Stippvisite in Rhöndorf

Chinesischer Botschafter besucht Adenauerhaus

Der chinesische Botschafter in Deutschland, Shi Mingde (vorne Mitte), fühlt sich wohl bei seinem Besuch in Rhöndorf.

Der chinesische Botschafter in Deutschland, Shi Mingde (vorne Mitte), fühlt sich wohl bei seinem Besuch in Rhöndorf.

27.01.2016 Rhöndorf. Seine Exzellenz Shi Mingde erinnert sich in Rhöndorf an alte Bonner Zeiten. Der Diplomat betont die Bedeutung der deutsch-chinesischen Beziehungen.

Im Adenauerhaus öffneten sich gestern Nachmittag Türen, die bei handelsüblichen Führungen geschlossen bleiben. Der Grund: Der Botschafter der Volksrepublik China in Deutschland, Seine Exzellenz Shi Mingde, und seine Gattin, Frau Xu, waren zu Besuch. Die beiden durften, unter anderem in Begleitung der beiden Adenauer-Enkel, Konrad Adenauer und Irene Dieckmann-Adenauer, in die ansonsten verschlossenen Schlaf- und Arbeitszimmer des früheren Bundeskanzlers schauen. Für die Berichterstatter hingegen begann der Pressetermin streng nach Protokoll erst nach dem Rundgang der Delegation durch das ehemalige Wohnhaus Konrad Adenauers.

Der Botschafter und seine Gattin waren auf Einladung des Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Jürgen Rüttgers, nach Bad Honnef gekommen. Und so war es an dem Ministerpräsidenten a.D., den Diplomaten und „Kenner der deutschen Geschichte“ in Rhöndorf zu begrüßen und dessen Eintrag ins Goldene Buch der Stiftung zu zelebrieren. Shi Mingde ist nicht nur mit der deutschen Historie vertraut, sondern auch bestens mit der Sprache. 1954 in Shanghai geboren, lernte er schon in seiner Kindheit Deutsch. Nach der Umsiedelung der Familie nach Peking 1964 nahm der damals Neunjährige bis zum Beginn der Kulturrevolution 1966 an einem Sonderprogramm einer chinesischen Fremdsprachenschule teil. Damit war der Grundstein gelegt.

Von 1972 bis 1975 studierte Shi Mingde Germanistik in der damaligen DDR. Später war er von 1976 bis 1981 als Mitarbeiter der chinesischen Botschaft in der DDR und dort von 1986 bis 1990 als zweiter Sekretär tätig. Auch nach dem Mauerfall zog es den Vater eines Kindes zurück nach Deutschland. Und zwar als Botschaftsrat der chinesischen Botschaft in Bonn (1993 bis 1997). Von 2010 bis 2012 war er chinesischer Botschafter in Wien, und seit August 2012 ist er schließlich in Berlin.

„Im Adenauerhaus kamen viele Erinnerungen an meine Bonner Zeit zurück“, sagte der Botschafter. Seine Visite in Rhöndorf gehörte zu einer ganzen Besuchsreihe im Rheinland. Noch am Morgen hatte er die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker gesehen. Anschließend stand ein gemeinsames Mittagessen mit drei ehemaligen deutschen Botschaftern in China an.

Nach dem Besuch in Rhöndorf ging es für Shi Mingde und seine Frau, die während der „Bonner Zeit“ an der Kölner Uni Chinesisch unterrichtet hatte und als Professorin für Germanistik ebenfalls perfekt deutsch spricht, weiter nach Bonn. Dort sollte der Diplomat am Abend an der Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik einen Vortrag über die deutsch-chinesischen Beziehungen halten. Diese gehen laut Shi Mingde „mit gutem Beispiel voran für die europäischen Beziehungen“. So sei der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl genauso wie Gerhard Schröder fünf Mal in China gewesen – Angela Merkel bisher bereits acht Mal. Zudem mache Chinas Handelsumsatz mit Deutschland etwa 30 Prozent seines gesamten Europahandels aus.

Seinen Aufenthalt in Rhöndorf genoss der Botschafter nach eigener Aussage sehr. „Ich mag die ruhige Gegend hier. In Berlin geht es eher hektisch zu, da bleibt wenig Zeit, um mal in Ruhe über etwas nachzudenken“, meinte er und erinnerte sich an alte Bonner Zeiten. „Als wir noch dort gewohnt haben, bin ich jeden Tag am Rheinufer spazieren gegangen.“ (Von Margit Warken-Dieke)