Integration, Klischees und Liebe

Die "ImmiTanten" feiern Revue in Köln

Myriam Chebabi und Francisco Rodriguez sind als "Die ImmiTanten" unterwegs.

Myriam Chebabi und Francisco Rodriguez sind als "Die ImmiTanten" unterwegs.

Köln. Gemeinsam sind Myriam Chebabi und Francisco Rodriguez als "Die ImmiTanten" unterwegs. Sie sind bekannt als der alternativen "Immisitzung" und spiele humorvoll mit Vorurteilen, die in den Köpfen der Menschen sind.

Deutsche sind fleißig, ordentlich und pünktlich. Sie putzen gerne, lieben Weißwürste und hegen Gefühle für Gartenzwerge. Brasilianer sind temperamentvoll, spontan und knapp bekleidet. Sie tanzen den ganzen Tag Samba, lieben Caipirinha und sonnen sich am Strand von Ipanema. Spanier sind auch temperamentvoll. Außerdem sehr stolz und feurige Liebhaber. Sie tanzen den ganzen Tag Flamenco, lieben Chorizo und die Männer sehen alle aus wie Torreros. Allein diese "typischen" nationalen Eigenschaften würden reichen, um daraus ein abendfüllendes Programm zu machen. Bei dem dann ausgiebig gelacht werden darf.

Myriam Chebabi und Francisco Rodriguez - beide bekannt aus der alternativen "Immisitzung", bei der "Jede Jeck von woanders kommt", also Wurzeln hat, die nicht in Köln liegen - belassen es nicht dabei. Wenn sie als "Die ImmiTanten" auf die Bühne gehen, steht im Mittelpunkt ihrer kurzweiligen Revue schon das Thema Integration ("Integrierter geht's nicht") mitsamt all der Vorurteile, die hartnäckig in den Köpfen herumspuken. Aber in 90 Minuten geht es auch um Liebe, um Poesie, Philosophie und Persönliches. Ähnlich wie bei der "Immisitzung" wird viel getanzt und gesungen, aber nicht geschunkelt. Nach Aschermittwoch käme den "ImmiTanten" das ziemlich spanisch vor - mit Fastelovend haben sie nichts am (Zucker)-Hut.

Kennenlernen bei der "Immisitzung"

Schon als sie sich 2013 bei der "Immisitzung" kennenlernten, wussten die Frau aus Rio de Janeiro und der Mann aus Asturien (Nordwestspanien), dass sie auf einer Wellenlänge liegen. "Wir sind uns beide teilweise sehr ähnlich, wir gehen seitwärts, selten vorwärts, wir denken quer, wo andere nur stur geradeaus sehen können - und wir haben so viel Spaß miteinander", sagt Chebabi, die vor 26 Jahren nach Köln kam. Gedacht war das als Zwischenstopp auf dem Weg nach London. Nun will sie nie wieder weg.

Bis die Seelenverwandten ihr erstes Programm auf die Beine stellten, vergingen dennoch Jahre. Zeit war stets knapp. Außerhalb der Session arbeitet Chebabi als Schauspielerin und Regisseurin, sie singt, moderiert und unterrichtet. Rodriguez, der der Liebe wegen vor 19 Jahren in die Domstadt zog, ist ebenfalls Moderator, Sänger und Schauspieler. Mehrmals im Monat betreut er außerdem autistische Menschen in einer stationären Einrichtung.

Der Klüngel und die Rettung der Welt

Als Don Quichotte von La Mancha (Rodriguez) und Sancho Pansa (Chebabi) kämpfen die beiden nun auf der Bühne nicht nur gegen einen rheinländischen Riesen namens "Der Klüngel", sondern entdecken auch die Rettung der Welt durch Träume und die Kraft, die im Wahnsinn liegt. Weil Wahnsinn frei macht. Sie erzählen von ihrer Kindheit, ihren Familien und ihren Sehnsüchten. Wobei die Suche nach einem "großen, deutschen Bier", trotz Dirndl und Lederhosen, erfolglos bleibt: In Köln sind die Gläser einfach zu klein. Dazwischen werden Gedichte von Heine, Goethe und Heinz Erhardt zitiert, und es gilt, die Frage zu klären, wie Liebe ist. Ist sie so bitterernst-dramatisch wie ein Pasodoble? Oder so locker-leicht wie ein brasilianischer Schlager?

Zwischen Samba-, Flamenco- und Schuhplattler tun sich ebenso absurde wie komische Abgründe auf. Aber es gibt auch Brücken, die darüber hinweg führen. Wie die Erkenntnis: "Die Liebe ist nicht einfach. Nicht als Thema - und nicht als solche." Was ebenso für Deutsche wie Brasilianer und Spanier gilt. Nachdem Chebabi und Rodriguez einmal als Duo losgelegt haben, sind sie nicht mehr zu bremsen. Ihr neuestes Projekt: "Die Kanaken offene Bühnen-Show" in der Lutherkirche.

Zu Gast sind dort Künstler, die kein Deutsch sprechen, aber trotzdem gehört werden und ihre Kunst (aus allen Genres) einem Publikum vorstellen wollen. Chebabi und Rodriguez moderieren. Ist "Kanake" nicht ein Schimpfwort? Nein. Es ist ein Wort aus dem Hawaiianischen. Und bedeutet einfach nur: Mensch.