Viele Stellen in der Verwaltung unbesetzt

Der Stadt Königswinter fehlen Mitarbeiter

Königswinter. Neun Prozent der Vollzeitstellen bei der Stadt Königswinter sind nach Angaben der Verwaltung unbesetzt. Besonders eklatant ist das Problem im Dezernat II.

Eine leichte Besserung ist spürbar, aber noch immer sind rund neun Prozent der Vollzeitstellen bei der Stadt Königswinter nach Angaben der Verwaltung unbesetzt. Von 409 Stellen waren am 31. Juli 36,3 gar nicht besetzt oder die Stelleninhaber sind langzeiterkrankt. Einige Wochen zuvor waren es sogar 46 Vakanzen, doch seitdem wurden einige Einstellungsverfahren erfolgreich abgeschlossen.

Besonders eklatant ist das Problem im Dezernat II, das Heike Jüngling leitet. In den Geschäftsbereichen Ordnungsamt, Schule, Sport und Jugend sowie Soziales und Generationen sind insgesamt 17,7 Stellen nicht besetzt. „Besonders im Bereich Schule und Sport ist die Lage unverändert schlecht“, stellte der für Personal zuständige Erste Beigeordnete Dirk Käsbach im Gespräch mit dem GA fest.

Im Technischen Dezernat III von Theo Krämer sind derzeit 11,5 Stellen nicht besetzt. Die Krankenquote liege mit 7,63 Prozent zwar im Rahmen, im zweiten Quartal habe jedoch die Zahl der Langzeiterkrankten deutlich zugenommen. „Das Durchschnittsalter der Beschäftigten steigt. Es wäre aber zu einfach, das Problem auf eine Ursache zurückzuführen“, gibt Käsbach zu bedenken.

Nicht überall gelinge es so gut wie im Bereich IT, Abgänge durch eigene Auszubildende aufzufangen. Es gebe bestimmte Bereiche, in denen es besonders schwierig sei. Dazu gehören vor allem die Techniker und Bauingenieure. „Der Markt boomt. Dort kann man mehr verdienen als bei uns. In solchen Zeiten spielen unsere Vorzüge wie Arbeitsplatzsicherheit und Zusatzversorgung eine nicht so große Rolle“, so der Beigeordnete.

Kommunen nicht mehr konkurrenzfähig

„Es gibt quasi Vollbeschäftigung und einen großen Fachkräftemangel. Die Firmen suchen händeringend Fachleute und ziehen dabei auch Mitarbeiter aus der Verwaltung ab“, sagt auch der Technische Dezernent Theo Krämer. Wegen der nicht variablen Bezahlung nach dem Tarif für den Öffentlichen Dienst seien die Kommunen nicht mehr konkurrenzfähig.

Im Gebäudemanagement zum Beispiel sei zurzeit von drei Technikerstellen nur eine besetzt. Gleichzeitig seien in diesem Bereich allein in diesem Jahr 44 Bauprojekte abzuwickeln. Im Bereich Planen und Bauen stünden sogar 52 Projekte an. Im Wesentlichen handele es sich dabei um aufwendige Bebauungspläne.

Das Problem wird immer drängender, die Schere zwischen dem fehlenden Personal und der wachsenden Zahl an Aufträgen wird immer größer. Über Konsequenzen, die aus dieser Situation zu ziehen wären, befindet sich die Verwaltung derzeit in intensiven Gesprächen mit der Politik.

Käsbach nennt ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin fällt wegen eines schweren Augenleidens immer wieder für längere Zeit aus. Da man ihre Stelle für sie offenhalten möchte, wurde diese zum 1. August für ein Jahr befristet ausgeschrieben. Tatsächlich wurde jemand gefunden. Dieser Bewerber sagte aber vor einigen Tagen kurzfristig wieder ab, weil er eine unbefristete Stelle gefunden hatte. „Im Bereich Verwaltung haben wir eigentlich überhaupt kein Problem. Das gilt aber nicht, wenn Stellen nur befristet ausgeschrieben werden“, sagt Käsbach.

Den Schutz der eigenen Mitarbeiter sieht man in der Verwaltung aber im Zweifel als das höhere Gut an. „Da stehen ja immer Menschen dahinter, die wiederkommen möchten“, so der Beigeordnete. Auf der anderen Seite wurde mit dem Personalrat jetzt vereinbart, dass Stellen in den kommenden Monaten sowohl intern als auch extern ausgeschrieben werden.

Einerseits möchte man den eigenen Mitarbeitern ermöglichen, sich auf andere Stellen innerhalb der Verwaltung zu bewerben, andererseits reißt jede interne Neubesetzung an anderer Stelle eine Lücke. „Wir wollen die eigenen Leute natürlich weiter fördern, Stellen aber auch vermehrt extern besetzen“, sagt Käsbach.

Intensivere Ausbildung

Eine weitere strategische Überlegung ist eine intensivere Ausbildung mit dem Ziel der späteren Übernahme. Künftig sollen allein in der Verwaltung in jedem Ausbildungsjahr sechs Azubis beschäftigt werden. Das macht insgesamt 18 Azubis nur in diesem Bereich. Zurzeit sind bei der Stadt insgesamt 16 Azubis beschäftigt, davon aber nur sieben in der Verwaltung, die übrigen im Bereich IT, als angehende Notfallsanitäter und als Straßenwärter. „Künftig hätten wir dann 31 oder 32 Azubis, was eine Verdoppelung wäre“, sagt Käsbach. Ziel ist es, dass künftig in jedem Geschäftsbereich ausgebildet werden kann.

Aus diesem Grund befinden sich zurzeit fünf Mitarbeiter auf Lehrgängen, um sich entsprechend zu qualifizieren. Ein Problem ist nur, dass zurzeit für die Aufstockung eigentlich schlicht der Platz fehlt. „Wir liegen schon über unserer Kapazitätsgrenze“, so Käsbach – der damit wieder beim Thema Bau eines zentralen Rathauses ist.

Ein ganz wichtiges Thema in Personalfragen sieht Käsbach auch in einer stärkeren Mitarbeiterbindung. Hier wolle man durch den Ausbau von Heimarbeitsplätzen die standortunabhängige Arbeit noch mehr als bisher ermöglichen. Dazu gehöre auch ein noch besseres Gesundheitsmanagement. Die Stadt Königswinter bietet zum Beispiel wegen der Zunahme psychischer Erkrankungen eine niederschwellige anonyme Erstberatung durch das Bonner Zentrum für Arbeitsmedizin an.

Noch ein weiterer Punkt ist dem Ersten Beigeordneten ganz wichtig: „Wir müssen deutlich machen, dass die Arbeit in der Verwaltung eine sehr sinnhafte Tätigkeit für eine gut funktionierende Gesellschaft ist.“