Dreitägiger Besuch

Bundespräsident Steinmeier erinnert an Bonner Geschichte

Rhöndorf. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist zu Besuch an seinem zweiten Amtssitz in Bonn und besucht dabei unter anderem das Adenauerhaus in Rhöndorf. Doch die Visite ist überschattet von den Ausschreitungen in Chemnitz.

Die Ereignisse von Chemnitz überschatteten am Mittwoch auch das Besuchsprogramm von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an seinem zweiten Amtssitz in Bonn. "Der Tod eines Menschen erschüttert zutiefst. Aber ich bleibe dabei: Diese Erschütterung ist auch missbraucht worden", verurteilte das Staatsoberhaupt erneut ausländerfeindliche Ausschreitungen in der sächsischen Stadt. "Das war nicht geplant, aber die Ereignisse dort gaben Anlass, etwas dazu zu sagen", erneuerte Steinmeier beim Rundgang in der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus seine Kritik an jeder Art von Selbstjustiz: "Das dürfen wir nicht der Straße überlassen."

Wie berichtet, hatte Steinmeier am Tag zuvor klar Stellung zu den Ausschreitungen bezogen, die sich nach der Festnahme eines Irakers und eines Syrers, die nach dem gewaltsamen Tod eines Deutschen in Haft genommen wurden, Bahn gebrochen hatten. Steinmeiers Bekenntnis fiel in die Zeit, da das Staatsoberhaupt zu einem dreitägigen Besuch seines zweiten Amtssitzes aufbrach - nicht sein erster Besuch in Bonn, so Steinmeier, aber der bislang längste. Bis Freitag nimmt Steinmeier dabei insgesamt elf Termine in Bonn und der Region wahr. Dazu gehörte am Mittwoch auch der Besuch in Rhöndorf und am Freitag die Teilnahme an einer Veranstaltung zu 70 Jahre Parlamentarischer Rat in Bonn.

Nicht nur letztgenannter Programmpunkt markiert den Neubeginn Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer demokratischen Grundordnung. Dasselbe gilt für die Ausstellung im Adenauerhaus, die das Leben und Wirken des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer unter dem Titel "Konrad Adenauer 1876 bis 1967. Rheinländer. Deutscher. Europäer" vor Augen führt. Und die, so Steinmeier, eben auch eine "lebendige Erinnerung" sei, "dass wir, die heutige Generation, die Demokratie zu pflegen haben. Die Ausstellung führt vor Augen, welches kostbare Geschenk den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht wurde: die Demokratie."

Gut eine halbe Stunde zuvor war Steinmeier vor dem Gebäude der Stiftung an der Konrad-Adenauer-Straße vom Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung, Bundesminister und Ministerpräsident a.D. Jürgen Rüttgers, dem Vorstandsvorsitzenden, Staatssekretär a.D. Manfred Speck, und den örtlichen Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen und Nicole Westig begrüßt worden. Der Besuch des jeweiligen Bundespräsidenten ist für die Stiftung nicht neu, die Verbindung von Stiftung und Staatsoberhaupt ist eng. Dem Bundespräsidenten obliegt die Bestellung des fünfköpfigen Kuratoriums dieser ältesten Politikergedenkstiftung des Bundes. Je zwei Mitglieder des Kuratoriums werden von der Bundesregierung und den Erben Adenauers vorgeschlagen, das fünfte Mitglied wählt der Bundespräsident aus. Der Besuch der Stiftung während einer Amtszeit ist gute Tradition. Stiftungs-Geschäftsführerin Corinna Franz oblag es, Steinmeier durch die Ausstellung zu führen. Erst im vergangenen Jahr war die gesamte Ausstellung erneuert und deutlich modernisiert worden. Besonders viel Zeit nahm sich der Bundespräsident für den Ausstellungsteil, der die Zeit des Nationalsozialismus behandelt: Dunke Stelen, die zu schwanken scheinen, symbolisieren laut Franz, "dass seinerzeit alles in Wanken geriet". Aus dieser dunklen Zeit, die auch mit Adenauers Vertreibung aus dem Amt des Kölner Oberbürgermeisters und seine Zuflucht in Maria Laach verbunden war, führte der Rundgang zum nächsten Themenbereich mit dem Parlamentarischen Rat und dem Weg in die Demokratie.

Nicht fehlen durfte der Besuch des oberhalb gelegenen Wohnhauses Adenauers, in dem Steinmeier mit Nachfahren des ersten Bundeskanzlers, namentlich seiner Enkeln Bettina Adenauer und Konrad Werhahn sowie Heinrich-Dietrich Dieckmann, Ehemann von Enkelin Irene Dieckmann, zum Gespräch zusammentraf. Im Anschluss trug sich das Staatsoberhaupt in die Goldenen Bücher der Stiftung sowie der Stadt Bad Honnef ein, für die Vize-Bürgermeister Peter Profittlich den Besuch begleitete.