"Kunst in Unkeler Höfen"

Kulturtage sind Publikumsmagnet

Kunst in Unkeler Höfen: Hier ein Werk von Wolfgang Herterich.

Kunst in Unkeler Höfen: Hier ein Werk von Wolfgang Herterich.

Unkel. Unterschiedlichste Arbeiten von extrem hoher Qualität konnten die Besucher bei "Kunst in Unkeler Höfen“ sehen: Skulpturen, Bilder, Plastiken und Objektkunst zogen die Blicke der Kunstinteressierten auf sich.

Nichts ging mehr am Sonntagvormittag in Unkel – zumindest für Parkplätze suchende Autofahrer. Dabei hatte nicht etwa das Wein- und Heimatfest Tausende Besucher angelockt, wie das menschenleere Weindorf zu früher Stunde belegte. Vielmehr erwiesen sich die weit über die Region bekannten Kulturtage „Kunst in Unkeler Höfen“ (KiH) wieder einmal als Publikumsmagnet. Auch als mittags Regen einsetzte und ein Gewitter drohte, erwiesen sich die kunstinteressierten Besucher als extrem unwetterresistent.

Solche Wetterkapriolen hatte der Schirmherr der Veranstaltung, Landrat Rainer Kaul, auf seinem Rundgang am Samstagvormittag nicht zu befürchten. Wegen seiner Goldkonfirmation am Sonntag hatte er sich mit dem KiH-Organisator Jochen Seidel einen Tag früher als in den Vorjahren auf den Kulturerlebnispfad begeben.

Nach den „Wortklötzen“ von Friedemann Sott und den Plastiken der Bonnerin Birgit Brandt-Tiefart im Alten Postamt sowie den Diven, Grazien und Herzjongleuren von Martina Hesse im Mecke-Haus sah er sich im Vorhof des Kutscherhauses im Henkelpark etwa einem „Buschmann“ gegenüber. Den hatte Hans Bull aus indischem Stein gemeißelt, während sein großer „Jüngling mit Himmelsscheibe“ aus unzähligen schwarz-lackierten Muttern zusammengefügt ist. Alles andere als derart filigran traten den Besuchern die farbenfrohen Vollweiber von Mecky Mattern gegenüber, die im Garten hinter dem Haus ihre gymnastischen Übungen machten.

„Ellen und Jochen Seidel haben zwar die Zahl der ausstellenden Künstler reduziert, es sind aber immer noch so viele, dass man einen ganzen Tag benötigen würde, um die unterschiedlichen Arbeiten von extrem hoher Qualität hinreichend zu betrachten“, so Kaul. Auf seinem Weg zu dem großen Steinkreuz, das Ruth Schwenker auf dem Kirchhof in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Beinhauses errichtet hatte, passierte er den „Schlossherrn“ von Odo Rumpf, der in den Garten des Alten Herresdorfer Hofes einlud. Dort zu sehen Werke des Kölners Wolfgang Herterich: Etwa eine zusammengenietete „Nova“, ein „Velociraptor“ und Kettensäge-Schnitzarbeiten: Einkerbungen in spindelartig gewachsenen Robinienstämmen.

Dazu kommen die zahlreichen mit der Kettensäge aus Platanen-, Zedern- oder Eichenstämmen herausgearbeiteten Ringe, die für den Künstler ein Symbol des Lebens sind. Die Besucher streiften quer durch den Kunstmarkt-Park des Christinenstifts, in dem Künstlerschmied Wolfgang Ax eine kleine Leseratte auf zwei mächtigen Büchern platziert hatte, die auf einer hohen Stele lagen, während Steinbildhauer Martin Thiebes einen Frosch aus seinen Basaltsäulenkopf entspringen ließ.

Vorbei an dem „Pechvogel“ aus Fahrradschläuchen von Johanna Siegburg-Kinast führte Jochen Seidel den Schirmherrn in den Ratssaal der Stadt, wo Ingrid und Knut Reinhardt ausstellten. „Der Fokus unserer Arbeiten liegt auf Raumdarstellungen und -illusionen. Punkt und Pixel, mit denen sich die Welt als Bild neu ordnen und darstellen lässt“, erklärte das Paar.