Festveranstaltung auf dem Petersberg

Von Adenauers Skepsis und Entschlossenheit

Kranzniederlegung am Grab: Auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf wurde Konrad Adenauer 1967 beigesetzt.

Kranzniederlegung am Grab: Auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf wurde Konrad Adenauer 1967 beigesetzt.

Königswinter. Nach dem Gang zum Friedhof ging es für die meisten auf den in dichtem Nebel gehüllten Petersberg. Zur dortigen Festveranstaltung, organisiert von der Rhöndorfer Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus und der Konrad-Adenauer-Stiftung, gesellten sich viele weitere Gäste hinzu.

So viele wie nie zuvor an Adenauers Geburtstag. Vielleicht lag es auch daran, dass der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert als Festredner angekündigt war. Aktuell wurde erstmal Ex-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Vorsitzender des Kuratoriums der Rhöndorfer Stiftung. Eine neue Kanzlerkandidatendebatte zu beginnen, sei falsch.

„Selbstbeschäftigung ist nicht die Antwort auf die Fragen der Zeit.“ Es müsse darum gehen, die Unionsparteien als Volksparteien zu erhalten. Im Blick auf die Europa- und die schwierigen Landtagswahlen in diesem Jahr fügte er hinzu: „Ich traue mir nicht zu zu sagen, ob es am Ende des Jahres noch Volksparteien gibt.“

Dass dieses Jahr ein besonderes ist, darauf wies Lammert, zugleich Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, hin. 70 Jahre werde das Grundgesetz im Mai alt. Inzwischen zähle es „zu den großen Verfassungen der Welt“, doch zu Beginn der Arbeit seien viele skeptisch gewesen, ob die Erarbeitung einer von den Alliierten geforderten Verfassung erfolgreich sein würde.

Auch Adenauer selbst. Lammert zitierte aus seiner Antrittsrede als Präsident des Parlamentarischen Rates: „Eine richtige Entscheidung auf diese Frage kann man nur dann finden, wenn man sich klarmacht, was denn sein würde, wenn dieser Rat nicht ins Leben träte.“ Adenauer und viele andere hätten sich nicht verweigert, sondern entschlossen der Herausforderung gestellt.

Lammert zog einen Vergleich zur Weimarer Reichsverfassung, die vor 100 Jahren erarbeitet wurde. Die lese sich „kaum weniger eindrucksvoll als das Grundgesetz“, sei in vielem gut gemeint, aber nicht gut gelungen gewesen. So seien der Reichspräsident und das Parlament vom Volk gewählt worden, hätten die gleiche demokratische Legitimation gehabt und sich damit in ihren Autoritäten wechselseitig aufgehoben.

„Mit dem Vorrang des Verhältniswahlrechts und einem Verzicht auf eine Sperrklausel war das eine der wesentlichen Ursachen für die Instabilität des Weimarer Systems“, sagte Lammert. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes hätten hieraus Lehren gezogen, und damit eine stabilere Verfassung geschaffen. Ein Grund dafür, dass sie heute als Referenzmodell für viele Staaten gilt, so Lammert.