Ausflugsziel in Ittenbach

175 Jahre Gaststätte Margarethenkreuz

Siebengebirge. Paul Herbert Bachem führt die Traditionsgaststätte Margarethenkreuz in sechster Generation. Zum 175-jährigen Bestehen gibt es im Sommer ein großes Fest.

Dienstags war immer Ruhetag. Doch im 175. Jahr seines Bestehens werden im traditionsreichen Restaurant Margarethenkreuz die Uhren noch einmal neu gestellt. Da Wanderer im Siebengebirge dienstags mittlerweile kaum noch Möglichkeiten zur Einkehr haben, hat sich Chef Paul Herbert Bachem entschlossen, ab April sein Haus zusätzlich an diesem Tag zu öffnen. Doch auch an anderer Stelle hat Bachem, der in nunmehr sechster Generation das Gasthaus auf der Margarethenhöhe mitten im Siebengebirge führt, eine Menge verändert in den vergangenen Jahren.

Am 10. August wird es ein großes Sommerfest geben – dabei sind alle Getränke zu 175 Cent zu haben. Ein Jubiläumspreis. Denn: Vor genau 175 Jahren erwarb Ururgroßvater Carl Joseph Bachem (1816-1896) das Anwesen, eine Meierei namens Margarethenkreuz-Hof mit Stallungen, Ackerland und Wald, für 598 Taler von den Eheleuten Johann Matthias Schmitz aus Ittenbach.

An jenem Februartag des Jahres 1844 beginnt mit dem handschriftlichen Eintrag über diesen Akt das „Ausgabe-Buch für sämtliche angekauften Güter und sonstige Gegenstände“. In feinster Schrift hatten Paul Herbert Bachems Vorfahren eingetragen, was wann gekauft wurde. Auch Einträge, die sich auf Schreiner-, Maurer- oder Schlosserarbeiten beziehen, sind nachzuvollziehen. Eine spannende Lektüre, die etwa auch Auskunft über einen Tauschvertrag über eine Parzelle gibt, den 1883 Familie Bachem mit Baron Stephan Sarter schloss, dem Erbauer von Schloss Drachenburg.

Kutscher wechselten hier früher die Pferde

Heute könnte Paul Herbert Bachem niederschreiben, dass die Gebäudefront von der Unteren Denkmalschutzbehörde als denkmalwürdig eingestuft wurde. Sein Onkel, der Maler Paul Bachem (1914-2007), hielt einst auch die Ansicht des Hofes fest, dessen umgebaute Wirtschaftsgebäude der Künstler lange Zeit als Wohnung und Atelier dienten. Die Bilder schmücken die Wände des Gasthauses, das 1903 seinen heutigen Namen erhielt.

Hier, auf dem Scheitelpunkt der Margarethenhöhe, an dem auch das alte, namengebende Margarethenkreuz steht, wechselten früher Kutscher ihre Pferde, immer mehr Sommerfrischler genossen Speisen und Getränke. Im Erdgeschoss des Wohnhauses befand sich bereits eine Gaststube, als Carl Joseph Bachem Eigentümer wurde. Sohn Franz errichtete 1889 gegenüber den Gutsgebäuden eine 18 Meter lange Restaurationshalle im Fachwerkstil, dazu die Terrasse und den parkähnlichen Garten mit Weiher.

1909 erweiterte Sohn Paul Hubert das Wohnhaus und richtete auch im Gutshaus Fremdenzimmer ein. Die Landwirtschaft spielte immer weniger eine Rolle. Ein großer Parkplatz musste her, als mit dem Bau der Autobahn Köln-Frankfurt der Touristenverkehr stark zunahm. Nach Paul Huberts Tod übernahmen Tochter Lilly und Sohn Paul bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Regie. Lillys Sohn Herbert und seine Frau Charlotte ergriffen 1946 den Staffelstab. Schon bald mussten die Gasträume vergrößert werden – der Tourismus brummte. Charlotte, die Mutter des heutigen Hausherrn, führte nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1992 den Betrieb alleine weiter.

Nach der Kochlehre Medizin studiert

Sohn Paul Herbert beherrschte das Handwerk, hatte die Hotelfachschule in Bad Reichenhall und im Bonner Königshof eine Kochlehre absolviert, dann jedoch nach dem Abitur mit 30 Jahren auf der Abendschule noch Medizin studiert und in der Orthopädie eines Bonner Krankenhauses gearbeitet. Nach dem Tod seiner Mutter 1998 beschloss er, die Familientradition aufrecht zu erhalten und das Margarethenkreuz fortzuführen.

Waffeln, Kuchen aus dem eigenen Backofen, Spargel und Gänsebraten sind bei Bachem zu haben, seine Domäne jedoch sind Schnitzel – etwa die nach Mama Charlotte und Papa Herbert benannten Schweinerückenschnitzel. Auf sein Konto und das seiner Lebensgefährtin Beate Wesing gehen zudem umfassende Renovierungsarbeiten. So hat jede Generation ihren Beitrag geleistet. Mit Paul Herbert wird allerdings irgendwann die Ära der Familie Bachem auf der Margarethenhöhe zu Ende gehen.

Die Söhne zeigen nicht das Interesse am Fach. Der mittlerweile 64-Jährige wird sich irgendwann zurückziehen. Vielleicht findet er bis dahin allerdings noch die Antwort darauf, welche Funktion der dreigeschossige Turm mit den Zinnen hatte. Auch über die Ära Bachem hinaus jedoch soll das Anwesen gastliche Stätte bleiben.