Dependance der Gesamtschule Oberpleis

Bernd Kolb: "Der Schulleiter ist kein Zauberer"

Stolze Gesamtschüler: Am Kennenlerntag vor den Sommerferien versammelten sich die Jungen und Mädchen auf dem Schulhof.

Oberpleis. Abgelehnt hatte die Stadtschulpflegschaft die Honnefer Dependance der Gesamtschule Oberpleis, weil sie Qualitätseinbußen für die Mutterschule befürchtete. Nachdem der Stadtrat am Mittwoch einstimmig der Schulfiliale zugestimmt hat, sprach Hansjürgen Melzer mit dem Vorsitzenden der Stadtschulpflegschaft, Bernd Kolb.

Sind Sie über den Ratsbeschluss enttäuscht?
Bernd Kolb: Ich hätte es lieber gesehen, wenn sich die Gesamtschule in Oberpleis erst mal über die Jahre hin hätte aufstellen können. Ich sehe aber auch, dass Bad Honnef wegen der Probleme mit der Konrad-Adenauer-Schule keine Alternative hat. Es ist auch nachvollziehbar, dass der Stadtrat nach der für mich allerdings immer noch vagen Auskunft der Bezirksregierung einstimmig für die Dependance gestimmt hat. Mir ist immer noch nicht klar, welches Spiel die Bezirksregierung spielt.

Aber es gibt doch eine Klarstellung der Bezirksregierung, dass sich die Dependance nicht negativ auf das Fächerangebot und die Differenzierung in Oberpleis auswirken wird. Reicht Ihnen das immer noch nicht?
Kolb: Natürlich gehören diese Dinge zu den inneren Schulangelegenheiten. Aber der Schulleiter ist auch kein Zauberer und kann sich nur im Rahmen der Ressourcen, sprich Lehrerstellen, bewegen, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist, dass man eine Zweizügigkeit zulässt, aber nicht zulässt, den daraus entstehenden Bedarf an Pädagogen zu decken. Die Standorte liegen nun mal sehr weit auseinander.

Sie meinen, dass die Fahrten der Lehrer zwischen Oberpleis und der Filiale nicht als Arbeitszeit gelten...
Kolb: Ich sehe bei der Bezirksregierung eine Dienstpflicht gegenüber den Lehrern. Wir erwarten schließlich, dass die Lehrer gut vorbereitet in den Unterricht gehen können. Wenn sie aber unter Zeitdruck von Oberpleis nach Bad Honnef fahren müssen, wird es Einbußen bei der Qualität geben. Wir hoffen, dass uns die Pädagogen der Konrad-Adenauer-Schule in Bad Honnef unterstützen und hier eine fruchtbare Zusammenarbeit stattfindet, die von der Bezirksregierung zugelassen wird.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Honnefer Stadtelternrat, der über Ihre Ablehnung der Dependance sehr enttäuscht war?
Kolb: Die Enttäuschung lässt sich nachvollziehen. Ich habe am Rande der Ratssitzung mit der Vorsitzenden Renate Künzel sprechen können. Wir wollen jetzt gemeinsam das Beste für beide Standorte erreichen. Wir haben der Filiale ja auch nie grundsätzlich ablehnend gegenüber gestanden. Wir sahen aber unsere Aufgabe darin, auf die pädagogischen Rahmenbedingen hinzuweisen. Der Politik ging es anfangs ja nur um die Finanzierung und die öffentlich-rechtliche Vereinbarung. Wir wollten mit unserem Brandbrief aufrütteln, die Problematik umfassender zu betrachten. Durch unsere Stellungnahme ist die Diskussion dann auch anders geführt worden.

Hat es geholfen, dass die Opposition Ihre Sichtweise anfangs geteilt hat?
Kolb: Ich werfe keiner Partei vor, dass sie sich nicht umfassend mit dem Thema befasst hat. Wir haben auch mit der CDU Gespräche geführt. Während die Koalition jedoch Wert darauf gelegt hat, dass innere und äußere Verantwortung getrennt werden, hat sich die Opposition mehr mit dem Gesamtspektrum der Fragen beschäftigt.

Wie beurteilen Sie den Start der Gesamtschule?
Kolb: Wenn ich durch die Schule gehe, habe ich den Eindruck, dass die Kinder gut angekommen und die Lehrer hoch motiviert sind. Die Arbeit aller Beteiligten ist sehr intensiv.

Wie muss es jetzt weitergehen?
Kolb: Alle sollten an einem Strang ziehen. Die Gesamtschule sollte eine Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Schule anstreben, damit die Fahrten der Lehrer auf ein Minimum reduziert werden können. Die Bezirksregierung muss sich mit den Gegebenheiten vor Ort befassen. Wir verlangen, dass sie sich dafür einsetzt und ausreichende Ressourcen zur Verfügung stellt. Wir haben auch mit der Schulpflegschaft der Gesamtschule gesprochen, dass wir sie auf diesem Weg begleiten werden. Die Dependance in Bad Honnef kann allein aufgrund des Raumprogramms nicht so viele Wahlpflichtfächer anbieten wie die Schule in Oberpleis. Die Frage wird sein, wie viele Eltern ihre Kinder in Bad Honnef anmelden werden.

Was wünschen Sie für die Zukunft?
Kolb: Wir hoffen, dass das Interesse an der Gesamtschule so groß bleibt wie es bisher gewesen ist und dass die Schule den Standard erreicht, den die Gesamtschulen im Umfeld haben. Wir werden notfalls auch bei der Landesregierung aufzeigen, welche Unterstützung der Siebengebirgsraum noch benötigt - zum Beispiel was die Größe des Kollegiums angeht.