Bilanz für 2017

Kein gutes Zeugnis für Züge im Köln/Bonner Raum

Die S 23 (Bonn-Euskirchen) bei Meckenheim.

Die S 23 (Bonn-Euskirchen) bei Meckenheim.

KÖLN. Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland hat seinen Qualitätsbericht für 2017 vorgelegt. Er zeigt: Die positiven Entwicklungen aus dem Vorjahr haben sich nicht fortgesetzt.

Zunehmende Unpünktlichkeit, zu wenig Sitzplätze, technische Mängel, mehr Fahrgastbeschwerden: 2017 war kein gutes Jahr für den Schienenpersonenahverkehr in der Region. Der Qualitätsbericht, den der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) am Freitag in Köln vorstellte, zeigt eine Reihe von Mängeln auf. Die positiven Entwicklungen aus dem Vorjahr hätten sich nicht fortgesetzt, bedauert der NVR, in dessen Auftrag die Eisenbahnverkehrsunternehmen die Strecken bedienen.

So verzeichneten die lang laufenden Regionalexpress-Linien (RE) 2017 mehr Ausfälle als im Vorjahr. Sechs Prozent der RE-Züge entfielen, nur etwa die Hälfte wurde durch Ersatzverkehr kompensiert. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 2,7 Prozent. Spitzenreiter bei den Ausfällen sind die Linien RE 6 (Köln/Bonn-Flughafen-Minden) und RE 8 (Koblenz-Beuel-Mönchengladbach), deren Ausfallquote jeweils bei mehr als zehn Prozent lag. Stabilisiert haben sich hingegen die Regionalbahnen und die S-Bahnen, die wieder etwas zuverlässiger fuhren.

Pünktlichkeit nimmt allgemein ab

Negativ-Trends gibt es vor allem bei der Pünktlichkeit: 2017 betrug die durchschnittliche Verspätung aller Züge zwei Minuten und sechs Sekunden, gegenüber einer Minute und 50 Sekunden im Vorjahr. Dabei waren die RE-Linien 2017 im Schnitt drei Minuten und 13 Sekunden zu spät (2016 2:48 Minuten), die RB-Linien eine Minute und 48 Sekunden (2016 1:40 Minuten) und die S-Bahnen eine Minute und 16 Sekunden (2016: 0:59 Minuten).

Zu den Gründen für Ausfälle und Unpünktlichkeit 2017 zählt der NVR neben Baustellen auch die Auswirkungen des Sturmtiefs "Thomas". Ein Ärgernis sind aus Sicht des Zweckverbands aber auch die ständigen Überholungen: Oft müssen die Nahverkehrszüge dem verspäteten Fernverkehr den Vortritt lassen und können dann selbst den Fahrplan nicht mehr einhalten.

Auch die Zahl der Fahrgastbeschwerden stieg dem Bericht zufolge an: Die Kunden fühlten sich vor allem bei Verspätungen und Zugausällen schlecht informiert. 1116 Beschwerden (plus 13,4 Prozent gegenüber 2016) gingen ein, die meisten - 156 - übrigens zur RB 48 (Mehlem-Wuppertal). Diese verzeichnete durch die Bauarbeiten an der linksrheinischen Bahnstrecke relativ viele Ausfälle und büßte erneut an Pünktlichkeit ein.

Netz ist längst am Limit

Das Netz im Kölner Raum sei längst am Limit, sagte NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek. Ein Thema, das der Zweckverband in den zehn Jahren seines Bestehens immer wieder angesprochen hat: „Das vorhandene Schienennetz ist nicht mehr in der Lage, das verkehrlich notwendige Leistungsangebot aufzunehmen. Daher müssen alle Beteiligte gemeinsam daran arbeiten, die Schieneninfrastruktur auszubauen“, so Sedlaczek. Der NVR will vor allem den Ausbau des Bahnknotens Köln vorantreiben, der 15 einzelne Bauprojekte vorsieht.

Für die Strecken Köln-Remagen und Köln-Mülheim gelten inzwischen sogenannte Überlastungserklärungen. "Wir haben seit Jahren darauf hingewiesen, dass es knallen wird - und jetzt knallt es", so NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober. Die linksrheinische Bahnstrecke werde erst nachhaltig entlastet, wenn sie drei- bis viergleisig ausgebaut sei.

Züge mit technischen Mängeln

Auch beim Thema "Sitzplätze" lief 2017 nicht alles rund: Die Eisenbahnverkehrsunternehmen haben nicht immer die vereinbarten Kapazitäten vorgehalten. Auf den RE-Linien fielen laut NVR zwei Prozent der Sitzplatzkapazitäten aus (2016: 1,2 Prozent), auf den RB-Linien 1,5 (2016: 1 Prozent) und auf der S-Bahn 1,1 Prozent (2016: 0,9 Prozent). Hintergrund waren meist Probleme mit der Fahrzeugverfügbarkeit. Sedlaczek: "Es fällt auf, dass gerade Fahrzeuge jüngeren Alters immer wieder in die Werkstatt müssen. Teilweise haben wir es mit Serienschäden zu tun", sagte er. Das betreffe zum Beispiel die neuen Züge, die von National Express eingesetzt werden: Dort habe es Probleme mit einem Stromrichter gegeben.

Auch andere Züge haben ihre technischen Macken: Beim RE 9 (Aachen-Köln-Siegen) gab es häufig Probleme mit den Toiletten, bei der RB 30 (Bonn-Ahrbrück) mit den Türen.

NVR kassiert Strafzahlungen

Trost für die frustrierten Kunden: Der NVR kassiert für nicht erfüllte vertragliche Leistungen von den Bahnunternehmen Strafzahlungen. Laut Sprecher Holger Klein liegen diese jährlich in einem "hohen zweistelligen Millionenbereich" und werden postwendend in Zusatzangebote gesteckt, beispielsweise in Sonderfahrten zu Pützchens Markt, den Kölner Lichtern oder Spielen des 1. FC Köln. Auf der Eifelstrecke beispielsweise flossen die Zahlungen auch in Kapazitätserweiterungen.