Konrad Adenauer auf der Spur

Tag des Archivs in Rhöndorf

Nur mit Handschuhen dürfen die wertvollen Alben, Briefe und Terminkalender aus dem Archiv des Adenauerhauses angefasst werden.

Nur mit Handschuhen dürfen die wertvollen Alben, Briefe und Terminkalender aus dem Archiv des Adenauerhauses angefasst werden.

RHÖNDORF. Die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf beteiligte sich am bundesweiten Archivtag, der unter dem Motto "Demokratie und Bürgerrechte" stand.

Wilhelm Strohmeier streifte weiße Handschuhe über. Die Grundausstattung, um am Tag des Archivs in Unterlagen Konrad Adenauers zu blättern. Alina Klein, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, hatte mit Praktikantin Maria Schrammen einige Kostbarkeiten aus dem Archiv auf einem großen Tisch in der oberen Etage des Ausstellungsgebäudes ausgebreitet.

Hier konnten Besucher selbst einmal in Papieren, Dokumenten oder Fotos stöbern und sich von der Historikerin und der Geschichtsstudentin Details erläutern lassen. Der Tag stand unter dem Motto „Demokratie und Bürgerrechte“. Und dementsprechend hatten sie auch die Auswahl getroffen. Klein: „Adenauer hat die Demokratie der jungen Bundesrepublik maßgeblich geprägt.“ Seine Rede zum Aufstand am 17. Juni 1953 in der DDR war an einer Tafel zu sehen, ebenso eine Karikatur zur Meinungsfreiheit und viele andere Ausstellungsstücke.

„Was hat Konrad Adenauer denn an meinem Geburtstag gemacht?“, fragte sich Wilhelm Strohmeier. Unter den Schätzen befand sich nämlich auch der Terminkalender Adenauers aus dem Jahr 1951. Strohmeier schlug die Seite vom 23. März auf. Karfreitag. Und der Eintrag wies auf einen Termin Adenauers zu Hause in Rhöndorf mit Dr. Horatz aus Köln hin. Am nächsten Tag erwartete Adenauer Besuch aus Frankreich. Ostersonntag, Montag und Dienstag waren frei. „Das ist wirklich interessant“, sagte Strohmeier, als er die spannenden Namen aus dem Kalender studierte, die damals von der Sekretärin in sauberer Schrift eingetragen worden waren.

Quellen stehen Interessenten offen

Ob Lord Henderson, der britische Parlamentarische Unterstaatssekretär, am 29. März oder Ministerpräsident Arnold am Tag zuvor – die Eintragungen im Terminkalender weckten förmlich die Zeit vor mehr als 60 Jahren auf. „Kann man davon Kopien erhalten?“, erkundigte sich der Besucher. Ja, das sei durchaus möglich, erklärten die Damen aus dem Archiv. Überhaupt: Jederzeit stehe diese Quelle für Interessenten offen. Strohmeier erzählte: „Ich war schon oft hier und habe auch mit Freunden an Führungen mit Hans Peter Mensing teilgenommen. Jetzt verstehe ich, warum der immer so begeistert von seiner Arbeit im Adenauer-Haus erzählte.“

Ein dickes Album mit Fotos hatten Mitarbeiter Konrad Adenauers ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler ihrem Chef geschenkt. Das Buch zeigt Abbildungen aus dem Kanzleramt genauso wie aus seinem Refugium in Rhöndorf. Faksimiles von Adenauers Ausweis zum Parlamentarischen Rat und von der Einlasskarte für die feierliche Verkündigung des Grundgesetzes am 23. Mai 1945 lagen aus.

Ein weiterer Besucher war sogar selbst Jahrgang 51. Und er schaute nach, welche Termine Konrad Adenauer am Tag seiner Geburt am 8. September hatte. Am frühen Morgen war Globke in Rhöndorf, am späten Nachmittag wurde in Köln die Mülheimer Brücke eingeweiht. Schließlich konnten die Besucher sich noch an einem Quiz beteiligen mit Fragen zum Grundgesetz, zum Parlamentarischen Rat und zu den Parteien, die 1949 die Regierung bildeten. Und Kinder hatten in einer Malecke ihr Betätigungsfeld. Dazu waren dann keine weißen Handschuhe mehr erforderlich.