Ausstellung im Siebengebirgsmuseum

Hommage an Douglas Swan in Königswinter

Auch der Original-Pinseltopf des Künstlers ist in der Ausstellung zu sehen. Es handelt sich um eine Leihgabe aus Privatbesitz.

Auch der Original-Pinseltopf des Künstlers ist in der Ausstellung zu sehen. Es handelt sich um eine Leihgabe aus Privatbesitz.

KÖNIGSWINTER. Lyrisch, hintersinnig, skizzenhaft - so lassen sich die Werke von Douglas Swan, die derzeit im Siebengebirgsmuseum in Königswinter zu sehen sind, beschreiben.

Douglas Swan, geboren 1930 in Connecticut, gestorben 2000 in Bonn, ist ein Künstler, dessen Werk sich nach wie vor allen eindeutigen Kategorisierungen entzieht. Denn was der schottisch-amerikanische Maler, der von seinem Studium der Kompositionslehre am Trinity College in London maßgeblich geprägt wurde, auf die Leinwand zauberte, war im wahrsten Sinne des Wortes durchkomponiert: Swan schuf nicht bloß Bilder, sondern – so nannte er seine Werke selbst – „Kompositionen nach Sonaten-Hauptsatzform ohne Reprise“, die Verschmelzung von malerischer Ästhetik und musikalischen Strukturen. Im Siebengebirgsmuseum ist nun bis Ende Januar ein Querschnitt des kreativen Schaffens dieser außergewöhnlichen Künstlerseele, die einen ganz anderen Zugang zu Farben, Formen, Licht und Schatten hatte, in Form von 45 Exponaten aus den Sammlungen diverser Leihgeber zu sehen.

Ausgestellt ist ein faszinierender Einblick in die produktivste Schaffenszeit Swans – die Bonner Jahre, nachdem er im Jahr 1970 an den Rhein kam und gegenüber dem Macke-Hauses sein Atelier bezog. Dort konnte er in Ruhe seiner Leidenschaft nachgehen, für die er 1997, drei Jahre vor seinem Tod infolge eines Verkehrsunfalls, sogar mit der August-Macke-Medaille der Stadt Bonn bedacht wurde: der lyrischen Abstraktion simpler Ansichten und gewöhnlicher Gegenstände. „Change the character of things into paint“, hatte Swan einst in feinen Lettern in seinem Skizzenbuch vermerkt, „wandele das Wesen der Dinge in Farbe um“. Und dick unterstrichen ergänzte er: „Everything!“ Verspielt und einfach sollten seine Bilder sein, in gewisser Hinsicht unvollendet. Er liebe nach wie vor die Kunst um der Kunst willen, habe Swan gerne gesagt, so Kurator Axel Wendelberger. Er habe das Unnatürliche daran geliebt: „Meine Malerei soll nach Malerei aussehen“, sei stets Swans Motto gewesen, „nicht wie die Natur“.

Sonaten-Hauptsatzform in Reinform

Das „Crescendo for a Paper Bag“ etwa verkörpert das Musikverständnis, das seine Kunst von Grund auf prägte: Eine aufgeklebte Papiertüte als Ausgangsmotiv variiert er in einer Reihe nebeneinander folgenden Skizzen, ein Crescendo, das sich schließlich in einer orange leuchtenden Tüte wieder auflöst. Sonaten-Hauptsatzform in Reinform, erklärt Wendelberger, pianissimo steigert sich über Variationen zu fortissimo. Wem das zu akademisch-abstrakt erscheint, der dürfte hingegen mit Bildern à la „Swinging Lamp in a Kitchen“ aus dem Jahr 1997 seine helle Freude haben: Hier wird der Lichtkegel der unscheinbar wirkenden Lampe selbst zum haptischen Gegenstand. Die ungreifbare Lebendigkeit des Mediums Licht fängt Swan ein, indem er die Ausstellungsbeleuchtung einkalkuliert: Weiß-gelbe Öl-Farbflächen, so grob wie dick aufgetragen, wabern, von den Deckenscheinwerfen des Museums sanft angestrahlt, in ihrem eigenen Schattenwurf, ragen förmlich aus der Leinwand heraus.

Das Besondere an Swans Werken: Hier ergibt nicht nur die Gesamtheit der Bilder die Ausstellung, sondern die Ausstellungssituation selbst vervollständigt erst die Bilder. Zu sehen insbesondere an seinem „Air“-Zyklus, einer Annäherung an die konzeptuelle Kunst: Die Leinwände, hinter sporadisch bemalten Plexiglasscheiben versiegelt, werden durch eine zusätzliche, dynamische Ebene ergänzt – den Zwischenraum, den Schattenwurf der Elemente vom Glas aufs Bild. Da kann selbst der Kurator nur noch raten, was tatsächlich zum Leinwand-Motiv gehört und was bloß durch die Deckenleuchten als feiner Schatten darauf projiziert wird. „Swan hatte nun einmal immer den Schalk im Nacken“, sagt Wendelberger und schmunzelt ein wenig. Die Betrachter hin und wieder an der Nase herumzuführen, das sei häufig Teil des Konzepts. Und gerade weil sich Swans Werke – lyrisch, hintersinnig, skizzenhaft – oft erst allmählich erschließen, üben sie einen so großen Reiz aus.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 29. Januar, im Siebengebirgsmuseum, Kellerstraße 16 in der Königswinterer Altstadt, zu sehen. Geöffnet ist jeweils dienstags bis freitags von 14 bis 17, samstags von 14 bis 18 und sonntags von 11 bis 18 Uhr; es ist der reguläre Eintrittspreis zu entrichten. Am 4. Dezember und 15. Januar, jeweils sonntags, bietet Axel Wendelberger zudem eine Kuratorenführung durch die Ausstellung an. Kosten hierfür: sieben Euro.