Ring frei für Athleten und Poeten

Poetry Slam im Siebengebirge

SELHOF. Bei der dritten Auflage des Poetry Slam setzte sich Ella Anschein erneut gegen die Konkurrenz durch. Die Titelverteidigerin hatte im Handumdrehen die Herzen der Zuschauer für sich gewonnen.

Ring frei für Athleten und Poeten. In den Boxring im Saal Kaiser stiegen nicht nur Sportler des ATV Selhof, sondern auch vier Slammer sowie Sängerin Lisa Hombücher, die mit einer Hammerstimme punkten konnte und mit Titeln wie der Arie „Un bel di vedremo“ dieser einzigartigen Veranstaltung noch das Sahnehäubchen aufsetzte.

Wo gibt es das schon alles in einem Ring – „fliegende“ Fäuste, poetische Texte und zauberhafte Lieder? Das war ganz große Oper in einem Seilviereck mit roter und blauer Ecke in einem alten Saal mit toller Atmosphäre.

Stimmung wie beim Boxkampf

Es wiederholt sich vieles eben doch. Die Veranstalter – der ATV Selhof, der Verein Literatur im Siebengebirge (LiS) und als Ideengeber Rainer Hombücher von „Hautnah“ – hatten auch bei dieser dritten Veranstaltung unter dem Motto „Ring frei – Athleten und Poeten“ Fritz von Fingerhoff als Moderator gewinnen können. Und der heizte wie der berühmte Ringsprecher Michael Buffer mit langgezogenen Silben dem begeisterten Publikum noch so richtig ein. Es herrschte eine Stimmung wie an berühmten Boxringen – „Let’s get ready to rumble!“

Und besonders gut los ging's für Poetry-Slammerin Ella Anschein, die zum dritten Mal in Selhof im Finale stand und erneut auch den Endkampf gewann. Ihr gelang ein klarer Punktsieg gegen die zweite Frau des Abends, Kati Abrahamson. Die Entscheidung lag wie bei jedem Slam-Wettbewerb beim Publikum. In Selhof konnten die Besucher mit blauer oder roter Karte für den Dichter in der roten oder blauen Ecke votieren.

Lorbeerkranz für den Sieger

Die Titelverteidigerin hatte auch diesmal die Herzen für sich gewinnen können. Und bevor Cornelia Nasner von LiS und ATV-Vize und Boxtrainerin Anke Müller der Siegerin den Lorbeerkranz aufsetzten und die rote Schärpe mit der Aufschrift „Ring-frei-Champion 2017“ anlegten, umarmten sich die beiden Bonner Finalisten. Vier Poeten nahmen am Dichterwettbewerb teil. Per Los wurde die Paarung in der Vorrunde festgelegt. Es war Mädels-Tag: Beide männliche Kontrahenten, Dieter Faring aus Oberdollendorf und Francis Kirps aus Luxemburg, wurden dichterisch von den Frauen in die Schranken gewiesen.

Faring machte den „Wellenbrecher“. Er stand als Erster im Ring und legte nach dem Gongschlag ordentlich los. Faring gefiel mit einem Pro-Kölsch-Gedicht. Dem schloss sich noch Prosa über einen Kater auf Freiersfüßen an. Kati Abraham verlas einen Brief an das „liebe kleine Ich“. Dann der gut gemischte rot-blaue Kartenwald. Fritz von Fingerhoff: „Das sieht ganz schön knapp aus!“ Nach der Stimmenauszählung hob er Abrahams Hand zum Sieg. Mit rund zehn Stimmen mehr hatte sie dieses Duell für sich entscheiden können.

Immer wieder Ella Anschein

Über den „Planet Luxemburg“ machte sich Francis Kirps lustig – „Die Landkarte von Luxemburg ist in der Regel im Maßstab eins zu eins.“ Gegen Ella Anschein hatte der Neuling im Ring aber dann doch keine Chance. Die 20-jährige Bonnerin, die in Siegburg die Schauspielschule besucht, meinte: „Ich bin kein Girl, ich mach' keine fünf Kilo runter in einer Woche, ich halt was auf mich und Heidi Klum kann ihr Foto behalten.“

Im Finale richtete sie ihre Worte an den „lieben kleinen Bruder“. Nach dem gesellschaftskritischen Text bat sie die Besucher: „Gehen Sie zur Wahl und wählen Sie demokratisch!“ Am Ring saß auch Landtagskandidatin Andrea Milz. Bei Kati Abrahamson (27) ging es auch dann, wie häufig in ihren Texten und auch in ihrem ersten Buch „Herzblubbern“, um große Gefühle.

Die Siegerin hing als Zugabe noch einen Text an: Die Zuschauer entschieden sich per „Lach-Abstimmung“ für einen lustigen Beitrag. Und Ella Anschein versprach: „Ich komme wieder, aber dann sitze ich mit im Publikum.“ Denn als Dreifach-Gewinnerin ist sie nun raus. Aber die Zweitplatzierte hat 2018 alle Chancen. „Ich hatte nicht damit gerechnet, diesmal ins Finale zu kommen“, meinte Kati Abrahamson zufrieden.

Die Kämpfer

Zwischen Poesie und Gesang zeigten Aktive des ATV Selhof Box- und Kung-Fu-Demonstrationen. Auch eine Showeinlage mit Boxtrainer Waldemar Zibart und den Geschwistern Arda (6) und Azra Kilic (9) war dabei. Im Ring standen außerdem Nils Gransee, der NRW-Vizemeister Lucien Kollmann, Luka Glisic, der Deutsche Vizemeister David Onichenko und Sanny und Benjamin Salim Yeslim sowie Trainer Jagoda Penava.

ls Kung-Fu-Kämpfer mit Trainer Dieter Buchmann dabei: Jule Kampler, Julie Birenfeld, Ronja Wagner, Paula Birrenbach, Carla Engelberg, Nina Fürhof, Finja Dahlkamp, Paul Zender, Moanna Goetze und Annette Knobloch.