Schwierige Löscharbeiten in Oberdollendorf

Wohnhaus nach Brand einsturzgefährdet

Oberdollendorf. Großeinsatz für die Feuerwehr in Oberdollendorf: In der Nacht zu Donnerstag stand ein Wohnhaus in Flammen. Teile des Dachstuhls stürzten ein. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig.

Noch am Morgen riecht die Luft nach Rauch. Eine Frau läuft mit ihrem Hund durch die Bachstraße, beobachtet, wie die Feuerwehrleute ihre Ausrüstung zusammenpacken und die ersten Einsatzwagen abfahren. Die Briefträgerin ist von ihrem Rad abgestiegen. „Ich wohne nur ein paar Häuser weiter“, sagt sie. Die ganze Nachbarschaft sei in der Nacht auf den Beinen gewesen. Um 4 Uhr morgens habe sie für die Einsatzkräfte Kaffee gekocht, die Nachbarin habe ihre Toilette zur Verfügung gestellt. „Die Feuerwehr hat Großartiges geleistet“, sagt sie. „Das hätte hier ziemlich ins Auge gehen können.“

Um 1.18 Uhr in der Nacht zu Donnerstag geht der Alarm bei der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter ein. Ein Wohnhaus in zweiter Reihe an der Bachstraße steht in Flammen, weithin sichtbar liegt die Rauchwolke über dem Ort. Fachwerkhaus steht hier neben Fachwerkhaus, alles ist verwinkelt, kleine Hinterhöfe, schmale Zugänge, die Straße ist mehr eine enge Gasse. „Das sind alles Gedanken, die einem schon bei der Alarmierung durch den Kopf gehen“, sagt Lutz Schumacher, Pressesprecher der Königswinterer Feuerwehr, der selbst in Oberdollendorf wohnt. Noch während der Erkundung zündet der Dachstuhl des Gebäudes durch. „Das heißt, Brandgase entzünden sich und es gibt offenes Feuer“, so Schumacher. Was die Feuerwehrleute da schon wussten: Der 55-jährige Hausbewohner und sein Hund sind unverletzt und in Sicherheit, er selbst soll die Wehrleute alarmiert haben.

Löscheinsatz nicht ohne Herausforderungen

Die enge Bebauung im Oberdollendorfer Ortskern ist eine Herausforderung beim Löscheinsatz. Das brennende Haus ist nur durch eine schmale Gasse und über Nachbarhöfe zu erreichen. Rechts und links grenzen Häuser unmittelbar an. Zwölf Menschen werden evakuiert, sie kommen bei Freunden und Verwandten unter. Die Einsatzkräfte bauen eine sogenannte Riegelstellung auf, um ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbarhäuser zu verhindern. Von mehreren Seiten starten sie den Löschangriff, bringen die Drehleiter aus der Altstadt auf der Bachstraße in Position, die Alarmstufe wird weiter erhöht, zusätzliche Einsatzkräfte rücken an. Zusätzliche Probleme bereitet eine gerissene Stromleitung über dem Brandort. Der Strom wird abgeschaltet, die Heizung in den umliegenden Häusern fällt aus. Nach rund einer Stunde melden die 80 Wehrleute der Löschgruppen Ober- und Niederdollendorf und Eudenbach sowie der Löschzüge Altstadt, Ölberg, Uthweiler und die Löscheinheit Oberkassel „Feuer in der Gewalt“ an die Leitstelle. Die Anbauten bleiben weitgehend unbeschädigt. „Das ist wirklich ein Erfolg“, sagt Schumacher. Gegen 6.30 Uhr flammen im Dachstuhl erneut Glutnester auf. „Da Einsturzgefahr bestand, wurde ein Kamerad mit einem Seil an der Drehleiter gesichert und löschte so die Brandherde ab“, erklärt Schumacher. „Das haben wir auch nicht alle Tage.“

Bis zum Vormittag dauern die Nachlöscharbeiten an, am Nachmittag rücken Einsatzkräfte erneut zur Kontrolle aus. Strom gibt es ab dem späten Vormittag wieder. Der Brandort ist laut Frank Piontek, Sprecher der Polizei Bonn, beschlagnahmt. „Da Einsturzgefahr besteht, können die Brandermittler erst in den nächsten Tagen ihre Arbeit aufnehmen.“ Nach ersten Schätzungen belaufe sich der Sachschaden auf rund 200 000 Euro, Hinweise auf Fremdverschulden lägen nicht vor. Statiker prüften laut Stadt Königswinter den Zustand des Gebäudes, für das nun Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden müssten.

Heinz Augustin und seine Familie haben das Feuer aus unmittelbarer Nähe miterlebt, von ihrer Hausterrasse aus hat die Wehr den Brand gelöscht. „Wir sind durch den Rauch in unserem Schlafzimmer wach geworden“, sagt er. „Das Haus konnten wir dann wegen des dichten Qualms nicht mehr verlassen.“ Türen und Fenster hätten sie verschlossen, den Feuerwehreinsatz die ganze Zeit über verfolgt. „Und gehofft, dass sie ein Übergreifen verhindern können“, sagt er. „Wir haben Schwein gehabt.“

(Dieses Video ist Teil einer Kooperation von GA und WDR.)