De Luxe-Urteil für Modezar

4500 Euro Geldstrafe für Alfredo Pauly

AHRWEILER.  Modezar Alfredo Pauly wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht Ahrweiler zu 75 Tagessätzen à 60 Euro verurteilt. Seine Château-Pläne bleiben aber - trotz angespannter finanzieller Lage.
Alfredo Pauly (r.): Meist steht er im Rampenlicht, am Donnerstag allerdings vor Gericht. Foto: Martin Gausmann

Amtsgericht Ahrweiler, Donnerstag 9 Uhr: Alfredo Pauly, gelernter Sattler und ob seiner schrillen Pelzkreationen bekannt kapriziöser Modezar aus Bad Neuenahr, betritt an der Seite seines Rechtsanwaltes Saal 4 des Strafgerichts. Er ist einem unangenehmen Vorwurf ausgesetzt. Es geht um Unterschlagung, um Schmuck und um eine bei ihm als Kommissionsware abgegebene Pelzdecke, die plötzlich weg ist.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt: "Dem Angeschuldigten ging es von Anfang an darum, die Gegenstände zu erhalten, ohne den versprochenen Gegenwert der Zahlung zu erbringen." Zumindest im nebulösen Pelzdecken-Fall sah das auch das Gericht so und verurteilte den Modedesigner und Schmuckhändler zu 75 Tagessätzen à 60 Euro.

Die anderen Umstände, die zu Paulys Gerichtsgang geführt hatten, sollten keine Rolle mehr spielen. "Er hat den damaligen Schaden wiedergutgemacht. Aus ökonomischen Gründen wollen wir wegen der schwierigen Beweislage die Vorgänge nicht weiter verfolgen", so Staatsanwalt Martin Dröll.

Alfredo Pauly wirkt unter dick aufgetragenem Make-up leicht angespannt, als Richterin Alexandra Gödecke seinen Fall aufruft. Es geht schließlich um den Ruf des langmähnigen gebürtigen Moselaners, der bekanntlich Großes an der Ahr vorhat: nahe dem idyllischen Walporzheim will der 57-Jährige ein Schloss für die High Society, The Finest Luxury Resort, das "Château de Luxe", errichten.

Ja, es habe eine finanzielle Schieflage gegeben, räumen er und sein Anwalt Björn Gercke ein. Ein Geschäftspartner sei in Sachen Château abgesprungen, Pauly müsse die Zwischenfinanzierungen für das geplante pompöse Mini-Versailles plötzlich alleine stemmen. 7500 Euro koste das im Monat. Und das bei schlecht gehenden Geschäften. Die Wirtschaftskrise.

Folge: Pauly habe einen Herzinfarkt erlitten. Nun sei aber wieder "Land in Sicht". Bei einem Verkaufssender verdiene er jetzt im Quartal zwischen 30.000 und 40.000 Euro netto. Das Ende der schlimmen Durststrecke zeichne sich also ab.

Etwaige Schäden im Zusammenhang mit kleineren und größeren Irritationen um Schmuckware, die er im Kundenauftrag verkaufen sollte, seien ausgeräumt, da Pauly sie längst reguliert habe. Auch gab es ja den Überfall auf sein Geschäft im Juli 2011, bei dem so manches abhanden gekommen sei.

Bleibt die Pelzdecke. Pauly gesteht, dass er dem Eigentümer nach langem Hin und Her nicht dieselbe Decke zurückgab, die er einst von ihm bekommen hatte, sondern ein aneinandergenähtes pelzernes Etwas. Das brachte ihm nun die Geldstrafe von 4500 Euro ein. "Von den Vorwürfen ist insgesamt wenig übriggeblieben", so Anwalt Gercke zufrieden. "Herr Pauly kann sich nun wieder seinen großen Projekten widmen."

Dazu gehört natürlich das glamouröse Château de Luxe. "Vor zwei Tagen habe ich die Bauanträge eingereicht", berichtet Pauly dem GA. Der stets mit Glitzerschmuck und um den Hals baumelndem Brillantkreuz ausstaffierte Hobby-Autor ("Catwalk") will in einem der drei aus der Gründerzeit stammenden Häuser großzügige Ladenflächen für seine Kreationen sowie für seine Fashion-Galas namens "Champuss" oder "James Bond" vorhalten.

Es sollen zudem Chalets entstehen, ein Luxushotel oder auch Praxen für Schönheitschirurgie. Gesamtinvestition: 13 Millionen Euro. Angeblicher Baubeginn: im Frühjahr. Schon 14 Monate später soll dann der neue Treff für den rheinischen Geldadel fertig sein, sagt Alfredo Pauly.

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