Tag der Demokratie in Remagen

Größter Aufmarsch in Rheinland-Pfalz

REMAGEN. Großaufgebot der Polizei in der Römerstadt: 900 Polizeibeamte waren am Samstag im Einsatz. 450 Gegendemonstranten bildeten das lautstarke Gegengewicht zu 250 Rechtsextremen, die zur Friedenskapelle "Schwarze Madonna" marschierten.

Rechte Gruppierungen aus dem gesamten Bundesgebiet sind am Samstag nach Remagen gereist, um zum achten Mal in Folge ihren „Gedenkmarsch für die Toten in den alliierten Rheinwiesenlagern“ zur Friedenskapelle „Schwarze Madonna“ durchzuführen. Wer hoffte, dass die Ewiggestrigen angesichts massiver Gegendemonstrationen und des „Tags der Demokratie“ die Lust an ihrem Treiben verlieren würden, sah sich getäuscht. Denn mit etwa 250 Teilnehmern war Remagen auch in diesem Jahr Schauplatz des größten Neonazi-Aufmarschs in Rheinland-Pfalz.

Ebenso entschlossen wie in den vergangenen Jahren bildete das „Bündnis Remagen Nazifrei“ ein lautstarkes Gegengewicht zu den ungebetenen Gästen der rechten Szene. Unter dem Motto „NS-Verherrlichung stoppen“ hatten sich rund 40 meist antifaschistische Gruppierungen zusammengeschlossen, um sich mit gut 450 Gegendemonstranten gegen den Nazi-Aufmarsch zu wenden. Mit lautstarken Sprechchören sowie Schildern und Transparenten mit Parolen wie „Rechtsterrorismus bekämpfen“, „Nazis sind keine Helden“, „Rechter Hetze entgegentreten“ oder „Gegen Nationalismus und Rassismus“ hatten sie die Rechten bereits am Bahnhof begrüßt. Mit etwa 900 Beamten sorgte die Polizei dafür, dass die Wege der beiden verfeindeten Gruppierungen sich nicht kreuzten und unmittelbare Konfrontationen ausblieben.

Damit dies gelingen konnte, war allerdings auch in diesem Jahr ein teilweise massives Vorgehen der Beamten notwendig. Bereits bei der Zwischenkundgebung der linken Gegenprotestler am jüdischen Friedhof war es Neonazis gelungen, zu stören. Sie wurden jedoch von der Polizei schnell aus der Gefahrenzone geleitet. Ebenfalls am Friedhof trafen auch die 70 Teilnehmer des von FH-Studenten organisierten „Laufs der Demokratie“ auf den Pulk der Gegendemonstranten. Zwar wurden die Läufer bejubelt, mussten sich teilweise jedoch ihren Weg durch die Menge bahnen. „Dass wir auf die Demonstranten treffen war nicht vorgesehen. Schade, dass wir unseren Lauf nicht ungestört fortsetzen konnten“, bedauerte Marvin Stravs, Mitorganisator und Mitglied des AStA, den Hindernislauf.

Auch als sich später etwa 30 Antifa-Mitglieder dem rechten Pulk nähern wollten, schritt die Polizei ein. Während der Kundgebung der Rechten an der Friedenskapelle, die das Bündnis für Frieden und Demokratie wieder mit weißen Tüchern verhüllt hatte, äußerten die Linken in gebührendem Abstand lautstark ihren Unmut. Auf dem Rückweg kam es zu weiteren Zwischenfällen. Als Gegendemonstranten auf der Naziroute auftauchten, mussten sie von den Beamten von der Straße gedrängt werden. Und als es etwa 80 Linken gelang, sich in einem Vorgarten am Rande des vorgeschriebenen Weges der Rechten zusammenzurotten, kesselt die Polizei sie ein. Offenbar wurde dabei Pfefferspray eingesetzt, so dass Sanitäter einige Personen behandeln mussten. Ein Demonstrant musste zur Behandlung ins Krankenhaus. Zwei Gegendemonstranten nahm die Polizei vorübergehend fest. Nach fünf Stunden war der Spuk vorbei – zumindest bis zum nächsten Jahr.