Kommentar zu Umbau der Haltestellen der Linie 16

Verkehr am Limit

Seit Langem diskutieren die Kommunalpolitiker über barrierefreie Haltestellen der Linie 16.

Seit Langem diskutieren die Kommunalpolitiker über barrierefreie Haltestellen der Linie 16.

Bornheim/Wesseling. Die Haltestellen der Stadtbahnlinie 16 in den Bornheimer Rheinorten Hersel, Uedorf und Widdig sowie in Wesseling-Urfeld werden wohl doch barrierefrei ausgebaut. Für die Städte Bornheim und Wesseling könnte das aber viel teurer werden als bislang angenommen.

Der Schienenverkehr in der Region ist am Limit. Allerspätestens nach dem Auftritt von Berthold Suermann von der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) im Wesselinger Stadtrat besteht daran auch nicht mehr der geringste Zweifel.

Die linksrheinische Eisenbahnstrecke zwischen Bonn, Bornheim, Brühl und Köln ist mit Nah-, Fern- und Güterverkehrszügen völlig überlastet. Verspätungen und Ausfälle sind an der Tagesordnung, Pendler aus etwa Roisdorf und Sechtem können ein leidvolles Lied davon singen. Dass die HGK für ihre Güterzüge auf der Suche nach Alternativen zur linksrheinischen Eisenbahnstrecke ist, ist absolut nachvollziehbar. Schließlich macht einerseits der Eisenbahngüterverkehr einen wesentlichen Teil des Geschäfts der HGK aus. Andererseits wollen die großen Chemieunternehmen in Wesseling zuverlässig beliefert werden. Und wenn sich alle über zunehmenden Lkw-Verkehr beklagen, bleibt letztlich nur der Weg über die Schiene.

Das Vorgehen der HGK in dieser Sache ist allerdings mehr als unglücklich. Es ist verständlich, dass die Wesselinger Politiker ziemlich verärgert waren, dass die HGK erst auf Antrag der CDU in Wesseling vorsprach. Freunde für ihr Vorhaben, die Haltestellen der Linie 16 barrierefrei zu gestalten und gleichzeitig Güterverkehr fahren zulassen, machte sich das Unternehmen an dem Abend sicher nicht – vor allem wegen des Geldes.

Es ist ein Unding, dass die Städte Bornheim und Wesseling auch bei den höheren Kosten wegen des – von ihnen nicht gewünschten – Güterverkehrs zehn Prozent Eigenanteil leisten sollen. Obgleich die HGK noch nicht sagen kann, was es kosten wird, ist klar, dass ein Umbau der Bahnsteige für Barrierefreiheit plus Güterverkehr teurer sein wird als eine rein barrierefreie Variante. Hier sollten die Verantwortlichen in Bornheim und Wesseling im Sinne ihrer Bürger und ihrer Haushalte Druck machen. Einer gesetzlichen Vorgabe des Bundes nach soll der öffentliche Personennahverkehr bis 2022 deutschlandweit barrierefrei sein. Dafür muss der Bund dann aber ausreichend Geld zur Verfügung stellen.

Die HGK sowie Wesseling und Bornheim befinden sich in einem Dilemma. Gelöst werden kann es eigentlich nur durch eines: ein weiteres Gleis auf der Eisenbahnstrecke zwischen Bonn und Köln.¶