Nibelungenhalle im Siebengebirge

Die Sanierung ist so gut wie abgeschlossen

KÖNIGSWINTER. Nach rund einem Jahr sind die Sanierungsarbeiten an der Nibelungenhalle so gut wie abgeschlossen, und der Kuppelbau erstrahlt in neuem Glanz. Auch der Innenraum wurde generalüberholt.

Götterdämmerung - aber nur musikalisch. In der Nibelungenhalle erklingen wieder Wagner-Melodien. Lange waren in der Walhalla nur Hammerschläge und kreischende Bohrer statt Pauken, Geigen und Trompeten zu hören. Nachdem im vergangenen Jahr das 100-jährige Bestehen der Gedenkstätte gefeiert worden war, hatte die Sanierung des Bauwerks, das 1913 zum 100. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner eröffnet wurde, begonnen. Nun ist die Renovierung - bis auf das Eingangsportal - abgeschlossen. Und damit präsentiert sich nach der Burgruine, dem Plateau, dem Schloss und den Zahnradbahn-Stationen auch die letzte noch ausstehende Sehenswürdigkeit am Drachenfels den Besuchern im herausgeputzten Zustand.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs war es nicht mehr möglich gewesen, das geplante Kupferdach aufzubringen. Das führte mit den Jahrzehnten zu Feuchtigkeitsschäden am Bau. Aber nun ist alles dicht. Die Halle hat einen neuen "Hut", und auch der Innenraum wurde generalüberholt. Nachthimmelblau ist die Kuppel. Per Spektralphotometer wurde die ursprüngliche Farbe ermittelt und speziell für die Halle hergestellt. Projektleiter Ägidius Strack: "Die gibt es auf dem Markt so nicht."

Die Farbskala an Gesims, Wänden und Säulen reicht von Ochsenblutrot über Ocker bis hin zu Sandsteinrot. Im letzteren Bereich soll noch einmal nachgestrichen werden; der Ton, für den kein Befund aus der ursprünglichen Farbgebung vorliegt, muss noch verändert werden. Es ist heller geworden in der Nibelungenhalle. In die Apsis mit dem Weihestein aus Drachenfelstrachyt für Richard Wagner fällt reichlich Tageslicht von oben ein. Die Gesichtszüge des Komponisten im Halbrelief und die Inschrift "Ehrt Eure Deutschen Meister" aus Wagners "Meistersingern" sind deutlich zu erkennen.

In ganz neuem Licht erscheinen die zwölf großen Gemälde in den Nischen des Hallenrunds. Sie stammen von dem Maler Hermann Hendrich, der auch der Ideengeber für das Bauwerk am Drachenfels war. Diese Bilder, die den Opernzyklus "Ring des Nibelungen" mit seinen vier Bühnenwerken "Rheingold", "Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" malerisch interpretieren, werden neuerdings von modernen LED-Leuchten angestrahlt. "Diese Bilder müssen allerdings noch restauriert werden", nennt Eigentümerin Marlies Blumenthal ein Vorhaben, das noch aussteht. Besonders die Siegfried-Bilder, vor denen Amboss und Schwert aufgebaut sind, haben eine Generalüberholung dringend nötig.

Wer sich auf eine der Bänke setzt und in den "Himmel" schaut, entdeckt zwölf ovale Fenster. Früher waren hier die Tierkreiszeichen zu sehen. Leider existieren die vermutlich in der "Mittelrheinischen Kunstglaserei" in Honnef gefertigten zwölf Motivfenster nicht mehr.

Aber sie sollen durch Glasmalermeisterin Helga Feuser-Strasdas aus Wormersdorf ersetzt werden. Wie gut das wirkt, zeigt das Modell mit dem Tierkreiszeichen der Fische, das bereits eingebaut werden konnte, als das Gerüst noch stand. Einige Fenster-Stifter wurden bisher gewonnen: Ursula Brungs, Anna Gomberg, Marlies Blumenthal, die Familien Frings/Schreiber und die an der Sanierung beteiligten Firmen Schleiff aus Erkelenz, Steffens aus Swisttal-Heimerzheim und Borchmann aus Bonn. Sie haben sich jeweils ein Tierkreiszeichen ausgewählt. Blumenthal hofft, dass sich auch für die restlichen Fenster Sponsoren finden. Dann ginge auch dieser Herzenswunsch in Erfüllung.

Was den Boden der Halle anbelangt: Da bleibt Marlies Blumenthal zunächst auf dem Teppich. Er besteht aus Xylolith. Das ist eine Mischung aus Magnesium-Mörtel, Sägemehl und Farbe. Auf Knien rutscht die Hallen-Chefin, wenn sie den Boden mit dunkelrotem Centralin-Bohnerwachs einreibt. "Leider hat die Firma die Produktion dieses Pflegemittels eingestellt. Nun muss ich einen Ersatz finden." Denn der Boden mit dem 60 Meter langen Schlangenmotiv soll auch künftig glänzen.

Die Götter ziehen in die Walhalla ein - zumindest musikalisch. Marlies Blumenthal stellt die Musikanlage auf volle Lautstärke. Auf besonderen Wunsch von Wagnerfreunden macht sie das gern. Das ist dann ganz große Oper am Drachenfels.

Die Kosten

"Ich bin sehr froh, dass wir die Sanierung geschafft haben", sagt Marlies Blumenthal. An ihrer Seite hat sie Projektleiter Ägidius Strack. "Ohne ihn wäre die Umsetzung des Projektes sicher gar nicht möglich gewesen. Ich bin ihm sehr dankbar." 768.000 Euro Kosten fielen dafür an. Der Jugendstilbau wurde in das Förderprogramm für Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen; Bund, Land und Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligten sich finanziell an der Maßnahme mit 606.500 Euro.

Die Kuppelfenster

Insgesamt zwölf ellipsenförmige Fenster sind in die Kuppel der Nibelungenhalle eingelassen. Eines von ihnen ist bereits durch ein Bleiglasfenster aus der Glasmalerei Feuser-Strasdas in Rheinbach-Wormersdorf ersetzt.

Es ist dem Tierkreiszeichen der Fische gewidmet. Das obere Drittel des Fensters ist Blau wie die Kuppel und zeigt das Sternbild der Fische. Für den unteren Bereich hat die Künstlerin Helga Feuser-Strasdas das Tierkreiszeichen der Fische als stilistisch-naturalistische Zeichnung entworfen. Mittlerweile hat sie sämtliche zwölf Motive entwickelt, und auch die Farbgebung liegt bereits vor. Feuser-Strasdas orientierte sich bei den Entwürfen an den vier Elementen Luft, Erde, Wasser und Feuer, die jeweils drei Tierkreiszeichen zugeordnet sind.

Um ein Fenster herzustellen, vergrößert die Glasmalermeisterin das Motiv in das Originalmaß und fertigt Farbschablonen, nach denen dann das Glas zugeschnitten wird. Feuser-Strasdas arbeitet mit mundgeblasenem Echt-Antikglas aus der weltweit bekannten Glashütte Lamberts in Waldsassen. Nach Möglichkeit sollen die elf restlichen Fenster gemeinsam eingebaut werden.

Alle Motive sind demnächst in der Nibelungenhalle zu sehen. Wenn die bunten Fenster in der Kuppel komplett sind, wird das einfallende Licht gedämpft, der Sternenhimmel kommt dann besonders gut zur Geltung. Die Fische geben bereits einen ersten Vorgeschmack.

Infos: Nibelungenhalle, Drachenfelsstraße 107,  Rufnummer 02223/21150; Internet: www.nibelungenhalle.de