Ahr erhält Auen zurück

Hochwasserschutz an der Ahr erfolgreich ausgebaut

Die Renaturierungsarbeiten an den Ahrauen sind, wie hier in Liers, fertiggestellt.

Die Renaturierungsarbeiten an den Ahrauen sind, wie hier in Liers, fertiggestellt.

HÖNNINGEN. Ein verheerendes Hochwasser hatte an der Ahr im Juni 2016 Schäden in Millionenhöhe verursacht. Nun wurde am Donnerstag die Renaturierung des Flusses zugunsten des Hochwasserschutzes abgeschlossen.

Munter und doch brav in ihrem Bett plätschert die Ahr unter der Brücke bei Liers hindurch in ihrer Aue. Junges Gras bedeckt die frisch modellierte Erde, und niemand ahnt, dass die leicht wellig gestalteten Flächen am linken und rechten Ufer erst jüngst durch Menschen so hergerichtet worden sind. Am Donnerstag feierten die Beteiligten von Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD), Kreis und Verbandsgemeinde Altenahr in Liers zusammen mit den an Planung und Bau beteiligten Firmen das in nur vier Monaten vollendete, eine Million Euro teure Projekt der Ahr-Renaturierung zugunsten des Hochwasserschutzes.

Dabei sind außer in Hönningen-Liers Retentionsflächen in Altenburg, Kreuzberg und Dernau entstanden. Das verheerende Ahr-Hochwasser von Anfang Juni 2016, das 800 Gebäude beeinträchtigt und Schäden in Millionenhöhe verursacht hatte, hatte die Verantwortlichen in einer gemeinsamen Aktion nach Vorsorge suchen lassen. Die Lösungen geben der Ahr Platz, sich bei stark anhaltendem Regen auszudehnen, statt ins Tal zu schießen. Sie kommen den Menschen in den Orten ahrabwärts zugute, wie auch der Natur im Gewässer und an seinen Ufern.

Landrat Jürgen Pföhler tat den Blick zurück: „Die Ahr wurde in den vergangenen Jahrzehnten unter dem zunehmenden Druck der Besiedlung, der landwirtschaftlichen Nutzung und der Industrialisierung verändert.“ So habe sich in den einstigen Auen, die bei Hochwasser natürliche Retentionsräume waren, Kies abgelagert und dies habe den natürlichen Flusslauf verändert. Schon seit 30 Jahren arbeite der Kreis zusammen mit der SGD Nord daran, die Gewässerstruktur der Ahr wieder zu verbessern. „Der Klimawandel und seine Folgen stellen uns vor große Herausforderungen.“ Beim Hochwasser 2016 habe sich gezeigt, wie schnell der Kreis durch extreme Naturgewalten von einem Moment zum anderen stark beschädigt werden könne.

„Wir haben die Konsequenzen gezogen und setzen alles daran, dass sich dies nicht mehr wiederholt“, fuhr der Landrat fort. Die Maßnahmen sollten dazu beitragen, Folgen von Hochwasser zu mildern. Hochwasser vermeiden könne man nicht. Durch die Wiederherstellung der Auenbereiche seien die Lebensgrundlagen für Flora und Fauna verbessert und gleichzeitig Überflutungsflächen geschaffen worden. 36 000 Tonnen Erdreich und Kies, 1800 Lkw-Ladungen, seien abgefahren – und für die Rampen der Ortsumgehung Bad Neuenahr verbaut worden. Damit hätten 50 000 bis 100 000 Euro gespart werden können. Ausdrücklich dankte Pföhler für die „vorbildliche Unterstützung“ durch das Land und die SGD Nord. In seinen Dank schloss Pföhler das Planungsbüro Porz und die Baufirma Körtgen ein wie auch die Eigentümer der betreffenden Flächen und die Ortsgemeinden. Joachim Gerke, Abteilungsleiter bei der SGD Nord, überreichte dem Landrat den Abnahmebescheid für die gesamte Maßnahme. „Hochwasserschutz ist eine gesellschaftliche Aufgabe, der sich auch das Land stellen muss“, sagte er. Darum sei die hohe Kostenbeteiligung richtig. An den Baustellen sei gut und sorgfältig gearbeitet worden, lobte er. Nach den Reden enthüllte der Landrat eine Infotafel zu dem Projekt.

Wer seine Augen über die neu modellierten, mit Gras eingesäten und von wenigen Baumgruppen bestandenen Auen streifen lässt, ahnt schnell, wie weit sich ein See ausdehnen und Wasser zurückhalten kann.