Ehemalige Hotels "Bellevue" und "Zum Anker"

Vergangene Pracht am Rhein

ROLANDSECK. Vergangene, verblichene Pracht: Nur noch wenig erinnert an die einst glorreichen Zeiten der Hotels "Zum Anker" und "Bellevue" in Rolandseck. Die Gebäude, in denen einst wohlhabende Ausflügler nächtigten, stehen zwar noch, doch scheinen sie dem Verfall preisgegeben.

"Hiermit zeige ich an, dass ich heute, den 13. April 1856, meinen neuerbauten Gasthof eröffnet habe. Mein Bestreben wird dahin gehen, die mich mit ihrem Besuche beehrenden Gäste aufs billigste und beste zu bedienen, so wie ich noch extra bemerke, dass ich ein ausgezeichnetes Glas bayerisches Bier zu jederzeit verabreichen werde.

Zugleich findet heute bei der Eröffnung Hornquartett von Trompeten des 7. Husaren-Regiments statt. Entree frei. Um zahlreichen Besuch bittet Carl Billau", annoncierte der Hotelier des "Bellevue" in der "Bonner Zeitung". Dicht "am Landungsplatze der Dampfschiffe und dem Stationsgebäude der Eisenbahn" sei sein Haus gelegen, fügte der Gastronom noch hinzu.

Der Bahnhof muss damals allerdings gerade im Bau gewesen sein, denn als Fertigstellungstermin des Empfangsgebäudes des bedeutenden Kulturdenkmal der rheinischen Kunstgeschichte und des frühen deutschen Eisenbahnbaus gilt das Jahr 1858.

Aus den Fugen wuchert das Unkraut

Seit Jahrzehnten befinden sich das "Bellevue" und der "Anker" in einem Dornröschenschlaf. Von den Fassaden bröckelt der Putz, aus den Fugen der Balkone wuchert das Unkraut, die Fensterscheiben wirken blind. Und hinter den Scheiben lässt sich auch nur noch erahnen, dass sich dort einst Besucher vergnügten.

Ballsaal, gediegen ausstaffierte, helle Zimmer, Restaurants, in denen rheinische Küche angeboten und die Gäste von reichlich Personal umsorgt wurde: alles nur noch Vergangenheit.

Für das "Rheingold-Bellevue" , das um 1900 in den Besitz der Familie Decker überging, zeichnet sich keine Perspektive ab: Die Bonner Johannes-Wasmuth-Gesellschaft hatte angeblich Interesse, dem altehrwürdigen Gemäuer wieder neues Leben einzuhauchen. Gedacht war an eine Herberge für junge Künstler. Allerdings sind die Verhandlungen zum Erliegen gekommen - eine Einigung hinsichtlich des Kaufpreises ist nicht in Sicht.

Besitzer der Immobilie ist Philipp Decker. Schon sein Vater und Großvater hätten das Haus angeblich jederzeit verkaufen können. An Anfragen habe es nie gemangelt, teilte die Familie mit. "Vielleicht ist meinem Sohn Philipp ja vergönnt, was uns nicht gelungen ist: Das Haus einer guten Bestimmung zuzuführen", so Klaus Decker im vergangenen Jahr. Noch aber gibt es dafür keinerlei Anzeichen.

Was passiert mit dem "Anker"?

Offen ist auch, wie es mit dem Gebäude des ehemaligen Rheinhotels "Anker" an der B 9 weitergeht. Die Kreisverwaltung als Bauaufsichtsbehörde hat nach Auskunft der Remagener Stadtverwaltung den Besitzer angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Zuletzt war die chinesische Botschaft in dem markanten Haus untergebracht. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die französischen Besatzer das Hotel als Fernmeldezentrale.