüchtlingsfrage, der Rolle Jerusalems und der Staatenlösung erarbeitet. "Wir schlagen eine Staatenlösung in drei Etappen vor", fasste der 27-jährige Thaer aus Tulkarm, einer Stadt in den palästinensischen Autonomiegebieten, zusammen.

Er hatte für seine Gruppe die Rolle des palästinensischen Präsidenten übernommen. Den israelischen Gegenpart verkörperte der 25-jährige Rotem aus der Kleinstadt Ein Vered. Auch er konnte sich mit der Lösung anfreunden. "Die dritte und letzte Etappe soll ein gemeinsamer Staat sein, in dem alle Ressourcen gemeinsam genutzt werden."

Beim Thema Flüchtlinge und der Rolle Jerusalems zeigte sich die israelische Gruppe betont nachgiebig. "Die hier vorgeschlagenen Lösungen wären in der Realität wohl kaum umzusetzen", merkte Barbara Esser an. Auffällig sei aber, wie intensiv gearbeitet werde und wie genau die Teilnehmer auf Formulierungen achteten, um keinen Konflikt mit den anderen Teilnehmern heraufzubeschwören.

Auf palästinensischer Seite unterstützte "Ferien vom Krieg"-Koordinator Mohamed Joudeh seine Schützlinge bei der schwierigen Aufgabe. Shulti Regev, Koordinator der israelischen Gruppe, brachte seine Erfahrungen in seiner Gruppe ein. "Die Teilnehmer lernen hier vor allem, sich gegenseitig zu akzeptieren - als Menschen und nicht als Besatzer oder Opfer", resümierte Regev.

Infos

"Ferien vom Krieg" wird ausschließlich über private Spendengelder finanziert. Mehr Informationen gibt es unter www.grundrechtekomitee.de und unter www.ferien-vom-krieg.de.