Kabarett in Remagen

Vom sympathischen Hessen zum echten "Sausack"

Zu Hause im Hausmeister-Genre: Peter Beck.

REMAGEN. Der Mann auf der Bühne wunderte sich erstmal, "dass trotz Fußball so viele Leute gekommen sind." Und weil er von so weit her komme, wollte er sich zunächst mal selber vorstellen und sich zeigen. Noch ohne große Maskerade und ohne "hessisch ze babbele" und noch bevor aus Peter Beck der "Begge Peder" wurde.

Der Mann ist geboren in Bad Schwalbach, 59 Jahre alt und hatte einen Bürojob, bevor er hauptberuflich zum Kabarettisten wurde und seitdem mit stetig wachsendem Radius von seiner hessischen Heimat aus, aber dennoch vorwiegend zwischen Nordhessen und der Südpfalz, unterwegs ist.

Obwohl er schon mit dem fünften Programm tourt, gab er in Remagen noch sein "Bäst of" aus seinen ersten vier Programmen zum Besten und warnte seine mehr als 400 Zuhörer vorweg vor der Figur, die er werden würde. Kaum hatte er zu Karohemd, Hochwasser-Hose und braunen Sandalen, natürlich mit (grauen) Socken drin, auch Hausmeisterkittel, Rasierpinselhut, Problemgebiss und Hornbrille angelegt, wurde der sonst so sympathisch wirkende Hesse ein echter "Sausack".

Der Dialekt war kein Problem, auch nicht für das rheinische Publikum, aber es konnte dem städtischen Angestellten "Begge Peder" schlicht keiner recht machen. Ganz aktuell das Fernsehen nicht, das "aus jedem Fußballspiel von 90 Minuten ein Fünf-Stunden-Event" mache und zuletzt sogar ein Spiel Armenien gegen Deutschland gezeigt habe: "Da wär' früher kein Kameramann hingefahre."

Und ganz besonders nicht der Bundestrainer: "Ich könnt' selber locker Bundestrainer sein bei den drei Deutsche, die mir noch habe: mit Özil, Boateng, Khedira und Co. hinne, und vorne renne die zwo Pole um die Wett'." Gerade noch sein Freund Wertstoff-Günther ("Der schafft beim Müll") ging so durch, aber dessen Tochter Melanie und noch mehr dessen Ehefrau Marlies traf es hart: "Das is e' 140-Kilo-Täubche mit de Maße 90-60-90, uns annere Bein auch".

Ausländer, Frauen, Dicke, Schicki-Micki-Typen und überhaupt alle, die irgendwie anders sind, kriegten ihr Fett weg. Episodenhaft berichtete Peter Beck alias Begge Peder von Begebenheiten auch mit Little Joe ("Der heißt so, weil seine Frau bei Lidl schafft") bis hin zu seinem Nachbarn Uwe mit "Wie-geil-ist-das-denn"-Mentalität.

Nicht mit Feingefühl, sondern mit dem Holzhammer stellt sich Begge Peder der Welt entgegen und fühlt sich im Baumarkt zu Hause. Sein Kosmos bewegt sich kaum über sein Eigenheim hinaus. Eine Fondue-Party beim Nachbarn ist ihm schon mehr als suspekt, eine Kaffeebestellung bei Starbucks fast eine Unanständigkeit, und ein gewonnener Bayreuth-Besuch sowie die Hamburg-Tour mit Kumpels sind gleichsam Reisen in exotische Gefilde.

Weder vor einer Saunaszene noch vorm Reeperbahnerlebnis machte Begge Peder Halt. Dabei manövrierte er sich von Alt-Herren-Witz zu Alt-Herren-Witz und von der Plattitüde zur Trivialität und zum Stereotyp. Gerne kalauerte er jenseits jeder politischen Korrektheit und jenseits des guten Geschmacks.

Dass seine Schenkelklopfer dennoch ankamen, hat vielleicht auch mit der langjährigen Erfahrung Becks in der Mainzer Fastnacht zu tun, der am Ende über seine Kunstfigur feststellte: "Das ist Drecksack, der Begge Peder, das ist schweinischer Kram, aber das ist einfach das Genre dieser Hausmeister. Es gibt halt noch sein paar vom alten Schlag, und die lernen es nie, sind stockkonservativ und haben immer Recht. Solche Leute gibt es noch, leider." Und leider sterben sie dank Peter Beck auch nicht aus.

Es gab viel Applaus, aber auch manchen, der vielleicht lieber doch Fußball geschaut hätte.