Blutmond über dem Siebengebirge

Mondgucker

KÖNIGSWINTER. Auch auf dem Drachenfels beobachteten Schaulustige das nächtliche Spektakel. Für den Blick ins All hatte die Sternwarte Siebengebirge Spiegelteleskope aufgebaut

"Es ist wie Weihnachten, ich freue mich drauf!" Hildegard Hohmann fieberte dem "Blutmond" entgegen. Die 71-jährige Beuelerin fuhr mitten in der Nacht mit der Drachenfelsbahn zum Gipfeltreffen auf den Drachenfels. Und oben bestaunte sie mit rund 50 weiteren Sternenguckern den kupferroten Mond.

Auf der Aussichtsplattform hatten sich zahlreiche Fotografen postiert, um das Schauspiel am Himmel für die Ewigkeit festzuhalten. Spannend war es beim Verein Sternwarte Siebengebirge. Bereits um Mitternacht hatten Christian Preuß, Thomas Haas und Daniel Bockshecker ihre drei Spiegelteleskope aufgebaut. Den Nachtschwärmern erklärten sie, was sich am Himmel abspielt, und ließen sie durch Fernglas oder Teleskop schauen.

"Solch ein astronomisches Rohr sammelt rund 1200 Mal so viel Licht wie das menschliche Auge", erklärte Christian Preuß. Und obwohl das himmlische Schauspiel auch mit bloßem Auge zu erkennen war, so eröffnete es doch ganz besondere Ansichten. Die Astronomen des Siebengebirges begeisterten auch mit ihren Fotos. Direkt am Teleskop hatten sie ihre Kameras angebracht. Das gab perfekte Bilder vom Super-Mond: Genau das ist die exakte Bezeichnung für diesen Himmelskörper, der der Erde in dieser Nacht ganz nah kam. Gerade einmal 356 889 Kilometer entfernt war der Erdtrabant. "Durch diese Erdnähe ist er um 14 Prozent größer als normal - ein Super-Mond", erläuterte Daniel Bockshecker.

Luc von der Gesamtschule Oberpleis wird diese Nacht wohl nicht so schnell vergessen. Er hatte sich an einem Mars-Projekt seiner Schule beteiligt, wofür es als Preis ein Teleskop vom Verein Sternwarte Siebengebirge und eine Einladung zum Mond-Gucken gab. Die Schul- und Projektleitung bot daraufhin sogar eine Nachtwanderung an. Aber Eltern und Schüler scheuten dann doch die schlaflose Nacht. Nur der 13-jährige Luc fuhr mit seiner Mutter Silke Fielers mit der Drachenfelsbahn auf den Berg. "Das ist spektakulär", sagte die Oberpleiserin. Und Luc meinte: "Es ist toll, dass wir hier durch das Teleskop schauen dürfen."

3.57 Uhr am Montagmorgen. Haas: "Noch 17 Minuten bis zur totalen Finsternis." Genau zwischen 4.11 und 5.24 Uhr befand sich der Mond vollständig im Kernschatten der Erde. Und während dieser Phase führte der Mond ein Spektakel auf - er trug Rost- oder Kupferrot. Preuß erklärte den Beobachtern auch die Ursache: "Langwelligere, rote Lichtanteile der Sonne werden durch die Erdatmosphäre auf den Mond gestreut." Der Effekt war umwerfend. Preuß: "Welches Rot kommt - das ist die Überraschung." Daniel Bockshecker: "Früher glaubten die Menschen an bevorstehendes Unheil." Aber je "dunkler" der Mond wurde, desto kräftiger strahlten die Sterne. So gelang es Christian Preuß, Gasnebel im Orion zu fotografieren. Und auch die Andromeda-Galaxie. "Das ist spektakulär."

Hildegard Hohmann bereute ihre Drachenfels-Exkursion jedenfalls nicht. Auch Annemarie und Friedrich Lohmer (beide 63) aus Bad Godesberg fanden es einfach toll, dass die Zahnradbahn die Mondgucker nach oben brachte. Auch Chauffeur Andreas Brehm konnte seiner Nachtschicht durchaus etwas abgewinnen. Anke Witte (46) sagte: "Ich habe vor 32 Jahren schon mit den Eltern geguckt. Jetzt komme ich extra mit Freunden aus Köln. Fein, dass die Bahn fährt." Etliche Nachtschwärmer waren zu Fuß unterwegs. Rebecca Renwa (24), Dennis Hölter (21) und Georg Ios (20) hatten es sich auf den Sitzstufen bequem gemacht. "Das lassen wir uns nicht entgehen. Bei der letzten Mondfinsternis waren wir noch gar nicht auf der Welt."

Marc Basten (29) und Chuong Dang (31) aus Königswinter hatten ihre Fotoapparate in Positur gebracht. Basten: "Ich habe Nachtschicht. Ich kann morgen schlafen." Chuong Dang musste zwar nach dem Mondspektakel direkt zur Arbeit. "Aber für den Mond mache ich das."