Schandfleck im Siebengebirge

Marc Asbeck will Burghof in Königswinter verkaufen

Seit 1989 steht der Burghof leer und ist inzwischen in einem maroden Zustand.

Seit 1989 steht der Burghof leer und ist inzwischen in einem maroden Zustand.

Siebengebirge. Der Bonner Unternehmer Marc Asbeck macht der NRW-Stiftung ein Verkaufsangebot für den Burghof. Die möchte zunächst Gespräche mit der Stadt, dem Kreis und dem VVS führen.

Für den Burghof wird wieder mal ein Käufer gesucht. Der Bonner Unternehmer Marc Asbeck, der die denkmalgeschützte Immobilie im Frühjahr 2016 von Dieter Streve-Mülhens erworben hatte, hat nach Informationen des General-Anzeigers iwillm Schloss Drachenburg angeklopft und ein Angebot gemacht. Dort beschäftigt man sich bereits intensiv mit dem Thema.


Wenn die NRW-Stiftung, die Eigentümerin des Schlosses ist, das marode Gebäude nebst Stallungen tatsächlich erwerben sollte, würde sich ein Kreis schließen. Baron von Sarter hatte Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur Schloss Drachenburg erbauen lassen, sondern auch den Burghof erworben, den er zu Wohnzwecken nutzte.

„Ich kommentiere keine Gerüchte“, sagt Marc Asbeck, dem zu seinen Verkaufsabsichten nicht mehr zu entlocken ist. Dem Vernehmen nach hat die schwierige Gemengelage, die das Grundstück im Naturschutzgebiet Siebengebirge mit sich bringt, seine Geduld in den vergangenen beiden Jahren heftig strapaziert. Schon die Parzellierung und Arrondierung seines Geländes soll ein äußerst zäher Prozess gewesen sein.
Asbeck hatte nach dem Kauf mitgeteilt, dass er den Burghof nicht mehr gastronomisch nutzen wolle. Stattdessen plante er, das Gebäude von Grund auf zu sanieren und anschließend selbst als „großzügiges Wohnhaus im Schweizer Chalet-Stil“ zu bewohnen. Inspiriert hatte ihn eine Postkarte aus dem Jahr 1922, die den Burghof als Hotel im Schweizer Stil zeigt.

Gespräch mit allen Beteiligten soll gesucht werden

Auch wenn sich der Unternehmer derzeit nicht selbst äußern möchte, dürfte es durchaus in seinem Sinne sein, dass die Angelegenheit längst Fahrt aufgenommen hat. Am Dienstag beschäftigte sich der Vorstand der NRW-Stiftung mit der Sache. „Das Thema stand auf der Tagesordnung und wird weiter beraten. Der Vorstand hat noch keine Beschlüsse gefasst“, sagte Winfried Raffel, Referatsleiter Kommunikation der Stiftung. Der anstehende Prozess würde sich sicherlich hinziehen.

Immerhin soll beschlossen worden sein, das Gespräch mit allen Beteiligten zu suchen.
Auch beim Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) wurde ein möglicher Eigentümerwechsel in der vergangenen Wochen in einer Vorstandssitzung auf die Tagesordnung genommen. Der Rhein-Sieg-Kreis ist ebenfalls mit im Boot, nachdem Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz in einem Schreiben Landrat Sebastian Schuster über die Verkaufsabsicht Asbecks informiert hat.

Wie der GA erfuhr, soll die NRW-Stiftung einen Kauf und eine mögliche Sanierung nicht gänzlich ausschließen, allerdings Probleme damit haben, auch die späteren Folgelasten wie zum Beispiel die Bauunterhaltung tragen zu müssen. Auch die Frage, ob das marode, aber unter Denkmalschutz stehende Gebäude des Burghofs möglicherweise abgerissen und nur die Nebengebäude genutzt werden könnten, steht im Raum. In Schloss Drachenburg selbst kann man sich zurzeit noch keine sinnvolle Ergänzung des eigenen Angebots, zum Beispiel im Seminarbereich, durch den Burghof vorstellen.

Burghof könnte als Wildniszentrum dienen

Was die Frage nach einer späteren Nutzung aufwirft? Der VVS-Vorsitzende Hans Peter Lindlar deutete bei seiner Vorstandssitzung an, dass er sich durchaus vorstellen könnte, gemeinsam mit der NRW-Stiftung im Burghof das ohnehin geplante Wildniszentrum mit einer Ausstellung zu den Wildnisgebieten einzurichten. Auf einen Neubau am Forsthaus Lohrberg, der bisher vorgesehen ist, könnte dann verzichtet werden. Der VVS würde das Informationszentrum mit seinen ehrenamtlichen Kräften auch besetzen.

„Ich würde begrüßen, wenn in die Sache Bewegung kommt – mit einer zumindest teilöffentlichen Nutzung“, sagt Bürgermeister Peter Wirtz. Joachim Odenthal, Geschäftsführer der Schloss Drachenburg GmbH, sieht im Burghof auch nur die Chance für eine öffentliche Nutzung. Zu einer möglichen Entscheidung des Vorstands der NRW-Stiftung wollte er sich nicht äußern. „Man hat bei der NRW-Stiftung aber auf jeden Fall erkannt, dass es für das Ensemble des Schlosses positiv wäre, wenn auch die Umgebung aufgewertet werden würde“, teilte er auf Anfrage mit.

VVS-Vorstandsmitglied Brigitte Kohlhaas, die zugleich beim Rhein-Sieg-Kreis beschäftigt ist, sieht eine „schwierige, aber interessante Gemengelage“ und ist ebenfalls überzeugt, dass ein öffentlicher Träger eher eine Lösung herbeiführen kann als ein privater. „Das kann nur eine ideelle Lösung sein, weil alles andere wirtschaftlich nicht darstellbar ist“, sagt sie. Sie könnte sich auch eine Kombination der Ausstellung der Stiftung Deutsche Naturschutzgeschichte in Schloss Drachenburg mit der Ausstellung zu den Wildnisgebieten vorstellen.

Dazu müsse aber auch die Frage geklärt werden, ob der Burghof stehen bleiben muss oder auch abgerissen werden kann, sodass man sich auf die Stallungen konzentrieren könnte. Überlegungen, die VVS-Geschäftsstelle von der Margarethenhöhe bergab zu verlagern, hält sie wegen der problematischen Zuwegung für weniger sinnvoll. „Es ist auf jeden Fall wünschenswert, dass dort etwas passiert. Was wir dazu tun können, werden wir sowohl als Rhein-Sieg-Kreis als auch als VVS tun“, sagt sie.

 Sie erwartet in nächster Zeit jedoch schwierige und komplexe Verhandlungen. Mal ganz abgesehen von denen über einen angemessenen Kaufpreis. Wenn die Gespräche zum Erfolg führen sollten, würde sie das sehr begrüßen. Denn: „Sowohl aus touristischer Sicht als auch aus Sicht des Naturschutzes ist der Burghof ein Schandfleck an herausragender Stelle im Siebengebirge – und weithin sichtbar.“