Spende für Familie aus Buchholz

Reittherapie für autistischen Jungen gesichert

Wichtiger Baustein für Yannis' Zukunft (v.l.): Helmut Rings, Susann, Yannis und Udo Krauthausen sowie Jochen Zien
bei der Spendenübergabe.

Wichtiger Baustein für Yannis' Zukunft (v.l.): Helmut Rings, Susann, Yannis und Udo Krauthausen sowie Jochen Zien bei der Spendenübergabe.

AEGIDIENBERG/BUCHHOLZ. Beim 15-jährigen Yannis wurde 2012 atypischer Autismus diagnostiziert. Immer wieder begegnen ihm und seinen Eltern im Alltag Unverständnis und Ablehnung, nun kann sich die Familie aus Buchholz über eine Spende freuen.

„Man muss um jede Therapie kämpfen.“ Und genau das tun Susann und Udo Krauthausen aus Buchholz seit vielen Jahren. 2012 wurde bei ihrem damals neunjährigen Sohn die Diagnose „Atypischer Autismus“ gestellt. Dass Yannis „anders“ ist, war allerdings schon viel früher aufgefallen. Seitdem setzen die Eltern alle Hebel in Bewegung, um ihrem Kind die bestmögliche Unterstützung für eine gute Lebensqualität zukommen zu lassen: „Uns ist es wichtig, dass Yannis trotz seines Handicaps seinen Platz in der Gesellschaft findet und seinen eigenen Weg gehen kann.“

Doch Fördermaßnahmen und Therapien sind teuer und Zuschüsse längst nicht selbstverständlich. Um so mehr freut sich die Familie über eine Spende von 2000 Euro aus dem Solidaritätsfonds der Volksbank Köln Bonn, die Regionaldirektor Helmut Rings und Filialleiter Jochen Zien in der Bankfiliale Aegidienberg überreichten. Dadurch kann Yannis unter anderem die Reittherapie fortsetzen, durch die sich seine Entwicklung stark verbessert hat.

Viele Verdachtsdiagnosen

Der heute 15-Jährige besucht die Realschule plus in Asbach. Später möchte er gerne bei der Bahn arbeiten, „am liebsten bei der Straßenbahn“. Yannis ist ein großer Straßenbahnfan, kennt zum Beispiel das gesamte Straßenbahnnetz der Stadt Leipzig in und auswendig. Mit Begeisterung hat er im Frühjahr ein zweiwöchiges Praktikum bei der Deutschen Bahn absolviert – dort war man so angetan von dem Schüler, dass er im Herbst für ein weiteres Praktikum wiederkommen darf.

Dass Yannis diese gute Entwicklung genommen hat, ist nicht selbstverständlich. Lange Jahre hatte man zwar gemerkt, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt, wusste aber nicht genau, ob und welche Erkrankung dahinter steckt. Viele Verdachtsdiagnosen wurden geäußert, aber bis 2012 keine gesicherte. Schreiben zum Beispiel konnte Yannis erst in der fünften Klasse, komplizierte Powerpoint-Präsentationen wiederum hat er bereits im ersten Schuljahr erarbeitet. Wie bei anderen Autismusformen hat Yannis auch Schwierigkeiten, Beziehungen zu seinen Mitmenschen einzugehen, sich in sie hineinzuversetzen und mit ihnen zu kommunizieren. „Schon die Tagesmutter meinte, dass Yannis anders spielt als andere Kinder – meist hat er sich mit sich allein beschäftigt“, erzählt Susann Krauthausen.

"Fühlten uns im Stich gelassen"

Zu der Zeit lebte die Familie noch im Kreis Düren. Als Yannis dann – damals noch ohne Diagnose und gegen den Willen der Eltern – in einer Förderschule eingeschult werden sollte, brachen die Krauthausens die Zelte in ihrer damaligen Heimatstadt ab. „Wir fühlten uns im Stich gelassen und haben dort von Schulamtsseite auch keinerlei Unterstützung erhalten.“ In Buchholz wagte die Familie einen Neuanfang. „Wir konnten hier endlich zur Ruhe kommen.“

Fortan besuchte Yannis die Grundschule Harmonie in Eitorf, die Kindern einen besonderen Rahmen des Lernens in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen mit einer Vielfalt von Methoden und Plänen anbietet. 2012 wurde dann in der Kinderklinik Sankt Augustin die Diagnose „Atypischer Autismus“ gestellt – für die Eltern eine gewisse Erleichterung: „Man hatte endlich etwas, womit man arbeiten konnte.“

Unverständnis und Ablehnung von anderen

Der Übergang zur weiterführenden Schule gestaltete sich auch nicht einfach: Zwar ist die Asbacher Realschule eine integrative Schule, mit Yannis' Krankheitsbild hatte man dort zunächst aber keine Erfahrung. Umso bemerkenswerter, dass er mittlerweile ein sehr guter Schüler ist.

Immer wieder begegnen Yannis und seinen Eltern im Alltag Unverständnis und Ablehnung, manchmal werden sie sogar beschimpft – zumeist aus Unwissenheit. „Man muss immer wieder erklären, dass Yannis anders ist“, sagt der Vater. „Und es gibt immer wieder Leute, die mit dieser Situation nicht klarkommen.“ Zumeist ist Yannis dann der Klügere – gibt es zum Beispiel Ärger am Bus, nimmt er lieber den nächsten.