Bad Neuenahrer Privatschule

Juden damals und Zuwanderer heute

Carpe Diem-Schüler vor Stolpersteinen, die in Bad Bodendorf verlegt werden sollen. Repro: GA

REMAGEN. Die öffentliche Diskussion um Vorbehalte gegen die Zuwanderung von Fremden nach Deutschland hat die Klasse 10 b der Bad Neuenahrer Privatschule Carpe Diem zum Anlass genommen, sich eingehend mit der jüngeren deutschen Geschichte zu befassen.

Die öffentliche Diskussion um Vorbehalte gegen die Zuwanderung von Fremden nach Deutschland hat die Klasse 10 b der Bad Neuenahrer Privatschule Carpe Diem zum Anlass genommen, sich eingehend mit der jüngeren deutschen Geschichte zu befassen.

Dazu besuchte sie die Ausstellung "Mitbürger unter Vorbehalt - Remagener Juden zwischen Anerkennung und Vernichtung" im Foyer der Kreisverwaltung. Die Vorurteile und Ressentiments in Hitler-Deutschland gegen jüdische Mitmenschen müssten Geschichte bleiben, fand Schulleiter Luca Bonsignore und verwies auch auf die Bedeutung einer Erziehung zu Toleranz: "Dazu gehört auch, dass sich unsere Schüler vorurteilsfrei mit der Lebenssituation der neuen Mitbürger aus den osteuropäischen Ländern auseinander setzen."

Warum die deutschen Juden nur "Mitbürger unter Vorbehalt" waren und wie es den Nationalsozialisten gelang, in aller Öffentlichkeit brutal gegen die jüdischen Mitbürger ab 1933 vorzugehen, ohne dass sich der Volkszorn offen regte, waren Fragen, die die Zehntklässler beschäftigten. Sie setzten sich beim Ausstellungsbesuch mit dem Schicksal der Juden im Raum Bad Bodendorf/Remagen auseinander.

Schüler Constantin Wenzel verwies darauf, dass die Schautafeln der Ausstellung zeigen, dass einzelne Juden die Anerkennung, manchmal sogar die Hochachtung ihrer christlichen Mitbürger genossen hatten, ehe sie durch die nationalsozialistischen Judenhasser ausgegrenzt, wirtschaftlich ruiniert, deportiert und ermordet wurden.

Jana Meissner hatte in einem Referat die Geschichte der deutschen Juden aufgearbeitet. Sie betonte, dass sich antijüdische Ressentiments seit dem Mittelalter wie ein roter Faden durch die deutsche Geschichte zögen. Die Emanzipation der Juden im Bereich des heutigen Kreises Ahrweiler habe erst unter der französischen Besatzungsherrschaft um 1800 begonnen, als Remagen eine Bürgermeisterei im Rhein-Mosel-Departement gewesen sei.

In ihrer Auseinandersetzung mit der Gegenwart verwiesen sie Schüler auch auf die jüngsten "braunen" Umtriebe in Bad Neuenahr und in der Goldenen Meile in Remagen. Einig war sich Klasse, dass Minderheiten zu beschützen sind. Klassensprecher Oliver Huda fand: "Die Ausstellung verdeutlicht, dass Juden bis 1933 bald 130 Jahre unbehelligt im Kreis Bad Neuenahr gelebt haben."