Kein Schwimmunterricht mehr

Das Aegidienberger Bad ist nicht zu retten

Aegidienberg. Das aus Sicherheitsgründen gesperrte Lehrschwimmbecken in der Theodor-Weinz-Grundschule ist so marode, dass wohl nur Abriss und Neubau infrage kommen. Kostenpunkt: mindestens drei Millionen Euro.

Rico Stein bringt es auf den Punkt. „Unser Bemühen war es immer, genau das zu verhindern“, sagt der Meister beim Bäderbetrieb der Stadt Bad Honnef. Gemünzt ist die Bemerkung auf das vorläufige Aus für den Schwimmunterricht in Aegidienberg: Das Lehrschwimmbecken ist geschlossen – und alle Ausweichmöglichkeiten in der Region für das Schulschwimmen und die Schwimmkurse der Vereine sind ausgereizt.

Was das kleine Aegidienberger Bad angeht, stehen die Zeichen eher auf Abriss und einen vergleichbaren Neubau an derselben Stelle denn auf Sanierung. Ende Januar berät dazu erstmals die Politik. Eine vorsichtige Prognose lautet schon jetzt: Mindestens eineinhalb Jahre lang wird in Aegidienberg niemand seine Bahnen ziehen.

„Die Becken sind schon leer. Sonst dürften wir uns hier gar nicht mehr aufhalten“, erklärt Hans-Joachim Lampe-Booms beim Rundgang im Technik-Keller des Bades. Lampe-Booms, Leiter des Abwasserwerkes sowie des Bäderbetriebes, hat in den vergangenen Wochen vor allem eines getan: viel telefoniert. „Wir haben alle Nutzer informiert, dass ein Badbetrieb nicht mehr zu verantworten ist. Da herrscht Betroffenheit, aber auch Verständnis für die Situation“, sagt er.

Keine Ausweichmöglichkeiten

Sein Bemühen: Alternativen suchen. Auch ob einiges während der Freibadsaison kompensiert werden könne, sei zu prüfen. Klar sei: „Das Bad hier war ganztägig ausgebucht mit Schulen, privaten Schwimmschulen und natürlich Vereinen.“ Damit steht Aegidienberg nicht allein da, wie Stein weiß: „Die Kapazitäten sind überall ausgereizt.“ Alternativen in anderen Bädern sind nicht in Sicht, zumal auch in Königswinter und Unkel Badschließungen anstehen – zeitgleich (siehe Infokästen).

Immer wieder war am Lehrschwimmbecken repariert worden – bis zuletzt, wie Technik-Fachmann Guido Jüssen ergänzt. So war kurz vor Toresschluss noch an Beleuchtung und Belüftung gearbeitet worden. Mehrfach, zuletzt 2014 und 2016, hatten Gutachten attestiert, dass das 70er-Jahre-Bad in die Jahre gekommen ist.

Vom Dach bis zu den Becken reichten die Mängellisten. 2015 wurde der Hubboden erneuert; 2016 hatte ein Gutachter immerhin bescheinigt, dieser könnte bei Sanierung und Neubau wiederverwendet werden. Jetzt die bittere Erkenntnis: Das Bad ist allen Bemühungen zum Trotz nicht zu retten.

Standsicherheit des Beckens gefährdet

Die Statik ist hin. Das hat ein neuerliches, gezieltes Fachgutachten ergeben. Lampe-Booms: „Der Statiker hat uns bescheinigt, dass der Schwimmbetrieb nicht aufrechterhalten werden kann.“ Jüssen: „Die heftigsten Schäden sind von außen nicht sichtbar.“ Genau da lag gewissermaßen ein Problem: Der Gutachter musste ins Innere der Konstruktion vordringen.

Rund um das Becken wurden Bohrungen vorgenommen. Die Bohrkerne zeigten: „Die Korrosionsschäden sind erheblich“, so Lampe-Booms. Das Chlorwasser habe der Stahlbewehrung so stark zugesetzt, dass die Standsicherheit des Beckens gefährdet sei. Nur stellenweise ist dies auch von außen zu sehen: Wo das Wasser eindrang, platzt Putz ab, hat sich die Mauer verfärbt.

Auch hat sich das Becken gesetzt. Die Empfehlung des Statikers, die Konstruktion zu versteifen, lässt sich laut Lampe-Booms nicht umsetzen: „Das ist auf dem engen Raum nicht möglich. Und allein die nötigen Leitungsverlegungen würden geschätzt 50.000 bis 60.000 Euro kosten, die Versteifungen nicht eingerechnet.“

Wie es weitergeht, ist derzeit offen. Die vorsichtige Einschätzung: Die Kosten für Sanierung und Neubau dürften nicht sehr weit auseinander liegen, wobei ein Neubau bei den Betriebskosten besser abschneidet.

Die Kosten für einen Neubau schätzt Lampe-Booms vorerst auf drei bis 3,4 Millionen Euro, eine Herausforderung für den städtischen Haushalt, in dem die Mittel noch nicht vorgesehen seien. Einzig gute Nachricht in dem Zusammenhang, so Bürgermeister Otto Neuhoff zum GA: Erneut zeige sich, wie wichtig die Haushaltskonsolidierung und das Ende der Haushaltssicherung sei. Andernfalls wäre jede Investition ausgeschlossen. „Der Finanzbedarf in Bad Honnef ist überall riesig“, so Neuhoff.

„Was wir brauchen, ist eine vernünftige Entwurfsplanung“, so Lampe-Booms; gedacht sei erneut an ein Zweckbad, eventuell mit einer wettkampftauglichen 25-Meter-Bahn entgegen der heutigen kürzeren Bahn. Ende 2019, hofft Lampe-Booms, könne ausgeschrieben, 2020 gebaut werden. Kein Bad sei keine Option. Lampe-Booms: „Es ist soziale Verpflichtung, den Kindern das Schwimmen beizubringen.“