Ausbau von Airport Köln/Bonn

Bürger können bei Planung zum Flughafen mitreden

Demo am Flughafen im Jahr 2012: Im Einzugsgebiet leiden viele Bewohner unter dem Nachtfluglärm. Dieser nimmt weiter zu.

Demo am Flughafen im Jahr 2012: Im Einzugsgebiet leiden viele Bewohner unter dem Nachtfluglärm. Dieser nimmt weiter zu.

KÖLN/BONN. Das Planverfahren für den Ausbau des Flughafens Köln/Bonn geht in die nächste Runde. Ab dem 17. September haben in Köln Betroffene das Wort.

Der Fluglärm über der Region ist allgegenwärtig. Gerade jetzt, da am Airport Köln-Bonn die große Start- und Landebahn saniert wird und viele Maschinen auf andere Flugroutenausweichen, ist er flächendeckend wahrnehmbar. Und das rund um die Uhr, bei einer steigenden Zahl an Nachtflügen. Städte wie Siegburg, Lohmar und Hennef sind besonders belastet, aber inzwischen gibt es auch aus Bornheim Klagen. Selbst Ahr-Landrat Jürgen Pföhler meldete sich jüngst zu Wort, auch wenn sein Gebiet vergleichsweise gering betroffen ist.

Das Dröhnen am Himmel - ein Dauerthema für die Lärmschutzgemeinschaft (LSG) Köln/Bonn, die sich seit Jahren für eine nächtliche Kernruhezeit einsetzt, bei der zuständigen NRW-Landespolitik aber auf Granit beißt. So gesehen kommt der LSG und den vom Lärm geplagten Kommunen und Bürgern das aktuelle Planfeststellungsverfahren für den weiteren Airport-Ausbau gelegen. Dieses geht nun in die nächste Runde. Für den 17. September, 10 Uhr, und die Folgetage, dann ab 9 Uhr, lädt die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf in den Kölner Sartoty-Saal zum sogenannten Erörterungstermin ein. Dieser ist nicht öffentlich.

Einladung richtet an alle Betroffenen

"Einwender und betroffene Bürger haben die Möglichkeit, ihre Anliegen zum Planfeststellungsantrag persönlich vorzutragen", teilt dazu der Flughafen mit. Einwender sind all jene, die sich im Herbst schriftlich zu der Planung geäußert haben. Das sind allein 16.000 Bürger und Institutionen. Doch die amtliche Einladung richtet sich auch ganz allgemein an die Einwohner von 29 Kommunen im Einzugsgebiet des Flughafens - von Leverkusen bis Königswinter und von Pulheim bis Nümbrecht.

Demnach kann jeder, der sich betroffen fühlt, vorbeikommen und sich zum Thema äußern, vorausgesetzt, er meldet sich ab 8 Uhr am Sartory-Saal unter Vorlage seines Personalausweises an. Der LSG-Vorsitzende Albert Müller und sein Stellvertreter Wolfgang Hoffmann werben in einem Mitglieder-Rundschreiben darum, "die eigene Position offensiv in einem Wortbeitrag zu vertreten".

 

Zwar geht es bei dem Planfeststellungsverfahren nicht um die bis 2030 gültige Nachtfluggenehmigung für Köln/Bonn. Aber es gilt als Hebel, Einfluss auf die weitere Entwicklung des Airports zu nehmen. Denn dieser muss sich zum ersten Mal in 60 Jahren solch einem Verfahren stellen. Aus einem kleinen Militärflughafen in der Wahner Heide entstanden, ist der Airport heute Drehkreuz der Frachtflieger UPS und FedEx. Vor allem seit dem Ende der 90er Jahren ist der Flughafen gewachsen: hier ein Parkhaus, da ein neues Terminal, dort eine Frachthalle - alles ist genehmigt, aber ohne Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung. Möglich machte dies das Luftverkehrsrecht.

