Barrierefreiheit an Haltestellen

Umbau der Linie 16 könnte für Bornheim und Wesseling teuer werden

Seit Langem diskutieren die Kommunalpolitiker über barrierefreie Haltestellen der Linie 16.

Seit Langem diskutieren die Kommunalpolitiker über barrierefreie Haltestellen der Linie 16.

Bornheim/Wesseling. Weil die Häfen und Güterverkehr Köln wieder Güterzüge auf der Strecke der Linie 16 fahren lassen will, ist nun von einer "Doppelnutzung" die Rede. Damit die Stationen dabei barrierefrei sind, müssen sie aufwendig umgebaut werden.

Die Haltestellen der Stadtbahnlinie 16 in den Bornheimer Rheinorten Hersel, Uedorf und Widdig sowie in Wesseling-Urfeld werden wohl doch barrierefrei ausgebaut. Für die Städte Bornheim und Wesseling könnte das aber viel teurer werden als bislang angenommen. Das lässt sich aus den Ausführungen von Berthold Suermann, Bereichsleiter Eisenbahninfrastruktur bei der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK, siehe Kasten), ableiten. Suermann war am Dienstagabend Gast im Wesselinger Stadtrat. Die CDU hatte den Besuch eines HGK-Vertreters beantragt. Wie berichtet, hatte die Union mitgeteilt, dass die HGK entgegen getroffener Zusagen die Haltestellen nicht ausbauen wolle.

Er wolle „einiges richtigstellen, was falsch rübergekommen ist“, sagte Suermann. Es sei richtig, dass im Jahr 2017 Verträge mit den Städten Wesseling und Bornheim geschlossen wurden, um die Planung für den Umbau auf den Weg zu bringen. „Das Problem ist aber der Güterverkehr im Rheinland“, fügte er hinzu.

Zum Hintergrund: Auf der Stadtbahnstrecke kann die HGK theoretisch auch Güterzüge fahren lassen. Praktisch ist das seit vielen Jahren nicht mehr passiert. Laut Suermann will die HGK diese Option aber wieder wahrnehmen. Der Grund dafür seien die zahlreichen Bauarbeiten der Deutschen Bahn und damit einhergehende Streckensperrungen sowie die generelle Überlastung der linksrheinischen Eisenbahnstrecke zwischen Bonn, Bornheim, Brühl und Köln (der GA berichtete).

Daher benötige die HGK die Stadtbahngleise, um die in Wesseling ansässigen Chemieunternehmen beliefern zu können. Laut Suermann ersetzt ein Güterzug mit 1000 Tonnen rund 40 Lkw. Zudem dürften bestimmte chemische Produkte aus Sicherheitsgründen gar nicht über Straßen gefahren werden.

Güterzüge sind breiter als die Stadtbahn

Das Problem aber ist: Wenn die breiteren Güterzüge über die Stadtbahngleise fahren, können die Haltestellen nicht ohne Weiteres barrierefrei, also hochgebaut werden. Suermann: „Mit einer Güterlok würden wir den Hochbahnsteig abräumen.“ Aus diesem Grund habe die HGK eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um Varianten darzustellen, wie Güterverkehr und Hochbahnsteige zusammen möglich sind. Teil der Studie sei auch der Wunsch aus der Politik, die Linie 16 zwischen Wesseling und Bonn im Zehn-Minuten-Takt fahren zu lassen.

Die Doppelnutzung könnte für die Stadt Bornheim und Wesseling indes teuer werden. Laut Wesselings CDU-Fraktionschef Manfred Rothermund hatten bislang Kosten für den Umbau aller vier Bahnsteige (Urfeld, Widdig, Uedorf, Hersel) in Höhe von rund 3,9 Millionen Euro im Raum gestanden. Zwar wird die HGK dafür Fördergelder beantragen, üblich ist aber, dass die betroffenen Kommunen zehn Prozent der Summe selbst bezahlen müssen. Im Falle Bornheims mit drei Haltestellen wären das knapp 293 000 Euro.

Belieferung von Wesselinger Chemieunternehmen

Wie Rothermund, der auch Ortsvorsteher von Urfeld ist, weiter sagte, habe vor einigen Jahren die Summe von rund 16 Millionen Euro für die Umsetzung einer Doppellösung im Raum gestanden. Zehn Prozent Eigenanteil wären für Bornheim demnach 1,2 Millionen Euro. Rothermunds Angaben müssen aber unter Vorbehalt gesehen werden. Suermann konnte keine Summen nennen, bestätigte aber, dass die Städte den Zehn-Prozent-Anteil auch bei einer teureren Doppellösung tragen müssten. Auf Nachfragen von Rothermund und Wesselings Bürgermeister Erwin Esser (SPD) betonte Suermann, dass die Strecke nur für den Verkehr von und zu den Chemieunternehmen und nicht für allgemeinen Güterverkehr genutzt werden soll.

Rothermund forderte dazu eine schriftliche Zusage der HGK. Auch Vertreter von SPD, Freien Wählern und des Sozialen Bündnisses Wesseling (SBW) kritisierten das Vorgehen der HGK. „Wir wollen frühzeitig mit ins Boot genommen werden“, betonte Helge Herrwegen (SPD). Klaus Meschwitz (Freie Wähler) warf der HGK Vertragsbruch vor, Sascha Jügel (SBW) nannte Suermanns Auftritt „unterirdisch“. Einstimmig ermächtigte der Rat die Stadt, die Angelegenheit mit Nachdruck zu verfolgen und mit Bornheim Kontakt aufzunehmen.