Kritik aus den Sozialen Netzwerken

Kampagne zur neuen Bad Honnefer Dachmarke eckt an

Bad Honnef. "Schön hier, oder?" und "Klasse, oder?" steht auf den Plakaten zu lesen, die seit einigen Tagen in Bad Honnef angebracht wurden. Sie sind Teil der Kampagne, mit der eine neue Dachmarke in der Stadt eingeführt werden soll. Die jedoch stößt im Internet auf heftigen Gegenwind.

Zu übersehen sind sie nicht, die „Wesselmänner“, die seit Montag an markanten Stellen der Stadt stehen. „Schön hier, oder?“ ist etwa auf der Insel Grafenwerth zu lesen – eine Frage, die die Bad Honnefer rundheraus mit Ja beantworten dürften. Die Plakate sind Teil der Kampagne zur neuen Dachmarke der Stadt Bad Honnef, die Ende August mit einem Fest auf der Insel Grafenwerth eingeführt werden soll. Zugleich überschlagen sich in den Sozialen Netzwerken die negativen Kommentare zur Kampagne. Ziel der Dachmarke ist es wie berichtet, Image und Identität zu stärken, das Bild der Stadt positiv zu besetzen und sie zu beleben.

Befragt nach den bisherigen Reaktionen auf die Kampagne, die bis Ende August bewusst einen Spannungsbogen aufbauen soll, warf Bürgermeister Otto Neuhoff gegenüber dem GA am Dienstag analog zu jenen auf den Plakaten folgende Frage auf: „Wie konnte es unter so optimalen Bedingungen wie in Bad Honnef passieren, dass die Stadt so weit herunterkommt?“ Seine zuspitzende Antwort: „Atemberaubende Misswirtschaft über Jahrzehnte. Wie groß der Werteverzehr ist, die Bürger wissen es nicht mal ansatzweise. Und wir müssen endlich aus dem Reparaturmodus heraus.“

Belebung als Instrument? Auch das sei Inhalt der Dachmarke, mit der die Stadt – im Einklang mit projektierten Vorhaben wie am Post-Areal oder der Aufwertung des Saynschen Hofes sowie bereits erfolgten wie dem Bau der Sporthalle in Aegidienberg – den Abwärtstrend stoppen will. Dafür gelte es, für bisherige und neue Einwohner sowie Besucher attraktiv zu sein. Neuhoff: „Dazu braucht es einen emotionalen Hebel, die Dachmarke.“

Teil der Kampagne zu deren Einführung: die großformatigen Plakate und die zeitweise Verhüllung der Marienkapelle. Ferner gehörte auch die Veröffentlichung eines Drei-Minuten-Videos als Teaser eines Märchenfilms dazu, das ebenfalls neugierig machen und Stück für Stück zur Dachmarke führen soll. Nicht zu verwechseln ist der Teaser übrigens mit einem längeren Imagefilm, mit dem die Stadt sich letztlich präsentierten wird.

Kaum hat die Kampagne Fahrt aufgenommen, überbieten sich die User in den Sozialen Netzwerken mit Kommentaren. Von Geldverschwendung ist die Rede oder davon, die Stadt solle das Geld besser nutzen, um Schlaglöcher zu entfernen. Neuhoff hält dagegen: „Und ändert sich etwas zum Besseren, wenn ich für 50.000 Euro Schlaglöcher stopfe? Ich sage Nein!“

Fakt sei: Gerade einmal zwei Prozent des städtischen Haushalts würden in Wirtschaftsförderung investiert – eine überfällige, zugleich aber vergleichsweise geringe Investition, bedenke man alleine den demografischen Wandel. Auch die Kosten der Kampagne sähe er gerne mit mehr Sachverstand kommentiert. So sei es keineswegs selbstverständlich für eine mittelgroße Stadt, auf eine international tätige Agentur, professionelle Filmemacher und weitere Experten zurückgreifen zu können – „allesamt Honnefer, die das mit Herzblut machen“. Zu Bedingungen, die nicht selbstverständlich seien.

Flankiert werde das von einer Rathausmannschaft, die „in den vergangenen drei Jahren schon sehr viel angepackt hat“. Neuhoff verhehlt nicht: Die Angriffe irritierten und verärgerten. Jedoch: Ihnen stünden positive Bewertungen wie durch Kreis-Wirtschaftsförderer Hermann Tengler, Centrums-Chef Georg Zumsande, Hit-Chef Jörg Pütz, den freiberuflichen Fachmann Rüdiger Fuchs und sehr viele Bürger gegenüber. Neuhoff: „Es ist uns gelungen, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.“ Insofern baue er darauf, dass die Notwendigkeit des Umdenkens auch von einer breiten Mehrheit gesehen und mitgetragen werde. „Damit wir gemeinsam Bad Honnef nach vorne bringen.“