Jung und Alt blicken auf das Leben

Dreiteilige Ausstellung in der Pfarrkirche Stieldorf

Von 0 auf 100: Der gemeinsam gebastelte „Lebensweg“ der Kinder und Senioren besteht aus zwei Teilen.

Von 0 auf 100: Der gemeinsam gebastelte „Lebensweg“ der Kinder und Senioren besteht aus zwei Teilen.

STIELDORF. Wie blicken die Generationen aufs Leben? Das zeigt derzeit eine Ausstellung unter dem Titel „Von 0 auf 100 – Jung und Alt blicken auf das Leben“ in Königswinter.

Wenn Vorschulkinder und Senioren aus ihrer Perspektive auf das Leben blicken, dann ist das gar nicht so divers, wie mancher denken mag, und birgt doch manche Spannung. Das zeigt eine dreiteilige Ausstellung unter dem Titel „Von 0 auf 100 – Jung und Alt blicken auf das Leben“, die das Familienzentrum der katholischen Pfarreiengemeinschaft Königswinter am Oelberg derzeit in der Stieldorfer Pfarrkirche präsentiert.

An diesem Projekt über das gemeinsame Lernen und Leben von Alt und Jung haben 14 Vorschulkinder des katholischen Kindergartens Sankt Margareta in Stieldorf und drei Bewohnerinnen des benachbarten Seniorenzentrums Sankt Margareta mitgewirkt.

Großformatige Porträts von Hundertjährigen empfangen die Besucher im Kirchenraum, darunter Zitate der Betagten über ihr eigenes Leben. „Ich wollte viel sehen und erleben und schob selten etwas auf die lange Bank“ hat etwa Gertrud Siegmund gesagt. Eine andere Seniorin schwört auf „acht Stunden Schlaf jede Nacht“, um 100 Jahre alt zu werden, ein Senior auf „jeden Tag Kartoffeln“.

Alle drei waren Teil des Projekts „100 Jahre Leben“ des DiözesanCaritasverbands für das Erzbistum Köln, für das zehn mindestens Hundertjährige aus Pflegeeinrichtungen im Erzbistum in den Jahren 2013 und 2014 fotografiert und interviewt wurden. Dieses Projekt hat auch den Anstoß gegeben für die aktuelle Ausstellung. Diese wurde von Gemeindereferentin Judith Effing organisiert und von Museumspädagogin Irina Wistoff mit den Kita-Kindern und den Seniorinnen durchgeführt.

Die Kinder haben für den zweiten Bestandteil der Ausstellung bunte „Selfies“ gemalt: sich selbst, so wie sie sich als Erwachsene sehen. Bergsteiger wollen sie werden, Vulkanforscher, Polizist oder Zauberer. Wenn Nils groß ist, möchte er bei seinem Raketenstart auch Jesus dabei haben, und Hannah als Polizistin und Feuerwehrfrau zugleich Menschen retten.

Gemeinsam einen Lebensweg gemalt

Anderen reicht „ein schönes Haus“ oder als schöne Braut in der Kirche zu heiraten. Eine der Jungen möchte schlicht „eine blaue Brille, wenn ich erwachsen bin“. Da hat Maria Tippkämper von einem der Hundertjährigen-Porträts nur wenige Schritte weiter noch größere Pläne: „Man weiß ja nie, was noch kommt. Und deshalb muss ich schick sein.“

Manche Kinder zieht es später einmal zu den Sternen, aufs Meer oder als Forscher bis ins Weltall. Eine Hundertjährige hat nach eigenen Angaben auf vieles verzichtet, „aber niemals auf die Urlaubsreisen“, während es eine andere als „Kölsch Mädche“ nie in die Ferne zog. „Bemerkenswert, mit welcher Ernsthaftigkeit manches Kind zu Werke ging, und mit welcher Lebensenergie sich noch mancher Hundertjährige auf das freut, was in der Zukunft liegt“, bilanzierte Wistoff bei der Vernissage.

Sie hat auch die vier wöchentlichen Treffen der Kinder und Seniorinnen begleitet, bei denen gemeinsam ein „Lebensweg“ gemalt wurde: eine Rutsche am Weganfang, Schule, Kirche, Haus, Auto sowie Weihnachtsbaum am Wegesrand. Am Lebensende steht ein kleiner Mann, der viele große Ballons steigen lässt. Dieser „Lebenweg“ ist mit Magneten bespielbar, samt Figuren und eigens erdachter Symbole. Sowohl die Kita als auch das Seniorenhaus werden am Ende der Ausstellung jeweils einen Teil des „Lebenswegs“ behalten.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 22. Februar, immer donnerstags von 15 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12.30 Uhr in der Stieldorfer Pfarrkirche, An der Passionshalle 6, zu sehen. Darüber hinaus können Termine für Gruppen vereinbart werden. Weitere Informationen gibt es unter 02244/901153.