"Hallenkunst XXL" in den Lemmerzhallen

Street-Art-Künstler in Königswinter zu Gast

KÖNIGSWINTER. Hochkarätig besetzt ist die Ausstellung "Hallenkunst XXL" von Freitag, 14. August, bis Sonntag, 27. September, in der Halle 3 der ehemaligen Lemmerzwerke. Dem gemeinnützigen Kunstverein Antiform ist es gelungen, renommierte Künstler vorwiegend aus der Street-Art-Szene für das Projekt zu gewinnen.

Voraussetzung ist noch, dass die Stadt mit dem Verein einen Nutzungsvertrag abschließt. Zuvor lässt die Verwaltung die Funktionsfähigkeit der Rolltore und Rauchabzüge überprüfen. Sind diese defekt, müssten sie nach Ansicht der Stadt, die Eigentümerin ist, auf Kosten des Vereins repariert werden. Cheforganisator Helmut Reinelt ist jedoch optimistisch, auch diese Hürden nehmen zu können. Die Ausstellung werde in jedem Fall stattfinden.

Im Herbst soll die Halle nach einem Ratsbeschluss dann abgerissen werden. Der Verein hatte bereits auf eigene Kosten ein Brandschutzgutachten in Auftrag gegeben. Neben Reinelt kümmern sich Franca Perschen (Kuratorin), Peter Marth (Technische Konzeption), Helge Kirscht (Musik), Ulrike Ries-Staudacher (Pressearbeit) und Helmut Lorscheid (Finanzen) um die Organisation der Veranstaltung. "Alle Künstler nehmen gerne die einzigartige Gelegenheit wahr, in der großen Halle einmal ganz ohne Formatbeschränkungen arbeiten zu können", sagte Reinelt. Halle 3 hat eine Gesamtfläche von rund 1000 Quadratmetern und eine Höhe von bis zu zwölf Metern.

Viele der Künstler, die in Königswinter teilnehmen werden, sind international im öffentlichen Raum tätig. Manche konnten durch ihre Werke sogar das Gesicht eines ganzen Stadtteils prägen. Der Dortmunder Mark Gmehling war auch bereits in Königswinter im Einsatz, als er im August 2013 auf die Glasfassade der ehemaligen Bergterrassen seine "Teletubbies" sprayte. Seine Arbeiten sind in New York, London, Madrid, Orlando, Moskau und Paris zu sehen. Wolfgang Krell, ebenfalls aus Dortmund, prägte vor zwei Jahren mit einem sieben Meter hohen Bild die Antiform-Ausstellung "Gewaltige Bilder" in den Erpeler Brückentürmen.

International unterwegs ist auch der Schweizer David Monllor, der zuletzt in Los Angeles ausgestellt hat. Der Staufener David Stegmann, die beiden Stuttgarter Fabian Treiber und Fabian Hübner und der Berliner Maler und Musiker Gris haben sich auch außerhalb der Street-Art-Szene auf dem Kunstmarkt etabliert. Aus Köln kommt der Medienkünstler Felix Hild, der eine Videoinstallation plant, von der Düsseldorfer Kunstakademie der junge Maler Maximilian Siegenbruck mit einer Serie großformatiger Gemälde.

Auch Mitglieder des Vereins Antiform sind mit Arbeiten bei der "Hallenkunst XXL" vertreten: Der Königswinterer Bildhauer Peter Marth, die Rheinbreitbacher Zeichnerin Franca Perschen und der Bad Honnefer Fotograf Helmut Reinelt zeigen Großformatiges. Um das Projekt stemmen zu können, hat man sich entschlossen, Eintritt zu nehmen. Für den Besuch der Ausstellungen sind drei Euro zu zahlen, für die Konzerte im Rahmenprogramm sechs Euro. Das Geld wird vollständig für die Material-, Transport- und Fahrtkosten der Künstler verwendet.

Kurz gefragt

Franca Perschen ist Kuratorin der "Hallenkunst XXL" und Vorstandsmitglied im Kunstverein Antiform. Mit der 48-Jährigen, die in Rheinbreitbach wohnt, sprach Hansjürgen Melzer.

Wie sind Sie an die zum Teil namhaften Künstler gekommen?
Franca Perschen: Das ist gar nicht so schwer gewesen. Wir haben einfach angefragt. Gerade Street-Art-Künstler setzen sich mit dem Ort und dem Konzept auseinander. Sicher hat sie dabei auch die Großformatigkeit, die in der Halle möglich ist, gereizt. Wir haben außerdem - angefangen mit der Ausstellung "Endstation" vor dem Abriss des Krankenhauses - die Kontakte immer gepflegt. Die Künstler arbeiten auch unheimlich gerne im Team und kennen sich alle untereinander. Und wir können ihnen neben der Übernachtung eine kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von 300 Euro zahlen.

Der Stadtrat hat am Montag den Abriss der Lemmerzhallen beschlossen. Was sagen Sie dazu?
Perschen: Das hat mich wirklich überrascht. Ich finde es unheimlich schade, dass so entschieden wurde. Die Hallen haben schließlich eine Geschichte und ein großes Potenzial. Wir haben uns zwei Jahre mit dem Thema auseinandergesetzt. Und das haben andere auch gemacht. Das zeigt, was dort möglich wäre. Die Hallen sind ein Schatz, der jetzt vergraben wird.

Glauben Sie an eine Einigung mit der Stadt, was die Sicherheitsaspekte angeht?
Perschen: Ich bin überzeugt, dass wir auch das hinbekommen. Die Schere war am Anfang viel weiter auseinander. Wir finden da bestimmt Lösungen. Wir können der Halle auf diese Weise vor dem Abriss unseren Respekt zollen.

Termine

Die Ausstellung "Hallenkunst XXL" von Freitag, 14. August, bis Sonntag, 27. September in der Halle 3 auf dem Lemmerzgelände soll jeweils freitags von 17 bis 20 Uhr, samstags von 14 bis 22 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet sein. Zusätzlich ist in den sechs Wochen an jedem Samstag ab 19.30 Uhr Live-Musik geplant.