Unkeler Willy-Brandt-Forum

Neuer Blick auf bekannte Details

Betrachtungen zu Willy Brandt: (hinten, v. links) Sonja Salehi, Trudi Schröder und Barbara Schwinges sowie (vorne, v. links) Gabriela Mrozik, Ute Giesen und Britta Bellin-Schewe stellen in Unkel eine Auswahl ihrer Werke vor.

UNKEL . Werke der Künstlergruppe "panta rheiN 637" sind gegenwärtig im Willy-Brandt-Forum zu sehen. Der Vorsitzende der Stiftung, Christoph Charlier, begrüßte am Wochenende zur Vernissage.

"Das Forum ist zwar als Gedenkstätte konzipiert, will aber kein rein musealer Ort sein, sondern als Denk-Ort auch Anstöße geben. Eben so, wie uns Willy Brandt immer wieder zum Denken veranlasst hat und es heute noch tut, etwa, wenn er zitiert wird", erläuterte Charlier.

Jener Brandt-Zitate bediente sich auch Barbara Schwinges im Ausstellungssektor, der "Willy Brandt: Aussagen - Betrachtungen" überschrieben ist. In Tusche geschriebene Aussprüche des Friedensnobelpreisträgers erinnern etwa an den legendären Kniefall von Warschau oder Brandts Rolle beim Berlin-Besuch von John F. Kennedy. "Eine sehr eigene Sicht auf Willy Brandt bietet Britta Bellin-Schewe mit ihrer Büste aus dunkelgrauem Ton", erläuterte sodann die Kunsthistorikerin Dorothée Gelderblom, die in die Arbeiten einführte.

Neben einem gestickten Brandt-Porträt zeigt zudem Ute Giesen ein besticktes Hemd, auf dem eine knochige menschliche Figur mit Hungerbauch zu sehen ist. Mit gestickten Begriffen wie Wohlstand, Ignoranz, Brot und Spiele oder Luxus und Korruption spricht sie Probleme der Zeit an. Gabriela Mrozik zeigt im Seminarraum "Die graue Rose des politischen Kompromisses". Das Glasobjekt, das sie 2013 anlässlich des 100. Geburtstages von Willy Brandt geschaffen hat, orientiert sich an seiner Aussage, dass Politik nicht darin bestehe, zwischen Schwarz und Weiß zu wählen, sondern in der Wahl zwischen den Grau-Schattierungen.

Den zweiten Teil der Ausstellung im Erdgeschoss haben Schwinges, Trudi Schröder und ihre Tochter Sonja Salehi "Von Sinnen" überschrieben. Auf der Stirnseite präsentiert Schröder die fünf Sinne in fünf quadratischen Bildern. Den minimalistischen Männergestalten von Schröder hat Salehi in einer gemeinsamen Installation für den jeweiligen Sinn Schmuckobjekte vorangestellt. In einem großen Ölbild zeigt Schwinges eng aneinandergedrängt und sich überschneidend Motive des quirligen "Barcelona". In den Federzeichnungen, die auf den ersten Blick wie Architekturstudien wirken, hat der Betrachter die Wahl des Standortes innen oder außen.

Die Arbeiten im Willy-Brandt-Forum, Willy Brandt-Platz, sind bis Sonntag, 7. September, dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.