Neue Ausstellung

Altes Rheinbreitbach wird im Heimatmuseum lebendig

Früher und heute: Dankwart Heinrich (links) und Thomas Napp mit einem Modell des Margarethenhofes, der an der Stelle der Sparkasse stand.

Früher und heute: Dankwart Heinrich (links) und Thomas Napp mit einem Modell des Margarethenhofes, der an der Stelle der Sparkasse stand.

RHEINBREITBACH. Im Heimatmuseum von Rheinbreitbach ist eine Ausstellung über die historischen Bauten des Ortes eröffnet worden, die Vergangenheit und Gegenwart eindrucksvoll gegenüberstellt. Bei Führungen wird das "alte" Rheinbreitbach zusätzlich lebendig.

Der Margarethenhof war ein Prachtstück mitten im Ort. Das 1734 errichtete Fachwerkgebäude wurde 1974 abgerissen. Heute befindet sich an dieser Stelle die Sparkasse. Das Modell des Gebäudes aus Holz zeigt der Heimatverein in seiner Ausstellung „Moderne oder verbaute Geschichte? Über die verborgene Welt des historischen Rheinbreitbachs“. Die Schau unter dem Motto „Moderne Umbrüche in Kunst und Architektur“ wurde vom Vorsitzenden Dankward Heinrich und von Kurator Thomas Napp eröffnet.

Die Besucher konnten nicht nur die Schau im Heimatmuseum betrachten, sondern außerdem auch bei Führungen durch das Dorf in Augenschein nehmen, wie sich die Bebauung entwickelt hat. Das maßstabgetreue Modell des Margarethenhofes demonstriert die Veränderung besonders anschaulich. Aber auch die Gegenüberstellung von Fotos ist eindrucksvoll. Thomas Napp hat für die Dokumentation den historischen Fotos aktuelle Ansichten zugeordnet.

Modelle und Fotografien

Gerade ältere Besucher, die sich noch an die früheren Bauwerke erinnern konnten, waren berührt. Vor dem Hotel zur Post etwa spielte ein Kind Fußball auf der Straße und bewunderte dabei das einzige Auto, das vorüberfuhr. Auf der aktuellen Fotografie indes parkt ein Auto hinter dem anderen, und das Gasthaus besteht auch nicht mehr. Ebenso wenig wie zum Beispiel die Fleischerei Faust auf einem Foto von 1930 oder der Rheinbreitbacher Hof, der auf einer Aufnahme von 1918 gezeigt wird. Oder idyllisch: der Schweizerhof um 1900 am nördlichen Ortsausgang.

„Nach dem Krieg hat es in Rheinbreitbach massive Veränderungen gegeben“, sagte Heinrich. Er erinnerte an die Worte Karl Simrocks, der im Honnefer Menzenberg sein Weingut hatte und der Märchen-Familie Grimm riet, besser in Rheinbreitbach Ferien zu machen, weil da alles beschaulicher sei.

Gebaute Geschichte verschwindet

Jedes gebaute Objekt sei immer Ausdruck des vorherrschenden Zeitgeistes und der technischen Möglichkeiten der herrschenden Handwerkskunst, so Thomas Napp in seiner Einführung. „Sie sind unersetzliche materielle Zeitzeugen, die es heutigen und zukünftigen Generationen ermöglicht, zumindest teilweise in die Vergangenheit reisen zu können.“ Der Wert dieser „gebauten Geschichte“ sei den meisten jedoch kaum bewusst. So lasse sich erklären, dass in jedem Jahr zahlreiche historische Bauten durch Neubauten ersetzt oder so modernisiert werden, dass das eigentliche Haus nicht mehr darunter erkennbar sei.

Die Aussicht, mit einem größeren und zierlosen Wohn- oder Mietshaus feste Einnahmen zu erzielen, wäre letztendlich lukrativer, als sein Geld in Instandsetzung eines alten Gebäudes zu stecken. „Vermögen statt gebauter Geschichte.“ Diese Einstellung habe Rheinbreitbach viele seiner Identitätsbauten im Innerort wie etwa das Haus Hubertus, den Margarethenhof, das alte Pfarrhaus und kleine Fachwerkbauten gekostet.

Nicht alle Umbauten sind negativ

Es gebe aber auch eine Reihe positiver Entwicklungen. So seien einige in den 1970er Jahren mit Eternitplatten verkleidete Fachwerk- oder Bruchsteinhäuser an der Westerwaldstraße wieder freigelegt worden, Fensterstrukturen in alten Backsteinhäusern wurden wiederhergestellt wie aktuell bei einem Haus „Im Grendel“, das wieder Sprossenfenster hat. Thomas Napp: „An- und Umbauten an alten Häusern passen sich in Form und Größe dem Ursprungshaus wieder an.

Die Eigentümer vereinen modernes Bauen und gebaute Geschichte miteinander und machen somit die verborgene Welt des historischen Rheinbreitbachs sichtbar. Denn Modernität muss nicht immer gegensätzlich und zerstörerisch gegenüber dem Alten sein. Diese Hausbesitzer verdienen unser aller Anerkennung.“ „Ziel der Ausstellung ist es, das Bewusstsein für unseren Ort und deren bauliche Entwicklung zu wecken “, sagte Napp.

Die Ausstellung im Heimatmuseum, Hauptstraße 29, ist bis November zu den Öffnungszeiten an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat von 14.30 bis 17.30 Uhr zu sehen.