Schlechtes Betriebsklima

Gewerkschaft spricht von Mobbing in den Römer-Thermen

Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch (l.) und Thermen-Geschäftsführerin Tanja Faßbender.

Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch (l.) und Thermen-Geschäftsführerin Tanja Faßbender.

BAD BREISIG. Die Mitarbeiter in den stadteigenen Römer-Thermen liegen mit der Geschäftsführung wegen des schlechten Betriebsklimas im Clinch, während die Stadt Bad Breisig alle Vorwürfe zurückweist.

Hinter den Kulissen der stadteigenen Römer-Thermen in Bad Breisig brodelt es gewaltig. Mitarbeiter und Geschäftsführung tragen einen bitteren Streit aus, in den sich nun auch die Gewerkschaft Verdi eingeschaltet hat. „Im Rahmen einer Umstrukturierung wurden Aufgabenbereiche verschiedenen Mitarbeitern neu zugewiesen, die im Rahmen des Direktionsrechts eines Arbeitgebers liegen. Änderungskündigungen waren nicht erforderlich“, stellte Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch klar. Verdi hingegen spricht von „Mobbing“ und anstehenden Gerichtsverfahren.

Im März hatte die Belegschaft des Bades erstmals einen Betriebsrat gewählt. Die Wahl wurde seitens der Geschäftsleitung wegen einiger Formfehler angefochten und wird zurzeit beim Arbeitsgericht Koblenz unter dem Aktenzeichen 7 Ca 1304/18 behandelt. Verdi geht davon aus, dass Thermen-Geschäftsführerin Tanja Faßbender mit der Zusammensetzung des Betriebsrates nicht einverstanden ist.

Angeblich dürfen gewählte Mitarbeiter seit der Wahl nicht mehr ihrer eigentlichen Tätigkeit während ihrer gewohnten Arbeitszeiten nachgehen. „Zwischenzeitlich haben mehrere Beschäftigte aufgrund dieser erheblichen Schikane, die teilweise auch Mobbing bedeutet, bereits das Arbeitsverhältnis gekündigt“, so Gewerkschaftssekretär Jürgen Rinke-Oster zum GA. Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz seien an der Tagesordnung. Die Stimmung sei von Angst geprägt.

Einige sollen bereits gekündigt haben

Hermann-Lersch erklärte, dass die Betriebsratswahl fehlerhaft gewesen sei, da nicht allen Beschäftigten die Möglichkeit gegeben wurde, an der Wahl teilzunehmen. Diese Anfechtung habe nichts mit den gewählten Personen zu tun, sondern lediglich mit den vorgenannten Fehlern im Verfahren. Das Gericht habe hierzu einen Verhandlungstermin erst zum Ende des Jahres anberaumt.

Die Behauptung, Mitarbeiter, die dem Betriebsrat angehören, dürften nicht mehr ihrer eigentlichen Tätigkeit während ihrer bisherigen Arbeitszeiten nachgehen, sei nicht nachvollziehbar und auch nicht zutreffend. Richtig sei, dass eine Mitarbeiterin gekündigt habe, weil sie die von der Geschäftsleitung im Rahmen des Direktionsrechts vorgegebenen Arbeitszeiten nicht akzeptieren wollte. Hermann-Lersch: „Ob die Anordnung von festen Schichtarbeitszeiten durch den Arbeitgeber ein Mobbing der Mitarbeiterin dargestellt hat, wird das Gericht in der Berufung zu dieser Entscheidung zu beurteilen haben.“ Faßbender habe den Auftrag, diese neu und effizienter zu strukturieren. „Diese Umstrukturierung wollen einige wenige Mitarbeiter der Therme nicht mittragen“, so die Stadtbürgermeisterin.

Stadt weist Vorwürfe zurück

Mobbing habe es nicht gegeben: Das sei erst dann anzunehmen, „wenn die Würde des Arbeitnehmers verletzt und ein durch Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen und Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen“ werde. Das sei nicht der Fall. In den verschiedenen Bereichen der Thermen würden Pausen ermöglicht, nur im Bereich an der Kasse und im Bad seien sie derzeit nicht darstellbar. „Dabei haben bis heute die langjährig dort tätigen Mitarbeiter solche nicht gewünscht und nicht als notwendig verlangt. Wenn dies aber so gewünscht werden sollte, werden auch dort Pausen nach Möglichkeit eingerichtet“, hieß es aus dem Bad Breisiger Rathaus.

Zurückgewiesen wurde auch der Vorwurf, es werde von der Geschäftsführung Angst und Schrecken verbreitet. Hermann-Lersch: „Es ist nicht erkennbar, wovor Mitarbeiter Angst haben sollten. Daher ist uns ein Eingehen darauf auch nicht möglich.“ Soweit Gerichtsverfahren anhängig seien, seien die Thermen von Mitarbeitern verklagt worden und nicht umgekehrt. Derzeit sei ein Verfahren einer Mitarbeiterin anhängig.