Annington verkauft Wohnblocks: Israelische Investoren stecken wohl hinter neuem Eigentümer | GA-Bonn

Annington verkauft Wohnblocks

Israelische Investoren stecken wohl hinter neuem Eigentümer

MECKENHEIM.  Eine der größten vermieteten Wohnimmobilien Meckenheims bekommt einen neuen Besitzer. Die Deutsche Annington hat die Häuserblocks an der Adendorfer Straße/Im Ruhrfeld mit ihren insgesamt 95 Wohnungen verkauft. Hinter dem neuen Eigentümer stehen offenbar israelische Investoren.
Kein schöner Anblick: Die Hochhäuser an der Adendorfer Straße, an deren Fassaden sich Algen gebildet haben.
							Foto: Dominik Pieper
Kein schöner Anblick: Die Hochhäuser an der Adendorfer Straße, an deren Fassaden sich Algen gebildet haben. Foto: Dominik Pieper

Für viele Meckenheimer sind die vernachlässigten Hochhäuser seit Jahren ein trauriger Anblick mit ihren zur Straßenseite mit Algenflecken übersäten und stellenweise geflickten Fassaden. Immer wieder beschwerten sich Bewohner über Schimmel in den Wohnungen. Die Fluktuation unter den Mietern, von denen viele Sozialhilfe beziehen, ist hoch, zeitweise stand der halbe Block leer.

Sanierungsvorhaben der Deutschen Annington, der die Blocks seit 2003 gehören, scheiterten nach Angaben des Bochumer Konzerns auch an teuren Auflagen. Die Deutsche Annington bestätigte am Mittwoch den geplanten Verkauf. Nach Informationen des General-Anzeigers ist der Kaufvertrag bereits notariell beurkundet.

Die neuen Besitzer verbergen sich hinter einem Geflecht von Firmen. Offizieller Eigentümer der Wohnblocks wird nach GA-Recherchen jetzt eine "Adendorfer Straße 6 Grundstücks GmbH", eingetragen beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg. Als Geschäftsführerin dieses Unternehmens firmiert Efrat Abuav. Sie ist auch Geschäftsführerin einer unter gleicher Adresse ansässigen "Lütticher 49 Properties GmbH".

Diese Gesellschaft wiederum befindet sich im Besitz einer "Fanrouge Ltd" auf Zypern. "Lütticher 49 Properties" hatte im Dezember den Dortmunder Wohnkoloss Hannibal mit 412 Wohnungen für sieben Millionen Euro ersteigert. Erste Erfahrungen mit dem neuen Eigentümer seien positiv, sagte Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund: "Es ist zwar alles sehr intransparent, aber es tut sich etwas." Leerstehende Wohnungen seien saniert worden.

Über die Pläne in Meckenheim war von Efrat Abuav bis gestern nichts zu erfahren. Israelisch geführte Immobilien-, Bau- und Hotelgesellschaften unterhalten in Deutschland aber enge Beziehungen untereinander. So arbeitet Abuav dem Vernehmen nach als Architektin beim Immobilien-Entwickler PBMGermany mit Sitz in Berlin. Eine PBM-Sprecherin sagte auf Anfrage, dass in Meckenheim Sanierungsarbeiten geplant seien, das Vorgehen aber noch erarbeitet werde.

PBMGermany-Chef Amir Dayan ist zugleich Geschäftsführer der Hotelbetriebsgesellschaft, die das Crowne Plaza Hotel am Potsdamer Platz in Berlin führt - die Firma residiert an der gleichen Adresse, unter der die "Lütticher 49 Properties" und jetzt auch die "Adendorfer Straße 6 Grundstücks GmbH" eingetragen sind.

Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles sagte, dass die Stadt über den Verkauf informiert worden sei. "Von der neuen Eigentümergesellschaft erwarten wir, dass die bestehenden baulichen Mängel behoben werden und das äußere Erscheinungsbild verbessert wird." An den Mietverträgen ändert sich durch den Eigentümerwechsel nichts. Nach deutschem Recht gilt: Kauf bricht nicht Miete.

Der Hochhausblock:

Der Hochhausblock Adendorfer Straße/Im Ruhrfeld steht auf 7540 Quadratmetern Grundstück. Er wurde 1975 von der bundeseigenen Frankfurter Siedlungsgesellschaft errichtet, die 2003 von der Deutschen Annington übernommen wurde. 8339 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich auf 95 Wohnungen, davon 45 mit vier Zimmern, 41 mit drei Zimmern, drei mit fünf Zimmern und sechs Einzimmerwohnungen. Die durchschnittliche Kaltmiete beträgt nach früheren Angaben der Deutschen Annington 4,08 Euro pro Quadratmeter. Schlechte soziale Mischung, hohe Fluktuation und Renovierungsstau sind die Hauptprobleme der Häuser. Dabei ist die Lage gut: In wenigen Minuten sind Altstadt und Neuer Markt zu Fuß erreicht, eine Bushaltestelle liegt vor der Tür, die Swist fließt am Haus vorbei, in die Felder sind es nur ein paar Schritte. Die hellen, großen und gut geschnittenen Wohnungen waren einst vor allem bei Bundesbediensteten begehrt.

Abo-Bestellung

Leserfavoriten

Anzeige

Meistgelesen