Stadtpartnerschaft

Freunde aus der Welt zu Gast

KÖNIGSWINTER. Gipfelstürmer, klösterliche Einkehr, Rosen und eine Marzipantorte - all das prägte die Jubiläumsfeiern der Städtepartnerschaften von Königswinter mit dem französischen Städtchen Cognac (25 Jahre) und North East Lincolnshire (40 Jahre) in Großbritannien.

Eine Liebeserklärung zur Silberhochzeit der Städte gab es von Cognacs Bürgermeister, Michel Gourinchas, auf Deutsch: "Ich liebe Königswinter." Und Alex Baxter, der Mayor von North East Lincolnshire (NEL), hoffte beim bewegenden Festakt in Oberpleis: "Auf eine langwährende Partnerschaft!" Königswinter feierte am Wochenende mit den Freunden aus Großbritannien und Frankreich nicht nur das Winzerfest, sondern auch das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Cleethorpes/NEL und 25 Jahre Jumelage mit Cognac. Und so kamen gleich drei Messer zum Einsatz, als Bürgermeister Peter Wirtz seine Kollegen zum Anschneiden der Geburtstagstorte bat.

Königswinters Stadtoberhaupt brauchte sich wegen der süßen Kalorienbombe keine Sorgen zu machen. Mittags war er mit Rob Walsh, dem Stadtdirektor von NEL, vom Petersberg aus 15 Kilometer durchs Siebengebirge gerannt. Auf dem Oelberg fragte Marathonläufer Walsh Ausdauerläufer Wirtz, wie er denn bei solch schöner Umgebung überhaupt arbeiten könne. Die englische Delegation hatte zuvor die Aussicht auf dem Petersberg genossen und eine Führung durchs Grandhotel absolviert. Damit bewegte sie sich quasi auf den Spuren von Queen Elizabeth, die 1965 beim Staatsbesuch hier residierte.

Der Partnerschaftsverein Königswinter-Cognac hatte die Freunde zum Essen in den Augustinus-Saal im Kloster Heisterbach eingeladen. Auch hier gab es eine Geschichtsstunde über die frühere Abtei der Zisterzienser, die ihren Ursprung in Frankreich haben.

Um Wurzeln ganz anderer Art handelte es sich bei einem weiteren Programmpunkt: Dorle Henseler hatte bei ihrem ersten Besuch in Cognac von Weingut-Chefin Madame Denise Lamaure einen Ableger von einem 200 Jahre alten Rosenstrauch erhalten. Nun pflanzte sie mit Hilfe des Maire von Cognac zum 25. Geburtstag der Städteehe im Museum eine Rose. Zwei weitere Ableger kommen dagegen wieder in französische Erde: Henseler schenkte Michel Gourinchas einen und lässt einen weiteren Steckreis Madame Lamaure überbringen, nach der die Museums-Rose benannt wurde.

Welche Wurzeln die Städtepartnerschaften in den Herzen der Menschen geschlagen haben, zeigten nicht nur die offiziellen Reden beim Festakt, sondern auch die vielen Gespräche und die Umarmungen zwischen Gästen und Gastgebern. Altbürgermeister Hank erinnerte an die Bürgermeister Bill Whiteby und Francis Hardy, mit denen er die jeweilige Partnerschaftsurkunde unterzeichnet hatte und ließ dem fast 91-jährigen Hardy nach Cognac Grüße übermitteln. Er hatte hübsche Geschichten auf Lager, etwa wie er als Standesbeamter in Cognac unterwegs war oder nachts in Cleethorpes von einem hilfsbereiten Zahnarzt behandelt wurde. Herbert Krämer erzählte von der Anreise zur Hochzeit nach Cognac, als sich die Königswinterer bemühten, die französische Nationalhymne zu erlernen.

"Es war eine schöne Sache, die beiden Partnerschaften zu begründen", meinte Hank. "Und ich habe sie geerbt", antwortete Peter Wirtz, "Ein Erbe, das ich gern angetreten habe. Jede Reise ist wie ein Nachhausekommen. Und dass nach einem guten Essen ein Cognac aus der geleerten Kaffeetasse schmeckt, erfährt man nur, wenn man hinfährt." Herbert Krämer: "Ich habe einen Traum: die Partnerschaften im kulturellen Bereich voranzutreiben!" Zum Schluss stimmten die Teilnehmer des Festaktes querbeet in alle drei Nationalhymnen mit ein und der erst neunjährige Gamaliel Mittelstädt spielte auf dem Akkordeon: "Zauber von Paris." Auch diesen Jubiläen wohnte ein Zauber inne.