Königswintererin erlebt Karneval in Ecuador

Wo Wasser und Mehl statt Kamelle geworfen wird

Königswinter. Stefanie Czaika aus Königswinterer hat ein halbes Jahr in einem Bergdorf in Ecuador geholfen. Hautnah erlebte sie auch den dortigen Karneval und die besonderen Bräuche mit.

Karneval gibt es nicht nur im Rheinland, sondern überall auf der Welt. Das hat auch Stefanie Czaika am eigenen Leib während ihrer Reise in Ecuador erfahren. Ein halbes Jahr lang hat die Königswintererin über den Verein Stupor Mundi im Bergdorf El Salado in den Anden gearbeitet. In der letzten Woche ihres Aufenthalts hat sie dann den Karneval miterlebt.

Dabei fing alles noch ganz friedlich an: Eine Woche vor dem Höhepunkt der jecken Tage hatte sie sich mit den Kindern in dem Dorf auf das Fest vorbereitet. „Während in der Schule Lieder und Tänze eingeübt wurden, haben wir gemeinsam gebastelt“, so die 24-Jährige. Pappteller verwandelten sich nach und nach in Tiger-, Clowns- oder auch Spiderman-Masken.

Am Morgen des Karnevalsfreitag ging es dann los: Mit ihren roten Ponchos zogen die Kinder, von einer kleinen Kapelle begleitet, das Dorf hinauf, erzählt sie. An einem Haus versammelten sich die Dorfbewohner und aßen gemeinsam. Die Schüler und einige Gruppen der Dorfbewohner zogen in einem „Desfile“ – ähnlich wie ein Karnevalszug – durch die Straßen bis zur Schule. Dort begann dann die eigentliche Veranstaltung: Die Karnevalsprinzessin wurde mit einem kleinen Bus, begleitet von Musik und Tanzgruppen, auf den Schulhof gefahren. Auch ein paar „Caramelos“, also Süßigkeiten, flogen tatsächlich durch die Luft.

Karneval "fast" wie im Rheinland

„Fast hätte es mich an unseren rheinischen Karneval erinnert, wenn da nicht die Kinder wären, die mich sogleich mit Wasserbomben, Schaumspray und bunt gefärbten Mehl attackiert“, schildert Stefanie Czaika die Traditionen in Ecuador. Hintergrund ist ein Fest, was die indigenen Völker feierten, um die bösen Geister aus den Maisfeldern zu vertreiben. Die Ortschaft El Salado selbst gehört zu der indigenen Gemeinschaft Llangahua. Wasser und Maismehl spielten bei dem Fest eine große Rolle. Bis heute hat sich der Brauch erhalten und wird nun im Karneval fortgesetzt.

Wenn sie nicht gerade Karneval mit den Kindern feierte, unterstützte die Königswintererin die dortigen Lehrer beim Englischunterricht oder führte Projekte mit den Kindern oder in der Dorfgemeinde durch. Dazu gehörte auch ein Nachmittagsprogramm in ihrem Haus. In ihrer „Hospederia“, wie sie ihre Herberge liebevoll nannte, kamen die Kinder, um zu spielen und zu basteln, aber auch, wenn sie Hilfe bei den Hausaufgaben brauchten.

3600 Meter über dem Meeresspiegel liegt das Dorf, wo es „vor allem nachts ziemlich kühl“ ist, so Czaika. Entschädigt wurde sie dafür mit einem besonderen Blick: Vor ihrem Küchenfenster lag der mehr als 6200 Meter hohe Vulkan Chimborazo. Und so blickte die 24-Jährige nun auf eine „wunderbare Erfahrung“ zurück, bei der sie – nicht zuletzt durch den ecuadorianischen Karneval – „besondere Einblicke in die Kultur“ habe gewinnen können.

Weitere Informationen zum Verein und den Projekten gibt es auf der Internetseite von Stupor Mundi.