Ortsteil von Thomasberg

Der Mittelpunkt von Königswinter liegt bei Bellinghauserhohn

Königswinter. Der geografische Mittelpunkt von Königswinter liegt an der Autobahn 3 bei Bellinghauserhohn. Eine Besichtigung vor Ort zeigt: Im Herzen der Stadt ist es einsam - und kalt.

Im Herzen von Königswinter ist es laut. Verdammt laut. Wer am geografischen Mittelpunkt der Stadt unterwegs ist, darf sich am ständigen Rauschen des Verkehrs nicht stören. Das ist ja auch zunächst kein Widerspruch. Wer an das Herz von London oder New York denkt, dem fallen Piccadilly Circus oder Times Square ein. Verkehrsknotenpunkte. Was die drei Orte unterscheidet: In Königswinter ist man an diesem lauten Ort vor allem eines – allein.

Denn der geografische Mittelpunkt von Königswinter ist irgendwo hinter Bellinghauserhohn, einem Ortsteil von Thomasberg, zu finden. Er gehört zur Gemarkung Hasenpohl und liegt direkt an der Autobahn 3 und der ICE-Strecke. Zu erreichen ist er über einen Schotterweg, der nur für Anlieger freigegeben ist. Und den man eigentlich ohne Geländewagen auch nicht befahren will. Sprich: Er liegt gefühlt im Nirgendwo.

Es ist (fast) idyllisch

Die A 3 ist hinter den Bäumen nur zu erahnen, dafür aber um so besser zu hören, da es an dieser Stelle keinerlei Lärmschutzwände gibt. Wer das ausblenden kann, hört das Summen der Bienen, Hummeln und anderer Insekten. Er sieht Schafgarbe und Disteln, fast schon verblüht. Über der nahe gelegenen Weide zieht oben am gewitterschwangeren Himmel majestätisch ein Greifvogel seine Bahnen. Es ist (fast) idyllisch. Der Blick schweift über die Weiler und Oberpleis auf der anderen Seite der Verkehrsadern. Eine Grille zirpt.

Eine kleine Umfrage unter den Kollegen der Redaktion, wo denn der Mittelpunkt der Stadt liegen könnte, ergibt folgende Antworten: Oberpleis, Sonderbusch, Vinxel, Ittenbach und Thomasberg. Antworten, die sich nur begrenzt als hilfreich erweisen, deuten sie doch darauf hin, dass jeder Kollege, der in Königswinter wohnt, seinen Ortsteil für den Nabel der Welt – Pardon, von Königswinter – hält. Aber wir wollen es ja genau wissen.

Doch der Anruf bei der Stadt ergibt: Das weiß man es auch nicht. Und hat keine Ahnung, wie er zu bestimmen ist. Die Experten an der Uni bräuchten dafür Wochen. Es kann nicht im Interesse der Allgemeinheit sein, dass man mit dieser Frage eine ganze Fachschaft für diese Zeitspanne lahm legt. Also forschen wir, wie man das Zentrum der Stadt selbst berechnen kann.

Mittelpunkt mit dem Schwerpunkt errechnet

Verschiedene Methoden sind denkbar. Die Redaktion entscheidet sich dafür, den Schwerpunkt und damit Mittelpunkt zu errechnen. Und der liegt, sagt das Lot, eben – ungefähr – im Niemandsland hinter Bellinghauserhohn. Obwohl der Mittelpunkt noch einen weiteren „Titel“ trägt. Klein Sibirien nennen Alteingesessene dieses Gebiet von Königswinter. Den Grund erklärt Wetterexperte Karsten Brandt: „Hier wird eine Kaltluftschneide vermutet. Zudem liegen A 3 und ICE-Trasse in einer Mulde am Fuß des Steinringer Berges, wo sich die kalte Luft sammelt.“

Und man kann zumindest an diesem Tag das schlechte Wetter über die benachbarten Hügel im Westen anrollen sehen. Und dann, plötzlich, kommt doch noch jemand vorbei. Ein weißer Pick-up quält sich über die steinige Piste hoch. Ein Tourist auf der Suche nach dem Mittelpunkt der Stadt?

Allein mit der Natur und sich

Es lässt sich nicht genauer eruieren, der Fahrer spricht weder deutsch noch englisch oder französisch, aber er lächelt freundlich und tippt gegen sein Cappy, bevor er die nächste Kurve nimmt. Vielleicht doch eher ein Erntearbeiter auf dem Weg zum Erdbeerfeld.

Danach ist man wieder allein. Mit der Natur und sich. Auf der anderen Talseite steht ein etwas wackeliger Drahtzaun, dahinter ein Schild mit der Aufschrift „Schutt abladen verboten“, weiter dahinter ein metallenes Etwas, gefleckt wie eine Kuh, vielleicht ein alter Trailer.

Näheres ist nicht zu erkennen. Irgendwie Idylle pur, schießt es einem durch den Kopf. Vielleicht ist es genau das, was das Herz der Stadt ausmacht. Industrie, Drachenfels und vieles andere – egal. Es ist die Natur, die diese Stadt ausmacht.

PS: Der Kollege aus Thomasberg besteht darauf zu betonen, dass seine Einschätzung allein auf geografischen Überlegungen beruht. Und nichts mit seinem Wohnort zu tun hat.