Das Bundesverwaltungsgericht stoppte 2014 die Expansion. Nach einer Klage der LSG musste die zuletzt ausgebaute Vorfeldfläche A geschlossen werden. Weil der Flughafen das Vorfeld voll nutzen möchte, beantragte er das Planfeststellungsverfahren. Damit will er auch weitere geplante Aus- und Umbauten rechtlich absichern. Unter anderem will der Flughafen mehr Platz für das Abstellen und Abfertigen von Passagierfliegern schaffen. Dafür soll eine Gepäckhalle weichen. Ebenfalls geplant ist die Erweiterung des Frachtzentrums, ein Lückenschluss im Vorfeld, eine neue Verbindung zwischen den Terminals 1 und 2, ein neues Hotel mit 220 Zimmern sowie Abriss und Neubau das Parkhauses P 1. All das soll laut Flughafen bewirken, dass die "operativen Abläufe sowie die Servicequalität für Airlines und Passagiere verbessert werden".

Experte fürchtet Zunahme des Flugverkehrs

Die LSG und umliegende Kommunen befürchten, dass damit einer Zunahme des Flugverkehrs - eben auch nachts - Tür und Tor geöffnet sei. Das ist auch die Einschätzung des Luftverkehrsexperten Dieter Faulenbach da Costa, der die Städte Siegburg und Lohmar als Gutachter vertritt: Dass lediglich betriebliche Abläufe verbessert werden sollen, sei schon bei früheren Erweiterungen behauptet worden. "Trotzdem hat es seit 1990 erhebliche Zuwächse im gesamten Verkehrsaufkommen gegeben, die eingesetzten Flugzeuge wurden größer und lauter", schreibt Faulenbach da Costa in einer Stellungnahme. Der Antrag des Flughafens nehme das Umland nicht in den Blick - etwa den Nachtfluglärm und seine gesundheitlichen Auswirkungen für Anwohner.

Georg Weicherding hat sich 'reingekniet. Über Monate setzte sich der Siegburger mit der komplexen Materie des Planfeststellungsverfahrens auseinander. Er ist einer von den 16 000 Einwendern. "Mir geht es vor allem um die Frage der gesundheitlichen Schädigung, die Beeinträchtigung der Lebensqualität und um den Wertverlust meines Grundstücks", sagt Weicherding. Er lebt im Siegburger Stadtteil Schneffelrath an der Wahnbachtalsperre und hat dort, wie auch im benachbarten Braschoß, Unterschriften gesammelt.

Weicherding kritisiert das Anhörungsverfahren als intransparent. "Als Otto-Normal-Bürger finde ich mich darin nicht wieder", sagt er. Die Tagesordnung ist sehr allgemein formuliert. Die Punkte heißen "Antragsunterlagen" oder "Anhörungsverfahren". Aus der Bekanntmachung geht nur der grobe Zeitrahmen hervor: Wird am 17. September nicht alles abgearbeitet, geht es am 18., 19., 20 und 21. September weiter, gegebenenfalls sogar noch ab dem 24. September. "Wenn man berufstätig ist oder Kinderbetreuung organisieren muss, ist eine Teilnahme überhaupt nicht realistisch", sagt Weicherding.

So ist unklar, wann die lärmmedizinischen Fragen zur Sprache kommen, die so viele Bürger interessieren. Laut LSG steht bislang nur fest, dass dies nicht gleich am ersten Tag der Fall ist. Inwieweit die Bezirksregierung den Ablauf der Veranstaltung noch konkretisiert, ist offen. Auf Anfrage des GA nahm sie dazu am Mittwoch keine Stellung. Die Behörde erstellt nach dem Erörterungstermin den Abschlussbericht, der an das NRW-Verkehrsministerium geht. "Dort wird entschieden", so eine Sprecherin der Bezirksregierung. Wann mit einem Planfeststellungsbeschluss zu rechnen ist, steht noch nicht fest.

Erörterungstermin: Montag, 17. September, 10 Uhr, Sartory-Saal, Friesenstraße 44-48 in Köln; Beginn an den Folgetagen um 9 Uhr. Einlass und Registrierung immer ab 8 Uhr. Weitere Informationen gibt es hier.