Stehende Ovationen in Sinzig

Die Ulmer Spatzen sind echte Singvögel

Sinzig St Peter Konzert Ulmer Spatzen

Sinzig St Peter Konzert Ulmer Spatzen

SINZIG. Zusammen mit dem Chor Sankt Peter Westum boten die 50 Elf- bis 21-Jährigen ein mitreißendes Konzert – dazu Hüftschwung, Klatschen und emporgestreckte Arme.

So kann man ein „Gloria“ auch singen: mit zum Publikum vorgeneigtem Oberkörper und flink aber unhörbar „trommelnden“ Fäusten sowie lächelndem Gesicht und funkelnden Augen. Dazu Hüftschwung, Klatschen und emporgestreckte Arme. Dieser Lobpreis des Herrn war mehr „gerockt“ als ehrfürchtig, und doch war es eine Ehrerbietung, die sofort mitriss. Beim Konzert der Ulmer Spatzen an Sankt Peter Sinzig war Bewegung drin, und zugleich bewegten nicht nur die rund 50 Elf- bis 21-jährigen Gastsänger, sondern auch der Chor Sankt Peter Westum die rund 200 Zuhörer mit anspruchsvollen Interpretationen.

Von großer Ausdruckskraft, die unmittelbar anrührte, waren die vorgetragenen Werke der jungen wie der älteren Sänger. In schönem Wohlklang zogen die jungen Gäste mit ruhigem „Lulu“ und gefalteten Händen zu Naomi Shemers „Haasina Elohim“ in die Kirche ein. „Ach“ seufzten die jungen Stimmen bei Johann Sebastian Bachs „Wir eilen mit schwachen doch emsigen Schritten“, und manchmal war es nicht mehr als beschwörendes Flüstern, dann wieder Ausbund an Expressivität. Fast schmerzlich hoch sangen die „Spatzen“, übrigens überwiegend Mädchen, bei Arvo Pärts „Peace upon you, Jerusalem“, hielten die hohen Töne und setzten diesen tiefes, ruhiges Deklamieren entgegen.

Sorgsam arrangiert und gefühlvoll dirigiert

Oft jazzig inspiriert, stets sehr sorgsam arrangiert und gefühlvoll dirigiert von ihrem Chorleiter Hans de Gilde waren die Vorträge der Ulmer Spatzen. Bei Josef Rheinbergers „Kyrie“ und bei Bobby Hebbs „Sunny“ wurden sie zudem mit Feingefühl begleitet von Barbara Comes am Klavier. Deren Freundschaft zu Andrea Kattner, Sängerin im Westumer Chor, hatte die Ulmer Spatzen auf ihrer Konzertreise mit Auftritten auch im Kölner Dom für vier Tage nach Sinzig gebracht, wo sie in Gastfamilien wohnten und auch zwei Stücke mit den Westumer Sängern realisierten.

„Jesus Christ, you are my life“ war mehr als nur eine ansprechende Ansprache an den Herrn. Und beim abschließenden „Ubi caritas“ verteilten sich alle Sänger rund um ihre Zuhörer.

„Von Bach bis Bernstein“ lautete der Titel des Programms und beschrieb damit schon dessen großen Umfang. Es hätte aber auch „von Gospel bis Michael Jackson“ heißen können, denn das war das Spektrum, dass die etwa 40 Westumer Sänger unter Leitung von Andreas Dietls boten. Begleitet von Iris Dietl (Klavier) und teilweise auch von Valentin Dietl (Klarinette) und Jakob Dietl (Cello) präsentierten sie sich als dynamischer Klangkörper, der mit Bachs „Nun ruhen alle Wälder“ so zu gefallen wusste wie mit der jüdischen Volksweise „Hine mah tow“ und mit Claudia Krahe eine würdige Solistin präsentierte.

„Eine schöne Zeit“ hatte der Vorsitzende des Westumer Chors, Hans-Albert Lohmer, im Vorfeld gewünscht. Dass es noch mehr als das war, bewiesen die stehenden Ovationen des Publikums am Schluss.