Flüchtlinge in Königswinter

Ehemaliges Altenheim wird Unterkunft

KÖNIGSWINTER. Die Stadt Königswinter ist mit einem Schlag zumindest vorübergehend die größten Sorgen bei der Unterbringung von Flüchtlingen los. In dieser Woche wurde mit der Cubus Designhaus GmbH mit Sitz in Mülheim-Kärlich ein Vertrag über die Nutzung des früheren Altenheims Haus Katharina an der Kurfürstenstraße geschlossen.

Statt Abriss des Gebäudes und Neubau eines Wohnquartiers namens "Kurfürstenpark Königswinter" mit insgesamt 16 Doppelhäusern und zwei Einzelhäusern (siehe unten stehender Artikel) sollen hier und in dem angrenzenden Doppelhaus Paul-Lemmerz-Straße 8 und 10 in der kommenden Woche die ersten Asylbewerber einziehen.

Nach der Einigung mit der Eigentümerin des Jugendhofs Rheinland über die Einrichtung einer Notunterkunft, in die ebenfalls in der kommenden Woche die ersten Flüchtlinge einziehen sollen, ist es der zweite Coup, der der Stadt innerhalb von einer Woche gelingt. Vorausgegangen waren in beiden Fällen allerdings intensive Verhandlungen mit den Eigentümern. "Wir sind dadurch, dass wir große Häuser angemietet haben, jetzt in der glücklichen Lage, möglichst viele Flüchtlinge zentral an einem Platz unterbringen zu können", sagte der technische Dezernent Theo Krämer gestern.

Die Anwohner im Umfeld des früheren Altenheims sollen kurzfristig zu einer Bürgerinformation am Mittwoch, 11. November, um 18 Uhr in der Aula der Jugenddorf-Christophorusschule eingeladen werden. Die Stadt hat einen mehrjährigen Mietvertrag mit dem Investor geschlossen.

Die Verwaltung geht davon aus, dass alle Zuweisungen, die in diesem Jahr noch kommen, im Haus Katharina untergebracht werden können. Sie rechnet in einer eigenen Prognose damit, dass sie bis Ende November insgesamt 500 und bis Ende Dezember 580 Zuweisungen erhalten wird. Dazu kommen die Menschen in der Notunterkunft. Mitte Oktober lebten insgesamt 455 Flüchtlinge in Königswinter.

Die Stadt geht von einer Kapazität von rund 200 Flüchtlingen im Haus Katharina aus. Zurzeit sind Vermieter und Stadt mit der Haustechnik beschäftigt. Da Ende kommender Woche bereits die ersten Flüchtlinge einziehen sollen, wird unter Hochdruck gearbeitet.

Krämer bezeichnet die Anmietung des Jugendhofs Rheinland - Mieterin ist hier die Bezirksregierung, weil es sich um eine Notunterkunft handelt - und von Haus Katharina als "Riesenglück" für die Stadt. "Wir sind jetzt die Sorge los, dass wir in eine Situation kommen, die wir nicht mehr handhaben können", so Krämer. Ganz wichtig sei es, dass die Flüchtlinge das Zeltdorf am Palastweiher verlassen könnten, bevor der erste Frost einsetzt.

Während das Haus Katharina noch bis Juli, als 55 Senioren ins neue Seniorenzentrum Sankt Katharina umzogen, bewohnt war, stand der Jugendhof Rheinland seit mehr als zehn Jahren leer. Dennoch konnten Stadt und Eigentümerin, die österreichische Jugend & Familiengästehäuser Holding GmbH (Jufa) mit Sitz in Graz, hier die Haustechnik wieder auf Vordermann bringen.

Der Jugendhof ist noch in einem vergleichsweise guten Zustand, weil sich in den vergangenen Jahren ein Hausmeister im Auftrag des alten Eigentümers, des Landschaftsverbands Rheinland, um das Objekt gekümmert hat. Auch die Heizung läuft seit einigen Tagen wieder. Die Möblierung ist Aufgabe des DRK Westfalen-Lippe, das bereits die Notunterkunft am Palastweiher betreibt.

Der Komplex besteht aus drei großen Gebäuden. In Haus Heisterberg werden die Flüchtlinge essen und administrative Aufgaben erledigen können. Wohnungen, jede mit einem eigenen Badezimmer, zum Teil auch mit Balkon, und mehrere Versammlungsräume, wo früher Seminare stattfanden, befinden sich in den Häusern Drachenfels und Petersberg.

Bis zu 150 Flüchtlinge sollen hier vorübergehend wohnen. Mancher wird nicht mehr weg wollen.

Palastweiher als Reserve

Ab der kommenden Woche werden die Flüchtlinge aus der Notunterkunft am Palastweiher in den Jugendhof Rheinland umziehen. Die Kapazität für die Erstaufnahme steigt dann von bisher 100 Plätzen auf bis zu 150. Während die sechs stabilen Pagodenzelte, die nicht für den Winter geeignet sind, und die Einzäunung verschwinden, wird die Turnhalle noch nicht wieder für Vereine und Schulsport freigegeben. "Wir wollen die Halle bis auf weiteres in Reserve halten", sagt Dezernent Theo Krämer. In normalen Zeiten wird die Turnhalle von der Jugenddorf-Christophorusschule,der Behindertensportgemeinschaft Siebengebirge, dem TV Königswinter, der Volkshochschule und zwei Kitas genutzt.

Die Turnhalle in Sandscheid, in der seit dem 16. Oktober 30 Asylbewerber leben, wird nach dem Umzug ins Haus Katharina wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. Bis dahin wird es aber noch etwas dauern. Krämer rechnet damit, dass die Halle für die Vereine nicht vor Mitte November wieder zur Verfügung stehen wird.

Von den Veränderungen im Jugendhof Rheinland nicht betroffen ist die Sproch- un Spelljrupp Niederdollendorf, die im dortigen Saal, der in einem eigenen Gebäude untergebracht ist, probt und ihre Aufführungen macht. Gestern Abend fand dort im Übrigen die Premiere des aktuellen Stückes "Der neue Pastur" statt.